60 Jahre Jagdhornbläsercorps Hegering Bad Münstereifel e. V.
Langjährige Jagdfreunde reisten unter anderem sogar aus dem Raum Thüringen an / Jäger Christoph Rang aus Roderath wenige Stunden zuvor stolzer Vater einer Tochter geworden

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60 Jahre Jagdhornbläsercorps
Hegering Bad Münstereifel e. V.

Langjährige Jagdfreunde reisten unter anderem sogar aus dem Raum Thüringen an / Jäger Christoph Rang aus Roderath wenige Stunden zuvor stolzer Vater einer Tochter geworden

Von Manfred Görgen

Bad Münstereifel-Schönau.

Es rauschten am Abend der Mainacht nicht nur die von den Schönauer Junggesellen farbenfroh gestalteten Maibäume. Auch sehr wohl klingendes musikalisches Rauschen war an diesem Abend des Öfteren in Schönau zu hören. Erklangen unter anderem, die von den Mitgliedern des Bad Münstereifeler Hegering Bläserkorps verursachende Töne durch die geöffneten Fenster des Saal Erftstube bis weit ins Dorf gut hörbar. Besonders mit „Gänsehautfeeling“, als sich passend zum Jubiläum immerhin 60 Bläserkorpsmitglieder von nah und fern unter der musikalischen Leitung des Houverather Helmut Henn auf der Bühne ein musikalisches Stelldichein gaben. Helmut Henn gehört mit 81 Jahren zum Ältesten aktiven Mitglied des jubilierenden Bläserkorps. Er wurde bereits mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet, die er stolz am Revers trägt. Henn zählt noch als einziger aktiver Gründer dieses traditionsreichen Bläserkorps. Gab es neben einigen zur Jagd gehören Tönen, an diesem Abend auch besondere Gratulationstöne für Bläserkorps-Mitglied Christoph Rang aus Roderath. War er doch wenige Stunden zuvor stolzer Vater einer Tochter geworden. Rangs Ehefrau zählt ansonsten ebenso zur Schar der Jägerinnen im Kreis Euskirchen.

Stellte sich natürlich die Frage, warum ausgerechnet am letzten Tag des wechselhaften Monat April unter der Woche in Schönau feiern ?: Das Bläserkorps feierte im großen festlichen Rahmen sein imposantes 60Jähriges Bestehen bewusst und auf sechs Jahrzehnte zurückblickend an diesem Tag sein Jubiläum mit zahlreichen Freunden und Gleichgesinnten, weil vor genau 60Jahren die Anfänge in diesem Ort stattfanden.

Somit ein würdiger Anlass, der die Mitglieder zu einem Festakt der Besonderer Art ermuntert hatte: Anlässlich seines 60-jährigen Vereinsjubiläums lud das Jagdhornbläsercorps zum Kommers mit einigen kurzweiligen Ansprachen, Ehrungen und natürlich zum Feiern in den vollen Saal der Erftstube nach Schönau ein. Der Einladung des Bläsercorps folgten immerhin 150 geladene Gäste von nah, und sogar von sehr fern, wie eine Gefolgschaft aus dem Raum Thüringen mit Professor Bauerfeind dokumentierte. Freute man sich unter anderem auch über die Teilnahme vom stellvertretenden Bürgermeister Ludger Müller, der die kurzfristig in wichtigen Angelegenheiten in Sachen Forst und Wald verhinderte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian würdig vertrat. „Würdig“, weil der stellvertretende Bürgermeister neben den Grußworten auch kundtat, dass er einer der ihren sei und bereits vor 23 Jahren den Jagdschein gemacht habe. Zur illustren Gästeschar die keinen noch so weiten Weg gescheut hatten, unter anderem auch Müller-Schallenberg (Präsident des Landesjagdverband NRW), Dr. Thomas Weber (Vizepräsident Landesjagdverband Rheinland-Pfalz), die befreundeten Jagdhornbläsercorps der Kreisjägerschaft Euskirchen. Und sogar Jagdfreunde aus dem Raum Thüringen, die Aschbachtaler Jagdhornbläser aus Kaiserslautern sowie aus Kirn bei Bad Kreuznach gaben sich bei guten und langjährigen Freunden ein fröhliches Stelldichein. Darüber hinaus noch viele regionale und überregionale Jagdfreunde, ehemalige Mitglieder, Gönner und Sponsoren.

Das Jagdhornbläsercorps wurde im April 1959 von neun Männern  gegründet. Bei den Anfängen war auch schon Helmut Henn aus Bad Münstereifel-Houverath dabei, der mit agilen 81 Jahren erst kürzlich die musikalische Leitung übernommen hat. Die Anfänge lagen damals unter anderem bei Addi Schnicke, der die Geschicke des Bläserkorps bis 1978 innehatte und leider durch einen tragischen Jagdunfall ums Leben kam. Aus Anlass des Jubiläums war dessen heute 57Jähriger Sohn Eddi Schnicke aus Köln angereist. Nach Addi Schnicke war über 40 Jahre Toni Virnich Korpsleiter und übernahm im vorigen Jahr Helmut Henn die Leitung. Die Gründungsanfänge fanden in der damaligen Gaststätte Tondorf (heute Kupferkessel) in Schönau statt. Weitere Ziel waren die „Steinsmühle“ und seit 1976 Dank der Großzügigkeit der Familie Haniel dient ein Teil des „Gut Unterdickt“ als Probe-Quartier und zum geselliges Beisammensein.

