Offen und ungeschönt Teil 1: Pfarrer Regamy Thillainathan in der Bad Godesberger Predigtreihe und im Gespräch über die Zukunft der Kirche

 Darstellung zur Predigt am 2. Fastensonntag
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„Randfiguren der Passion: Maria – berührend“ 

Unter diesem Titel stand in der Bad Godesberger Herz-Jesu-Kirche (Rheinviertel) am zweiten Fastensonntag (17.03.2019) der erste Teil der diesjährigen Fastenpredigtreihe. Auch nach dem Weggang von Pfarrer Dr. Wolfgang Picken ist für dieses Format gesorgt; wechselnde Geistliche predigen in diesem Jahr zum Thema „Randfiguren der Passion“ (Näheres zu den weiteren Fastensonntagen s. weiter unten).

Visuelle Gestaltung

Statt der wechselnden Verhüllungsinstallationen von Fee Barden gibt es nun laut Gemeinde „szenische Darstellungen“ unter dem Kreuz. Darunter hatte (nicht nur) ich mir eine gespielte Szene vorgestellt; es handelte sich jedoch um eine Zeichnung, die durch liturgisch passendes violettes Licht farbig in Szene gesetzt wurde (s. Fotos).

Musikalische Gestaltung

Musikalisch wurde der Gottesdienst, an dem am vergangenen Sonntag alle Firmanden des Seelsorgebereichs teilnahmen, auf gewohnt hohem Niveau gestaltet. Die Gottesdienste der Predigtreihe werden 2019 wie gehabt in je eigener Weise musikalisch gestaltet. Den stimmungsvollen Anfang machten Slawomir Lackert (Oboe) und Daniel Kirchmann (Orgel); am kommenden Sonntag wird der Chor „Rheinvierteltakt“ unter Leitung von Ludger Brück zu hören sein.

Prediger und Predigt

Der erste Prediger der diesjährigen Reihe war Pfarrer Regamy Thillainathan. Der Corpus Christi-Priester (Jahrgang 1982), dessen Heimatgemeinde St. Marien (Neuss) ist, sprach zunächst über seinen Hintergrund und Werdegang, bevor er in seiner Predigt näher auf eine persönliche, stark prägende Erfahrung während seiner Tätigkeit am Bad Godesberger Hermann-Josef-Haus, einem Heim der Caritas-Jugendhilfe-Gesellschaft, einging. Den Inhalt dieses Predigtteils möchte ich nicht genau wiedergeben. Pfarrer Regamy Thillainathan erwähnte, dass er angesichts der kirchlichen Missbrauchsfälle im Vorfeld überlegt habe, ob er die wahre Begebenheit innerhalb seiner Predigt erzählen soll. Er hatte sich dafür entschieden. Mir war es definitiv auf verschiedenen Ebenen ein Zuviel an Details, die bestenfalls peinlich berührten; darum möchte ich mich in meinen Worten im Wesentlichen auf die durchaus positive Quintessenz der Geschichte beschränken: Lebenserfahrung und empathisches Verhalten gegenüber dem Nächsten können – unabhängig vom Alter – Menschen Gott näher bringen als intensive theologische Studien.

Thillainathan sprach im Kontext der biblischen Maria über eine Form von Zärtlichkeit, die seiner Meinung nach jeder Mensch wolle. Dabei war von einer durchaus körperlichen Zärtlichkeit die Rede, auch wenn er diese Tatsache verbal abzuschwächen versuchte. (Er betonte wiederholt, dass diese Zärtlichkeit nichts mit Sexualität zu tun habe.) In der Jesus salbenden Maria und wohl auch in dem Teenager, der den Prediger vor Jahren tröstend und vergebend umarmte, sah dieser wohl eine solche Zärtlichkeit. (Auffällig war, dass der Priester bei dem Teenager zuerst von einer „jungen Frau“, als der Kontakt situativ bedingt näher wurde jedoch von einem „kleinen Mädchen“ sprach. Er wollte damit wohl den Alters- und Wissensunterschied auf der einen und das intuitive Gottesverständnis des Mädchens auf der anderen Seite betonen; man könnte die Äußerung aber auch anders und unter Umständen völlig falsch deuten.) Der Geistliche sollte definitiv nicht alle Menschen über einen Kamm scheren; er unterschied nicht zwischen verschiedenen Situationen, der Disposition eines Einzelnen und unterschiedlichen Beziehungsformen. Auch gut gemeinte, unschuldig-zärtliche Berührungen können vom Gegenüber völlig anders wahrgenommen werden, vor allem dann, wenn sie ungefragt erfolgen!

Das für den ersten Teil der Fastenpredigtreihe ausgewählte Evangelium (Mk 14, 3-9) möchte ich im vollen Wortlaut zitieren:

„3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt.4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. 6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.“

Vergleicht man dieses Wort Gottes mit der Predigt, in der es explizit um Maria, die Schwester von Marta und Lazarus, ging, dann fallen Widersprüche ins Auge. Dies ist auch der Fall wenn man Mk 14, 3-9 mit der bildlichen Darstellung, auf der eine vor Jesus kniende Frau zu sehen ist, die seine Füße salbt. Die Frau im Evangelium ist nämlich nicht namentlich genannt. Von Simon, dem Aussätzigen war im Gottesdienst hingegen nicht die Rede. Auf der bildlichen Darstellung werden – wie bereits erwähnt – die Füße und nicht das Haupt Jesu gesalbt. Auf der Zeichnung ist auch kein zerbrochener Krug dargestellt. Einmal wird die Narde erwähnt, einmal hat man keinen Hinweis darauf. Es handelt sich offenbar um verschiedene Salbungsgeschichten, die zugrunde liegen. Bild und Predigt sind in Einklang zu bringen; der Text des Evangeliums passt jedoch nicht dazu – irritierend.

Fazit

Wie gewohnt dienten zahlreiche Ministranten; wie früher waren mehrere Hauptamtliche um den Altar versammelt, aber auch wenn vieles zum Auftakt der Fastenpredigtreihe in diesem Jahr wie gehabt war, fehlte der Stimmung des Gottesdienstes doch etwas: die spezifische Prägung durch den Bad Godesberger (Ex-)Pfarrer Dr. Wolfgang Picken?

Die einzelnen Predigtthemen der Predigtreihe „Randfiguren der Passion“ sind:

„Maria – berührend“
2. Fastensonntag, 17.03.2019
Musik: Slawomir Lackert (Oboe) und Daniel Kirchmann (Orgel)
Predigt: Pfarrer Regamy Thillainathan

„Judas – zerbrechlich“
3. Fastensonntag, 23.03.2019
Musik: Chor „Rheinvierteltakt“, Leitung: Ludger Brück
Predigt: Kaplan Edward Balagon

„Petrus – ängstlich“
4. Fastensonntag, 31.03.2019
Musik: „Junger Chor“, Leitung: Daniel Kirchmann
Predigt: Pfarrer Dr. Peter Seul

„Ein Verbrecher – verbindlich“
5. Fastensonntag, 07.04.2019
Musik: Pawel Kuterbach (Klarinette) und Daniel Kirchmann (Orgel)
Predigt: Pfarrer Mike Kolb

Beginn: jeweils um 18.00 Uhr, Herz-Jesu-Kirche, Beethovenallee 38, Bonn-Bad Godesberg

(dcbp, 22.03.2019)

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