Autor Burkhard Thom bietet Unterstützung für Suchtkranke und Angehörige
Alkoholsucht – Leidensdruck der Angehörigen ist groß

Burkhard Thom berichtet in seinem Buch aus seinem Erfahrungsschatz.
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  • Burkhard Thom berichtet in seinem Buch aus seinem Erfahrungsschatz.
  • Foto: Burkhard Thom - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Burkhard Thom
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„Alkohol – Ein Hilfeschrei, Ratgeber und mehr“ heißt das aktuelle Buch vom Bergheimer Autor Burkhard Thom, das im Schwarzbuch Verlag erschienen ist. Darin widmet er sich dem Tabuthema „Alkoholsucht“ und richtet den Blickwinkel nicht nur auf die Suchtkranken, sondern speziell auf das soziale Umfeld dieser Menschen. Im folgenden Interview mit mir gewährt Burkhard Thom einen Blick hinter die Kulissen zur Entstehung seines Buches und stellt seine persönlichen Beweggründe dar.

„Bei der Lektüre Ihres Buches fällt auf, wie wichtig Ihnen persönlich das Thema „Alkoholsucht“ ist. Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern vermitteln?“

Burkhard Thom:„Seit achtundzwanzig Jahren trockener Alkoholiker, weiß ich, dass nur der Hilfe bekommt, der auch Hilfe sucht. Das gilt jedoch nicht nur für Alkoholabhängige selbst, sondern insbesondere für deren sozialen Umkreis. Bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland halten sich im näheren Umfeld eines Suchtkranken auf. Die Mitbetroffenen haben so gut wie keine Lobby. Sie sind allein gelassen, werden ignoriert und von ihrem eigenen Umfeld kaum oder gar nicht wahrgenommen. Mein neues Buch „Alkohol – Ein Hilfeschrei, Ratgeber und mehr“ fasst die Arbeit aus drei Jahren intensiver Vortragstätigkeit zusammen. Ich biete Betroffenen darin nähere Beratung, Tipps, Verständnis und Hilfe zu ihrer jeweiligen Situation. Neben der informativen Heranführung an das bisher totgeschwiegene Thema, kommen auch Betroffene zu Wort. Familien, Partner, Kinder, Bekannte und Kollegen bilden die Schwerpunkte. - Du bist nicht allein. Lass Dir helfen. – ist dabei die Kernaussage.“

„Und welche Inhalte erwarten Interessierte nun genau in Ihrem Buch?“

Burkhard Thom:„Themenschwerpunkte sind:

- Unterstützung von Angehörigen Suchtkranker, im Umgang mit den Süchtigen, vor allem aber mit dem Umfeld.
- Vermeidung von Rückfällen, beginnend in der Phase nach einer Entgiftung bis zur Zeit nach dem Klinikaufenthalt.
- Wahl der richtigen Lebensmittel, die Achtsamkeit im täglichen Leben und Vorbereitung auf ein Leben ohne Alkohol (ein Leben lang)
- Steigerung des eigenen Selbstbewusstseins und Verbesserung des Selbstvertrauens
- Sucht und Sexualität – Ein Tabuthema
- Erkennen erster Anzeichen von Sucht oder Suchtgefahr
- Kurze Beschreibung „mein eigener Weg“
- Lebensmittelkonzerne zu Alkohol in ihren Produkten

Die Erfahrungen aus über 100 Veranstaltungen in fast allen großen Suchtkliniken, bei Selbsthilfegruppen und Suchteinrichtungen finden sich in meinem Buch wieder.“

„Sie schreiben also nicht nur Bücher über Alkoholsucht, sondern bieten Betroffenen auch aktive Unterstützung an. Welche Hilfe bieten Sie genau an?“

