Interkulturelle Woche 2019 vom 13. September bis 3. Oktober in Bonn

„Kultur- und Begegnungsfest Vielfalt!“ auf dem Bonner Marktplatz
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Dass auch in Bonn etwas für Völkerverständigung und Integration getan wird, zeigte sich einer breiten Öffentlichkeit in der Interkulturellen Woche, die seit dem 13. September und noch bis zum morgigen 3. Oktober 2019 bundesweit mit einem vielseitigen Programm stattfand bzw. -findet.

Motto der Interkulturellen Woche: „Zusammen leben, zusammen wachsen“

Feierlich eröffnet wurde die Interkulturelle Woche unter dem Motto „Zusammen leben, zusammen wachsen“ im MIGRApolis-Haus der Vielfalt durch die dort ansässigen Organisationen und Initiativen. An der Arbeit der Vereine interessierte Bürgerinnen und Bürger waren eingeladen, sich darüber informieren zu lassen. Ein kulturelles und musikalisches Rahmenprogramm rundete die Eröffnung der Interkulturellen Woche ab.

Vielfältige Veranstaltungen drinnen und draußen

Mit vielfältigen Veranstaltungen bot die Interkulturelle Woche ein Programm, das sowohl interkulturell engagierte, spezifisch interessierte mit und ohne Migrationshintergrund als auch einfach nur neugierige Bürgerinnen und Bürger zur Zielgruppe hatte.

So kamen sonntägliche Spaziergänger am 29. September in der Bonner Innenstadt kaum am Kultur- und Begegnungsfest vorbei, das unter dem Titel „Vielfalt!“ auf Markt- und Münsterplatz stattfand. Über 90 Organisationen und Vereine informierten dort von 11.00 bis 19.00 Uhr über ihre Arbeit. Musik- und Tanzdarbietungen sorgten für Unterhaltung; Speisen und Getränke gaben Einblick in fremde Länderküchen. Offiziell eröffnet wurde das Fest um 14.00 Uhr durch OB Ashok Sridharan. Im Anschluss wurde durch Rahim Öztürker (Vorsitzender des Integrationsrates) der Integrationspreis des Integrationsrates verliehen.

An Migranten wandten sich unter anderem am Montag, den 30. September zwei Veranstaltungen der EMFA (Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn): Das „Konversations-Café“ sowie das „Selbstlernzentrum“ im MIGRApolis-Haus der Vielfalt boten praktische Hilfestellungen an.

Kulturell-künstlerische Eindrücke bescherten der „Persische Klangteppich“ (So., 29.09.2019, 16.00 bis 18.00 Uhr, Kreuzkirche), Gedichte und (Mitsing-)Lieder unter dem Titel „Aus der Zeit“ (Di., 24.09.2019, 19.30 Uhr im MIGRApolis-Haus der Vielfalt) oder die multimediale Lesung „Eingedeutscht: Die schräge Geschichte unserer Integration“ (Fr., 27.09., 19.00 Uhr, Aula der Johannes-Rau in Bad Godesberg-Pennenfeld).

Vielfalt der Religionen

Veranstaltungen, die länderspezifische Probleme und aktuelle Situationen behandelten, standen ebenso auf dem Plan wie religiöse Angebote. Besonders aktiv zeigte sich hier der evangelische Pfarrer Dirk Voos, der unter anderem einen Gottesdienst mit Geflüchteten unterschiedlicher Herkunftsländer in der Kreuzkirche abhielt (So., 22.09., 10.00 Uhr).

Bereits am Sonntag, den 15. September öffnete die Alevitische Gemeinde Bonn ihre Tore in Bonn-Beuel und brachte ihre Religion durch Lesung und Vortrag den Besuchern näher.

Zur Veranstaltung „GEBETe der Religionen“ unter dem Motto „Zusammen leben – zusammen wachsen“ lud der Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn Veranstalter und Gäste am Montagabend ein (Mo., 16.09., 19.00 bis 21.00 Uhr, Altes Rathaus, Markt).

Internationale Messe in St. Sebastian

Auch die katholische Kirche nahm – organisiert vom Bonner Stadtdekanat und Katholikenrat – an der Interkulturellen Woche teil.

Am Sonntag, 29.09.2019, begann um 18.00 Uhr eine Internationale Messe in der Pfarrkirche St. Sebastian, welche afrikanisch geprägt war: Musikalisch gestaltete ein Chor des 1969 in Nigeria gegründeten Ordens Daughters of Divine Love (Töchter der Göttlichen Liebe) die Messfeier mit afrikanischen liturgischen Gesängen. In einer rhythmischen Prozession brachten Schwestern der Kongregation auch die Gaben Brot und Wein zum Altar.

