Kurfürstliches Beethovenfest
Musik- und Rahmenprogramm trotzten Regen

Das Akkordeon-Orchester Wesseling eröffnete unter Leitung von Anita Brandtstäter das Samstagsprogramm.
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  • Das Akkordeon-Orchester Wesseling eröffnete unter Leitung von Anita Brandtstäter das Samstagsprogramm.
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Bonn-Bad Godesberg. Eine Rückmeldung aus dem Publikum nach 45 Minuten vielfältiger Unterhaltungsmusik des Akkordeon-Orchesters Wesseling in kleiner Besetzung beim Kurfürstlichen Beethovenfest 2021 in Bad Godesberg - ein bisschen Beethoven, etwas Originalmusik, Filmmusik, Welt-Hits: "Eigentlich mag ich kein Akkordeon. Aber so etwas Tolles habe ich auch noch nie gehört! Bei 'Hallelujah' bekam ich sogar eine Gänsehaut."

Acht Akkordeonisten, ein Bassist, eine Pianistin und ein Schlagzeuger hatten am Samstagnachmittag auf der Open-Air-Bühne des Kleinen Theaters am Kurpark Platz genommen und feierten unter Leitung von Anita Brandtstäter den großen Komponisten, der 22 Jahre in Bonn gelebt hat, zu seinem 250. Geburtstag, den Veranstalter Kunst und Kultur in Bad Godesberg KuKuG e.V., der das Flair der Beethoven-Zeit ins Hier und Jetzt holte, und auch ein bisschen den eigenen Verein, der letztes Jahr sein 55. Jubiläum auch nicht begehen konnte: mit "Celebration" von Kool & the Gang, versetzt mit Elementen aus Beethovens 5. Sinfonie, und "Congratulations", dem Eurovisions-Song von Cliff Roberts. Das Eingangsmotiv von Beethovens Schicksalssinfonie wurde auch in der Disco-Version "A Fifth Of Beethoven" verarbeitet. Neben der Originalkomposition "Footprints" von Hans-Günther Kölz und Matthias Anton erklangen viele bekannte Melodien: mit der Titelmelodie der Fernsehserie "Derrick" nahm man Bezug auf die vielen Aufführungen im Kleinen Theater, bei "Der Pate" erinnerte man an die Bürgeraktion "Unser Ludwig", initiiert von Bürger für Beethoven e.V. mit 3.214 Patenschaften für den "Lächelnden Ludwig" von Ottmar Hörl. Das Versorgungsschiff "Wellerman" versorgte die Walfänger in Neuseeland mit Proviant, die Musiker versorgten das Publikum mit lebensnotwendiger Musik. "Hallelujah" von Leonard Cohen war mehr Erfolg beschieden als Beethovens gleichnamigem Schlusschor aus dem Oratorium "Christus auf dem Ölberge". Als Zugabe erklang der Walzer "Belle Of The Ball" in Anspielung an die Feste in der benachbarten Redoute, in deren Park das Beethovenfest in größerem Stil eigentlich hätte stattfinden sollen.

Schade, dass das Wetter für das weitere Programm nicht stabil blieb. Im Rahmenprogramm hatte KuKuG viele Menschen in Kostümen eingeladen, und die Ehrenamtlichen hatten sich auch entsprechend angezogen. Der Plaisier Royal des Jardin des Epoques e.V. präsentierte Poesie aus Beethovens Tagen in der Garderobe des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die historischen Fechter des Jardin des Epoques e.V. zeigten ein - nicht ganz so ernstes - Duell unter Ehrenmännern, wie es sich zur Zeit Beethovens zugetragen haben könnte. Der Verein Mascherata Veneziana zeigte sich in venezianischen Kostümen, wie sie auch auf den Maskenbällen in der Redoute getragen worden sein können. Eine weitere Gruppe La Riverenza aus Dortmund führte historische Tänze vor. Auch der Vater, Johann van Beethoven, mischte sich unter das Publikum und plauderte über seinen Sohn. Außerdem unterhielt Hermann Hergarten mit einer Drehorgel aus dem 18. Jahrhundert in den Pausen zwischen den Musik-Acts.