Burkhard Thom: „Ich wurde und werde ich immer wieder von Betroffenen, Hilfesuchenden und Gruppen aus ganz Deutschland angesprochen und um Unterstützung gebeten.
Gezeigt hat sich dabei für mich, dass der typische Alkoholiker nicht oder wenig daran interessiert ist, sich mit seiner Krankheit zu beschäftigen; und schon gar nicht die Erfahrung eines trockenen Alkoholikers lesen möchte. Ganz anders ist und war die Reaktion von Mitbetroffenen (Co-Abhängigen), Menschen die im Umfeld von Alkoholkranken leben. Die Betroffenen kommen durch Lesungen, haben meine Bücher gelesen, melden sich auf Empfehlung oder kontaktieren mich direkt über Facebook. Inzwischen stehen daher die Unterstützung von Angehörigen und die Vermeidung von Rückfällen im Mittelpunkt meiner Arbeit. Anders als bei gewinnorientierten Coaches geht es mir um die Unterstützung auf individueller und persönlicher Basis. Im Mittelpunkt steht für mich der Mensch – niemals der Profit. Den Bucherlös nutze ich daher weitestgehend für die Gestaltung von Lesungen, Gesprächen, Vorträgen und Reisen, um unmittelbar mit betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen. Das Wohl der Angehörigen von Alkoholkranken liegt mir sehr am Herzen. So ist z. B. die Hinführung zu Selbsthilfegruppen ein wichtiges Thema, hier unterstütze ich die Betroffenen bei der Suche eine geeignete Gruppe zu finden. Ich habe bereits viele kostenlose Veranstaltungen durchgeführt und werde dies auch weiter tun. Ich gehe grundsätzlich dahin, wo Interesse besteht. In den beiden letzten Jahren durfte ich zwei Seminare abhalten, ausschließlich für die Leiter von Selbsthilfegruppen (Sucht und Sexualität/ Sucht und Aggression).“

In Zeiten der Corona-Pandemie ist es sicherlich nun schwieriger Veranstaltungen durchzuführen und aktiv zu sein. Wie empfinden Sie als Autor diese Zeit?"

Burkhard Thom:„Die Kontaktaufnahme zu einzelnen Kliniken war bisher erfolgreich, gleicht aber sowieso immer ein wenig dem „Suchen im Heuhaufen“. Durch Corona sind Veranstaltungen in Kliniken nun fast unmöglich geworden, in Suchteinrichtungen ist es derzeit auch eher schleppend. Verstärkt durch die Pandemie leiste ich derzeit bis zu sechs Stunden ehrenamtliche, telefonische Unterstützung. Grundsätzlich wünsche ich mir wieder aktiver an Kliniken, Suchteinrichtungen, Schulen oder auch in privaten Einrichtungen Aufklärungsarbeit leisten zu können. Das Wohl der Angehörigen nimmt dabei einen sehr hohen Stellenwert ein. Auch und gerade zu Coronazeiten benötigen diese Menschen Hilfe und Unterstützung. Somit hat sich deren Leidensweg durch das Virus noch verschlimmert. Ich möchte daher, natürlich unter Beachtung der geltenden Corona-Auflagen, wieder verstärkt persönlichen Kontakt mit den betroffenen Menschen suchen.“

„Wie kann man Sie bei Interesse kontaktieren?“

Burkhard Thom:„Interessierte (Kliniken, Selbsthilfegruppen, etc.) können sich jederzeit gerne per Mail bei mir melden (Hier klicken!).“

„Ich bedanke mich für das interessante Gespräch.“

Burkhard Thom:„Auch ich bedanke mich, dass ich die Möglichkeit bekommen habe tiefere Einblicke in die Inhalte meines Buches zu geben und ein Thema, das mir Herzensangelegenheit ist, anzusprechen. Denn ein erster Schritt Hilfe anzunehmen und sich unterstützen zu lassen, bedeutet eventuell den Weg in eine bessere Zukunft.“

Auch für mich war dieses Interview ein Blick über den Tellerrand hinaus. Es gewährte Eindrücke aus Perspektiven, die man bei einem solchen Tabuthema eher selten erhält.

Ich verbleibe mit hoffnungsvollen Grüßen

Anja Fiedler

Autor:

Anja Fiedler aus Pulheim

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