Erster Stellvertretender Bürgermeister Ludger Müller unterstrich in seiner Ansprache, dass auch dieses Bläserkorps gerade in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken sei. Sei es schon faszinierend, passend zum 60. Jubiläum, sechzig Jagdhornbläser und Bläserinnen mit insgesamt sechs Korps gemeinsam blasen zu hören. Und der Präsident des Landesverbandes betonte, dass das Bläserkorps in der Zeit des digitalen Zeitalters unverzichtbar für die Jagd sei. Ein Handy versage schon mal unter anderem wegen Funklöcher. Ein Jagdhorn sei dagegen weithin hörbar.

Heute zählt das Bläsercorps siebzehn aktive Mitglieder im Alter von 19 bis 81 Jahre. Das Jagdhornbläsercorps ist - auch was das Musizieren betrifft - sehr aktiv und probt an 52 Wochenabenden in ihrem seit Jahrzehnten liebgewonnenen „Tröötehäuschen“ in Gut Unterdickt bei Scheuren. Hier darf das Bläsercorps Bad Münstereifel seit 43 Jahren mit Zustimmung der Familie Haniel (das Ehepaar gab sich höchstpersönlich beim Kommers in Schönau die Ehre) dem jagdmusikalischen Brauchtum frönen.

Beim Jubiläums-Bläserkorps sind alle (mit Ausnahme von Herbert Zimmer aus Neichen) ausgebildete Jäger, die sich gegenüber dem Jagdwesen (unter anderem Hege und Pflege des Wildes und der Natur) wozu das jagdliche Brauchtum gehört, per Eid verschrieben haben. So auch die beiden Jäger Frank Brauer und dessen 19Jähriger Sohn Leon aus Houverath (mit sogenannten Jägerschlag nach bestandener Prüfung) verschrieben haben.

An geblasenen Instrumenten kamen neben Parforcehörner, Fürst-Pless-Hörner (mit und ohne Ventile) noch Waldhörner zum Einsatz. Dürfen sich die Freunde von Jagdhornbläsermusik bereits  jetzt schon freuen, denn am 3. November 2019 wird die Hubertusmesse unter musikalischer Leitung von Helmut Henn in St. Thomas in Houverath geblasen.

Dem 1. Vorsitzenden der Münstereifeler Jagdhornbläser Friedrich-Karl Schrader, der an dem bunten Abend auch locker durch das Programm führte, gebühre nach Auffassung der Vereinsmitglieder ganz besonderer Dank. Unter anderem, weil er an der erfolgreichen Entwicklung, die das Bläsercorps in den vergangenen Jahren genommen hat, großen Anteil habe. Am kurzweiligen geselligen Abend wurden dem Anlass entsprechend einige Reden gehalten, Ehrungen vorgenommen, jagdmusikalisch musiziert und nach der letzten Preisvergabe der Tombola bei schwungvoller Live-Musik ausgiebig getanzt und in den 1. Mai hineingefeiert.

Das Jagdhornbläsercorps Bad Münstereifel dankte natürlich auch allen Gästen für die tolle Unterstützung zum gelungenen und unvergesslichen Abend, wie auch Bläserkorps-Mitglied Frank Brauer als auserkorener Sprecher gerne betonte. Von den zahlreichen Rednern war unter anderem zu hören, dass die musikalische Kultur auch Dinge bestimme, die als gut empfunden würden. So sollte man diese auch lebenswert halten. In Deutschland haben derzeit 385 000 Jäger einen Jagdschein. In Nordrhein-Westfalen sind es immerhin 89 000 Jäger und Jägerinnen, die diese Ausbildung mit Erfolg abgelegt haben. Müsse sich um die Zukunft der Jägerschaft somit keiner Sorgen machen. Sei gerade die Jagdmusik in der Lage, Brücken zu bauen. Wurde natürlich der Jubiläumsverein des Öfteren über den grünen Klee hinaus gelobt. Das mit 60 Jahren sei schon etwas Großes und ein Tun mit Engagement und Leidenschaft. Und selbst 1.Vorsitzender Friedrich-Karl Schrader sagte: „Ich bin Stolz und Froh einer von euch zu sein, auch wenn es manchmal einfacher ist einen Sack Flöhe zu hüten, als euch ihr lieben Bläser unter einen Hut zu bringen.“ Der Präsident des Landesjagdverbandes sprach von derzeit über 100 aktiven Korps, von denen sich nach ersten Infos der Euskirchener derzeit wohl leider in der Auflösung befände. Es gab neben zahlreichen Ansprachen viele Geschenke, wie von der Abordnung aus Kirn bei Bad Kreuznach, den Freunden aus Kaiserlautern und Thüringen mit Professor Bauerfeind.

Und wie es sich für ein rundes Jubiläum gehört, wurden auch Ehrungen vorgenommen: Vom Landesjagverband gab es für einige die "Jagdhornbläser Verdienstnadel" in Bronze nebst entsprechender Urkunde:
Thomas Schütz, Ralph Geller, Markus Pierz, Andreas Ganz, Andreas Meerkamp, Christoph Rang und Frank Brauer. Verliehen wurden sie von Rudi Miehseler 1.Vorsitzender der Kreisjägerschaft und Franz Josef Mohr als Obmann des jagdlichen Brauchtums. Text und Fotos Copyright : Manfred Görgen / MaGö / mg

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