Im Klavierkabarett „Unser Ludwig lächelt“ von Stephan Eisel ging es um Beethovens Bonner Jahre. Mit Fingerübungen auf 88 Tasten von Jazz über Boogie-Woogie bis zum Rock präsentierte er auf unterhaltsame Weise Beethovens Bonner Liebschaften Babette, Jeanette, Anna und Lorchen. Ihm gelang es wunderbar, dass alle den Ludwig lächeln sahen!

Die amerikanische, in Bonn lebende Pianistin Margot Nisita spielte am Sonntag ein Programm aus Klavierwerken Ludwig van Beethovens und Werken, die sich auf die Natur beziehen. Im Sommer feierte sie ihren 90. Geburtstag.

Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister von Bonn in den Jahren 2009 bis 2015, mimte sehr erbaulich den Lehrer Beethovens Christian Gottlob Neefe. Die Pianistin Susanne Kessel unterstützte ihn dabei mit Stücken von Neefe und aus Beethovens frühen Jahren. Anlässlich des 250. Geburtstages Ludwig van Beethovens leitete die Bonnerin seit 2013 das internationale Kompositionsprojekt „250 piano pieces for Beethoven“. In Form persönlich erteilter Kompositionsaufträge lud sie 250 Komponisten aus 47 Ländern verschiedener musikalischer Genres dazu ein.

Das Musikerehepaar Monika Tschurl und Michael Dartsch konzertieren seit vielen Jahren zusammen, sie präsentierten Literatur für Violine und Klavier von Haydn und Mozart.

Funkensprühende Brillanz und ausgefeilte Technik - so entfesselte das Duo Sophie Moser und Katja Huhn im Abendprogramm ein Feuerwerk der Musik. Spielerisch lösten sie vermeintliche Widersprüche zwischen klassischer und moderner Musik auf und begeisterten ihr Publikum mit vielseitiger Musik und ihrer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz. Ihre Interpretation der Champagner-Sonate wurde mit einem guten Tropfen der Winzerei Gebrüder Köwerich belohnt.

Das 2018 von Bassem Hawar gegründete Nouruz-Ensemble besteht aus Virtuosen, die in ihren Heimatstädten Bagdad, Aleppo und Teheran die alten orientalischen Instrumente Djoze, Santur, Nay, Duduk, Qanun und verschiedenen Trommeln studiert haben und jetzt nicht nur orientalische Musik spielen.

Als Höhepunkt zum Abschluss war die Show "Classic Meets Gypsy – Marcus Schinkel Trio feat. Joscho Stephan" geplant. Französischer Swing a la Django Reinhard traf auf bekannte Melodien der klassischen Musik: ein einzigartiges Zusammenspiel von Marcus Schinkel am Klavier und Joscho Stephan an der Gitarre. Das Konzert begann mit Beethovens “Wuth über den verlorenen Groschen“ und dem berühmten Liebestraum von Franz Liszt. Dann fing der Regen an und der Strom fiel immer wieder aus. Die Musiker spielten unplugged weiter, die Rumba-Version des "Love Theme" aus "Der Pate" mit Melodica-Solo, ein besonders langes Schlagzeug-Solo von Wim de Vries, eine Komposition von Joscho Stephan... Und das Publikum rettete sich unter die extra angeschafften Schirme und klatschte begeistert weiter.

Nicht nur die Vorsitzende von KuKuG Sabine Köhne-Kayser und der Hausherr des Kleinen Theaters Frank Oppermann hätten sich schöneres Wetter gewünscht. Aber Beethoven da oben hat es sicher auch so gefallen.

Autor:

Anita Brandtstäter aus Köln

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