Offen und ungeschönt Teil 2: Pfarrer Regamy Thillainathan in der Bad Godesberger Predigtreihe und im Gespräch über die Zukunft der Kirche

FORUM PAULUSKIRCHE – Programmflyer
8Bilder

Forum Pauluskirche: „Die Zukunft der Kirche im Erzbistum Köln“ 

Am Dienstag, den 19.03.2019 um 19.30 Uhr war Pfarrer Regamy Thillainathan (Köln/Bonn) zu Gast in der Reihe „Forum Pauluskirche“. Der im Generalvikariat des Erzbistums Köln für Berufungspastoral zuständige Geistliche sprach 2 1/4 Stunden zu und mit Gläubigen über das Thema „Die Zukunft der Kirche im Erzbistum Köln“. Zu diesem Gespräch waren rund 40 interessierte Katholikinnen und Katholiken nach Bonn-Beuel in die Kirche St. Paulus gekommen.

Im Programm des Katholischen Bildungswerkes war vorab folgende Ankündigung zu lesen: „Die Kirche – auch im Erzbistum Köln – wandelt sich dramatisch. Immer weniger Menschen in Deutschland sind Mitglied der katholischen Kirche. Immer weniger Männer werden Priester. Immer weniger Menschen können mit Kirche etwas anfangen. Studien zeigen, dass selbst unter Katholiken Kirche oft als unglaubwürdig wahrgenommen wird. Die Distanz zur Institution Kirche wächst rasant. Darauf reagiert das Erzbistum Köln: Kardinal Rainer Maria Woelki hat 2014 begonnen, mit dem ganzen Erzbistum den ‚Pastoralen Zukunftsweg’ zu gehen. Der neu gegründete Diözesanpastoralrat hat seine Arbeit aufgenommen und für die Begleitung des Pastoralen Zukunftsweges wurde eine eigene Diözesanstelle eingerichtet. Seit wenigen Monaten arbeiten zudem 5 Arbeitsgruppen zu zentralen Themen und Aufgaben, die für die Zukunft des Erzbistums von hoher Bedeutung sind. Pfr. Regamy Thillainathan, Leiter der Diözesanstelle für Berufungspastoral, wird an diesem Abend über den Stand und die Perspektiven des Wandels, in dem Kirche auch im Kölner Erzbistum steht, sprechen.“ Dies tat er – offen und ehrlich.

Hiobsbotschaften zur Lage der Kirche

Die verhältnismäßig hohe Zahl der Teilnehmer in der Beueler St. Paulus-Kirche zeigte, dass das Thema interessiert. Nach einer Begrüßung durch Diakon Klaus Behne als Vertreter der Kirche St. Paulus, eröffnete der Moderator des Abends, Dr. Johannes Sabel (Leiter Kath. Bildungswerk Bonn), das Thema „Die Zukunft der Kirche im Erzbistum Köln“. Er zeichnete gleich zu Beginn eine gravierende Prognose der kirchlichen Situation in dreißig Jahren: Die Kirche im Erzbistum Köln verliere 17.500 Mitglieder pro Jahr. Dies sei im Wesentlichen durch Todesfälle begründet, die durch Taufen und Eintritte laut Sabel jedoch nicht ausgeglichen werden. 2030 stehe eine Halbierung des hauptamtlichen Personals im Bereich der Seelsorge (derzeit 1100 Personen) bevor. Wie es speziell unter den Priestern aussehen werde, sei noch nicht klar... Es waren keine guten Prognosen, die Dr. Sabel der Kirche stellte. Pfarrer Regamy Thillainathan setzte nach einem interessanten Exkurs zu seiner Person und der von Mutter Teresa gegründeten Corpus Christi-Bewegung, der Thillainathan angehört, damit fort, die negative Entwicklung der Kirche zu schildern. Er selbst wirkte auch in Anbetracht der Hiobsbotschaften hoch motiviert; so mancher der Gläubige mag eher Frustration verspürt haben.

