Wohnwagen wie Spielbälle durch die Fluten gespült / An Bäume und nun nicht mehr vorhandene Brücken in Kleinsteile zertrümmert
Kölner Campingclub weiß noch nicht, wie es in der Eifel weitergehen soll /Acht teure Wohnwagen weggespült und zerstört

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Bad Münstereifel-Houverath/Köln. Beim ersten Besuch nach der Flutkatastrophe wehte die 1.FC Köln-Fahne auf dem Kölner Campingplatz in der Eifel mit eigener Hausnummer "Eichener Straße 49 und großen Briefkasten, am Mast fast traurig anzusehend im leichten Wind. Der Präsident des sich seit Jahrzehnten in der Eifel  - im schönen Tal nicht weit von der alten Kirche entfernt - wohlfühlende Franz Over, ist beim ersten Anblick auf dem Gelände mehr als nur entsetzt:

Fehlen ihm fast die Worte und ist er ebenso maßlos traurig wie die übrigen Mitglieder des Clubs. Ist Franz Over aber auch bestürzt darüber, dass die Fluten den großen Camingplatz Platz der sich in der eifel wohlfühlenden Menschen aus Köln und Umgebung derart zerstört haben.

Die derzeitige Bilanz: Acht teure Wohnwagen wurden von der Flut vom Platz gespült, zertrümmert. Andere, die auf noch auf dem Platz stehen, wurden stark ramponiert und sind teils auch nicht mehr zu gebrauchen.

 Viele wurden Kilometerweit in Kleinstteile weggespült. Bei mehren Wohnwagen blieben letzlich nur nach die Achsen mit Bodenaufsatz übrig. Sind einige der stark betroffenen Camper derart geschockt, das sie sich derzeit keine Rückkehr an dieser einstigen Idyllle mehr vorstellen können.

Es sind vier Wochen her. Vier lange Wochen nach dem Tag des langen und unaufhaltsamen Regen vom 14. auf den 15. Juli. Ein Tag und eine Nacht, die so vieles in zahlreichen Regionen veränderte. Zahlreiche Menschen obdachlos werden ließ. Menschen – und was Nicht-Betroffene immer wieder erfahren sollten -  Hab und Gut und auch Angehörige in den Fluten verloren haben. Menschen, denen noch nicht einmal die Zeit zum tiefen Trauern bleibt.

Jeden Tag sind weitere schreckliche und kaum fassbare Nachrichten zu hören und zu sehen.

Werden Geschehnisse auch mit der alltäglichen Mundpropaganda - ob wahr, teils wahr, oder leider oft auch nicht – weitergeben.

Und während der Kreis Euskirchen mit Landrat Markus Ramers erst kürzlich vermelden ließ, es gebe keine Vermissten mehr, sieht das im von Bad Münstereifeler Höhengebiet und Schnittpunkt des Landes Nordrhein-Westfalen zum Land Rheinland-Pfalz aus betrachtet im nur wenige Kilometer entfernten Ahrtal, gänzlich anders aus:

Werden hier immer noch Menschen vermisst, immer noch Tote gefunden und geborgen.

Diejenigen, die auch aus Houverath vor Ort waren, möchten am liebsten über gerade diese schlimmsten und belastenden Erfahrungen keine Silbe verlauten lassen. Eigentlich nicht das hautnah Erlebte erzählen. Tun es aber bruchstückweise und mehr flüstern dann trotzdem. Die Anspannung ist groß. Werden aber gerade diese Helfer vermutlich noch lange brauchen, um damit auch psychisch fertig zu werden. Viele verzichten auf fachlich angebotene Hilfe, wie auch die aus Mannheim an die Ahr und nach Houverath angereiste Psychologin Tanja erfahren musste. Auch sie musste feststellen, „dass einige da selbst rauskommen möchten.“ Es aber auch an der Kommunikation der offiziellen und in diesen Dingen ausgebildeten vor Ort nicht selten mangele und somit auch diese Psychologin ein wenig frustrieren ließ. Trotzdem ist sie beim Stützpunkt Houverath geblieben um zu helfen.

Schrecklich die Anblicke und Szenen, die sich nur wenige Kilometer vom Bad Münstereifeler Ortsteil Houverath im Ahrtal entlang des in die Ahr mündenden Houverather Baches, des Limbacher Baches, einigen kleinen zufließenden Bächen und des Sahrbacher Baches abgespielt haben. Dort wurden nach Augenzeugenberichten auch noch Tage nach der Flut auf einem Campingplatz mehrere Tote geborgen. Die als Langzeitcamper galten und es bei der für sie überraschenden Flut nicht mehr rechtzeitig schafften aus ihren Campingwagen zu kommen, um sich eventuell doch noch in Sicherheit zu bringen.

Wie viele Tote es dort allein zu beklagen gibt, ist noch nicht genau beziffert.

Anders dagegen und Gott sei Dank glimpflicher, „nur materieller Schaden und keine Todesopfer zu beklagen", so Vorsitzender Franz Over, die Situation auf dem großen Campingplatz mit Klubhaus im Tal des sonst so schön mittendurch dahin plätschernden Houverather Baches gelegen. Ja, hier möchte man wohnen, leben, oder eben zeitlich campen. In einem kleinen Ort, wo die Welt auch augenscheinlich noch in Ordnung zu sein scheint.