Auch am Altar wurde das Interkulturelle sichtbar: Konzelebrant neben Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken war Kaplan Père Alain.

Das Predigtthema des Stadtdechanten lautete laut Ankündigung der Interkulturellen Woche „Zusammen leben, zusammen wachsen – wie WIR lokal und übergreifend unsere Herausforderungen lösen können“. Das „WIR“ fand sich explizit in einem Abschnitt des alternativ gestalteten Credo im Gottesdienst wieder; Stadtdechant Dr. Picken bezeugte seinen Glauben an die Kraft des Wir.

Seine angenehm ausgewogene Predigt bezog sich zuvor auf das Tagesevangelium („Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus“; Lk 16,19–31) und behandelte die „Frage, wie die Kulturen und verschiedenen Religionen friedvoll auf diesem Globus leben können“. Welchen Beitrag können, sollen oder müssen Christen gar aus ihrem Glauben heraus dazu leisten?

105. Welttag der Migranten

In seiner Predigt bezog der Bonner Stadtdechant sich auch auf Papst Franziskus, der sich anlässlich des 105. Welttages der Migranten und Flüchtlinge am 29.09. 2019 in seiner Predigt eindeutig geäußert hatte. „Es geht nicht nur um Fremde, es geht um alle Bewohner der existentiellen Ränder, die zusammen mit den Migranten und Flüchtlingen Opfer der Wegwerfkultur sind. Der Herr verlangt von uns, ihnen gegenüber die Nächstenliebe in die Tat umzusetzen; er verlangt von uns, ihr Menschsein zusammen mit dem unseren wiederherzustellen, ohne jemanden auszuschließen, ohne irgendeinen außen vor zu lassen“, so Papst Franziskus. Er forderte ferner dazu auf, über die Ungerechtigkeiten in der Welt nachzudenken und jeglicher Diskriminierung entgegenzuwirken.

Stadtdechant Picken schlug in seiner Predigt auf der Basis des neutestamentlichen Gleichnisses vom Reichen und dem armen Lazarus den Bogen vom Volk Israel des Alten Testaments hin zur heutigen politischen Lage und betonte die „unantastbare Würde des Menschen“. Für Christen sei es keine Frage; man könne als Christ nicht unbeteiligt bleiben, wenn die gottgegebene Würde eines Menschen verletzt wird.

Den Europäern wies Picken eine deutliche Mitschuld an den weltweiten Fluchtbewegungen zu, die durch ungleiche Güterverteilung gefördert werden. „Wir sind an diesem Unterschied, der zu Flucht [...] führt, nicht unschuldig“, so Picken. Das Tagesevangelium fordere zum Güterverzicht auf. „Wir müssen weinen und reagieren“, zitierte Stadtdechant Picken den Papst. Christen sind folglich eindeutig dazu aufgefordert, sich für die Armen und Benachteiligten einzusetzen und sich nicht mit Ungerechtigkeit abzufinden!

Respekt wurde im Anschluss an das bereits erwähnte Credo der mutigen nigerianischen Dame gezollt, die im Gottesdienst exemplarisch Zeugnis für die Lebenssituation als Migrantin gab. Sie stellte ein Positivbeispiel all jener dar, die sich nach Kräften darum bemühen, in Deutschland dauerhaft Fuß zu fassen, und die Fortschritte auf ihrem Weg erfahren.

Zu den Fürbitten wurde das „Ökumenische Friedensgebet 2019“ gesprochen.

Im Anschluss an den Gottesdienst luden die Veranstalter zur Begegnung in den Pfarrsaal von St. Sebastian ein. Bis einschließlich 3. Oktober 2019 besteht noch Gelegenheit zum Kennenlernen von Kulturen und Religionen im Rahmen der Interkulturellen Woche.

Interreligiöse Exkursion zum Abschluss der Interkulturellen Woche

Den Abschluss der Interkulturellen Woche bildet eine dreistündige „Interreligiöse Exkursion zu Buddhisten und Bahá’í“ am Tag der Deutschen Einheit. Besucht werden das vom Theravada-Mönch Samadhi geführte Buddhistische Meditationszentrum Samadhi auf dem Venusberg sowie das Bahá’í-Zentrum Bonn an der Wachsbleiche, wo Mitglieder der Glaubensgemeinschaft in die (nach Judentum, Christentum und Islam) vierte der abrahamitischen Religionen und ihre aktuelle Situation einführen werden.

(dcbp, 02.10.2019)

Autor:

Damiana C. Bauer-Püschel aus Bonn

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