Kardinal Woelkis Fastenhirtenbrief

Dem durch Dr. Sabel moderierten Gesprächsteil schloss sich die Beantwortung von Publikumsfragen an. Hier kam auch Kardinal Woelkis diesjähriger Fastenhirtenbrief, an dem sich nicht wenige Katholiken stoßen (vgl. Artikel hier), zur Sprache. In diesem Fastenhirtenbrief hatte Woelki angeregt, nur noch eine Sonntagsmesse pro Gemeinde zu feiern. Laut Thillainathan besteht hier ein Kommunikationsproblem, da man sich – wie er später sagte – im Generalvikariat quasi mit einer eigenen Sprache verständige, die außerhalb nicht unbedingt verstanden werde. Pfarrer Regamy Thillainathan erklärte, dass der Erzbischof eine Hl. Messe pro Kirchturm und Sonntag – Vorabendmessen inklusive – meint, wenn er von einer Sonntagsmesse pro Gemeinde spricht bzw. schreibt. Dies sei während der Diözesanversammlung mit Kardinal Woelki in der Woche vom 18.03.2019 deutlich geworden. Nun, nach diesem Verständnis sind zum Beispiel Katholikinnen und Katholiken im Seelsorgebereich Bonn-Bad Godesberg nur eine Sonntagsmesse pro Gemeinde schon so gut wie gewohnt. Einzig in St. Marien, der zentralen Bad Godesberger Kirche, finden derzeit noch eine sonntägliche Messfeier und zusätzlich eine Vorabendmesse statt, in allen anderen Kirchen wird nur ein Sonntagsgottesdienst gefeiert (von fremdsprachlichen Gemeinden, die diese Kirchen auch nutzen, einmal abgesehen). Wenn Kardinal Woelkis Aussage wirklich so zu verstehen ist, dann kann man damit leben, auch wenn Beschränkungen insbesondere an hohen Feiertagen („Wir haben aber immer eine Osternachtfeier in unserer Kirche gehabt!“) für Unmut und private Terminprobleme („Wir können wegen der Messe erst später zum Mittagessen kommen.“) sorgen. In städtischem Gebiet kann man immer noch auf eine andere Kirche ausweichen.

Kritik der Katholiken

Im Dialog mit Regamy Thillainathan wurde Kritik von Gläubigen am Kölner Erzbischof Woelki laut. Dieser verwalte nur den Untergang der Kirche, anstatt effektiv etwas gegen das Kirchensterben zu unternehmen, so der Vorwurf. Die Frage nach einem dezidierten Plan für die Zukunft blieb letztlich offen; die Leitung des Kölner Erzbistums erscheint Kirchenmitgliedern trotz aller (verbalen) Bemühungen recht hilflos, in manchen Fragen auch realitätsfern und unbeweglich. Der Brandbrief von neun Seelsorgern an Rainer Maria Kardinal Woelki spiegelt eine solche Wahrnehmung auch unter Hauptamtlichen wider. (Die Medien, darunter die Kölner Lokalzeit (WDR) vom 18.03.2019, berichteten.)

Brisante Themen

Im Kontext einer Frage zum Thema „Klerikalismus“ erläuterte der Hauptreferent des Forum-Abends, dass man dagegen etwas unternehme, indem man bei der Priesterausbildung ansetze.

In Fragen der Sexualmoral komme die Meinung der Kirche bei jungen Leuten laut einer Umfrage nicht mehr an; dieses Thema sei „durch“. Jetzt habe man sich vorrangig auf Themen zu konzentrieren, bei denen das Wort der Kirche noch mehr Gewicht hat. Hier wurden Glaubensfragen genannt.

Auch die Problematik der Gemeinde an St. Adelheid (Beuel-Pützchen), deren indische Patres abgezogen werden sollen, wurde erwähnt. Mit dieser Angelegenheit war Pfarrer Regamy Thillainathan nicht im Einzelnen vertraut, interessant war jedoch die Information, dass das Erzbistum Köln generell keine indischen Priester mehr anwerbe, da es inzwischen auch in Indien zu Priestermangel komme.

Die Weihe von verheirateten Männern zu Priestern stehe nicht im Widerspruch zu seinem priesterlichen Selbstverständnis, ließ Regamy Thillainathan wissen. Im Vergleich zu seinem Interview im Jahr 2018 scheint Thillainathans Haltung ein Stück weit pragmatischer geworden zu sein.

Resümee

Zwei Punkte kann man als kleines Fazit aus seinem Vortrag hervorheben: 1. Die Kirchenleitung will den Gläubigen nichts Böses. 2. Die Gläubigen müssen auch selbst Initiative ergreifen und können nicht nur Kirche konsumieren.

Positiv wahrgenommen wurde von den anwesenden Kirchenmitgliedern, dass sich jemand aus dem Generalvikariat für ihre Anliegen interessierte. Das Schlusswort zur informativen, aber inhaltlich auch ernüchternden Veranstaltung zur Zukunft der Kirche im Erzbistum Köln sprach Diakon Klaus Behne.

Bereits am 24.04.2018 hat Pfarrer Regamy Thillainathan ein Interview unter dem Titel „Über die Zukunft des pastoralen Wegs“ gegeben, in dem er sich auf Kardinal Woelkis Fastenhirtenbrief von 2016 sowie auf die ARD-Dokumentation „Kirche ohne Priester“ bezog. Das Interview ist hier zu hören.

(dcbp, 24.03. 2019)

Autor:

Damiana C. Bauer-Püschel aus Bonn

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.