Liest sich folgendes und aus derzeitiger Sicht doch um einiges trügerische, wie aus einem Werbeprospekt wie es nicht schöner hätte lauten könnte:

Sich dem Besucher und den dort bereits Lebenden nicht nur ein kleines Paradies für Wanderfreunde eröffnet. Houverath und seine Umgebung mit weiteren sechs umliegenden kleineren Orten, die einen tief durchatmen lassen. Eine Wohn-Idylle für Menschen jeder Altersstufe, die Ruhe und Erholung suchen. Rundum von herrlichen Wiesen und Wäldern umgeben, ist das Gebiet Houverath ideal für Spaziergänger, Wanderfreunde und natürlich Camper. Sind die in der Umgebung liegenden Orte mit teils hochinteressanten Sehenswürdigkeiten bequem über die gut ausgeschilderten Wanderwege, oder per Fahrrad und Auto zu erreichen.

Bad Münstereifel Houverath, dass ehemals im Ahrgau lag und im Besitz des Grafen von Manderscheid-Blankenheim war, wurde laut Überlieferung im Jahre 1173 erstmals erwähnt. 1913 beschlossen die Bewohner des Ortes in Eigenleistung ein größeres Gotteshaus zu bauen, das im Volksmund "Eifeldom" genannt wird. Eine Kirche im neuromanischen Stil, das von Hans Zepter ausgemalt wurde.

Nicht weit von Houverath entfernt, steht das Radioteleskop Effelsberg. Der Teleskop-Spiegel hat einen Durchmesser von 100 Meter. Ganz in der Nähe liegt der Ort Kirchsahr, der ebenfalls von den Fluten stark beschädigt wurde. Dort, wo in der kleinen oben gelegenen Dorfkirche einen Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert bewundert werden kann. Wo die Menschen immer noch mit den Aufräumarbeiten und den noch sehr lange andauernden Wideraufbau ihrer Häuser und dem Restaurant „Zum Sahrbachtal“ von der gebürtigen Schönauerin Andrea Heeg, ebenso wie sie selbst, bis zum Umfallen beschäftigt sind.

Houverath ist ein Teil der Stadt Bad Münstereifel, einem ehemals und derzeit vielfach durch die Fluten zerstörten romantischen Städtchen mit malerischen Gassen, Burg und Stadtmauer.

Und Houverath sonst noch?

Obwohl der Ort nur knapp 1000 Einwohner zählt, kann es, im Gegensatz zu vielen anderen Orten dieser Größenordnung, mit einer recht guten Infrastruktur aufwarten und waren davon auch immer die Freunde des Kölner Campingklubs angetan, die das Dorf mit ihrer Anwesenheit stets bereicherten.

Wie es allerdings mit dem Campingplatz nach dieser auch für diese sich dort bislang sei Jahrzehnten äußerst wohlfühlenden Menschen nach dieser verheerende Schäden angerichteten Flut-Katastrophe weitergehen soll, weiß noch niemand. Zu frisch sind die Eindrücke und die Bilder der Verwüstung.

Eigentlich sollte ich als Schreiber und Fotograf dieser Zeilen am Wochenende nach dem 14. Juli drei Tage danach (und keiner natürlich nichtsahnend, was einige Tage vorher passieren würde) den ältesten dieses Kölner Clubs für über 50Jährigen Mitgliedschaft in diesem familiären Kölner Campingklub fotografieren und darüber „etwas schönes berichten“, so Präsident Franz Over.

Doch aus bekannten Gründen fiel das - nicht passend formuliert, aber dennoch leider wahr  – dann buchstäblich „ins Wasser“.

Ein Glück, dass zum Zeitpunkt des Unglücks sich niemand auf dem Campingplatz befand. Angeblich seien einige Camper noch über das mögliche steigende Wasser des Houverather Bachs gewarnt worden. Doch die Zerstörungswut dieser unberechenbaren Fluten konnte niemand verhindern. Erst am Tag danach und weiteren Tagen wurde das Ausmaß und die entstandenen Schäden bekannt.

Inzwischen steht fest, dass insgesamt acht Wohnwagen von den Fluten weggespült, an Bäume und Ästen  hängen blieben, oder bis in die Ahr weitergetrieben wurden. Unterwegs immer mehr Wohnwagen einfach so zerbarsten. Landwirt Peter Blass, der im Tal einen Aussiedlerhof betreibt und zur Flutzeit sich bei seinen Kühen befand, wurde Augenzeuge, wie knapp einen Kilometer vom Campingplatz entfernt, ein großer Caravan angespült wurde. Dann krachend gegen eine Brücke stieß, kurz darauf regelecht in viele Einzelteile zerbarst und sich die Trümmerteile ihren weiteren Weg in Richtung Kirchsahr suchten.

Kurz darauf krachte auch die Brücke in sich zusammen und riss noch große Teile der Straße mit sich. Dies hatte die Flut zuvor auch schon mit der Brücke und dem immer noch gesperrten Straßenabschnitten zwischen Scheuren und Houverath und Lanzerath und Houverath gemacht. Die Wassermassen rissen alles mit sich und sorgten für unfassbare Zerstörungen.

Autor:

Manfred Görgen aus Bad Münstereifel

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