Wenn wir dann später zurückblicken … (Fortsetzung)

Wenn wir dann später zurückblicken auf Corona, werden wir uns lachend in den Armen liegen und sagen: "Das waren vielleicht verrückte zwölf Jahre!"

Und genau so ist es heute im Sommer 2032! Auch der teilweise Shutdown im Jahr Eins von Corona hatte ja durchaus viel Positives. Ich hätte es damals nicht vermutet, wenn ich nicht in meinem SCHAUFENSTER ein Interview mit dem damaligen Polizeipräsidenten Frank Hoever gelesen hätte. Er meinte, dass es während des Shutdowns weniger Wohnungseinbrüche gegeben habe. Die Fallzahlen seien um rund 40 Prozent gesunken: "Die Menschen haben sich mehr als sonst zu Hause aufgehalten und damit das Entdeckerrisiko für potentielle Einbrecher deutlich erhöht." Wäre ich nie drauf gekommen, dass das der Grund war. Was aber auch ein Grund gewesen sein könnte, warum die Einbrecher sich gar nicht mehr körperlich angestrengt haben.

Weil, hatte es doch an anderer Stelle in meinem SCHAUFENSTER unter den Lettern "Kleiderspenden mit Augenmaß" geheißen: Mehr Zeit, sich in der Corona-Krise den eigenen Kleiderschrank vorzunehmen, sorgt für derzeit volle Kleidercontainer. So voll, dass die Menschen gebeten werden, die aussortierten Hosen, Hemden, Blusen und Schuhe mit Augenmaß abzugeben. Nikolas Derwahl, Kreisgeschäftsführer der Bonner Malteser, sagt: "Bitte stellen Sie keine Säcke neben den Kleidercontainer, wenn er voll ist." So, jetzt war in vielen Haushalten der Kleiderschrank leer, aber wohin mit den Säcken? Und weil der Kleiderschrank ausgemistet war, wurde wieder online geshoppt. Und jetzt gaben sich die Paketboten die Klinke in die Hand. Und natürlich gefiel dir vieles nicht oder passte nicht oder beides. Und dann hatte es ja zunehmend immer mehr Fälle gegeben, wo ganze LKW-Ladungen von Retouren einfach in die Walachei gekippt worden waren. Da lag es doch auf der Hand, alles einfach vor die Haustür zu stellen und so dem Einbrecher unnötige Klettereien zu ersparen.

Was der Polizeipräsident Hoever damals im Jahr 2020 auch noch festgestellt hatte, dass nämlich bei den Taschendiebstählen der deutlichste Rückgang mit circa 70 Prozent zu verzeichnen gewesen sei. Warum? (genau so stand's in dem Artikel) Also, warum? Und auch da war ich damals so was von froh, dass der Herr Polizeipräsident mir das erklärt hat: Die von Trick- und Taschendieben bevorzugten Tatgelegenheiten (tolles Wort!) in Bussen und Bahnen, an Rolltreppen, in Gaststätten, Geschäften oder bei Veranstaltungen waren deutlich reduziert bzw. schlichtweg gar nicht vorhanden. Damals, im Jahr Eins von Corona gingen dann die Überlegungen dahin - ich mein, sind wir mal ehrlich, viele Rolltreppen waren ohnehin defekt. Die, die noch liefen, hat man einfach abgestellt. Die alten Menschen trauten sich mit ihren Rollatoren eh nicht auf Rolltreppen.

Apropos Rollatoren. Es waren verrückte Zeiten! Ich erinnere mich an eine Fernsehwerbung von "rehashop.de" mitten im Shutdown. Ein Werbefilmchen, Zielgruppe alte Menschen (ich weiß jetzt gar nicht, darf ich heutzutage im Jahr 2032 überhaupt von alten Menschen sprechen oder ist das eine Diskriminierung?), also Menschen mit Altershintergrund. Angepriesen wurden unter anderem Rollatoren mit dem Satz. "Machen Sie das Beste draus." Und was halt eben so witzig war, justamente in der Zeit gingen die alten Menschen nicht vor die Tür oder durften nicht!

Apropos alte Menschen. Was natürlich auch sofort, weil, es war in meinem SCHAUFENSTER unter den Lettern "Mehr Bänke für den Marktplatz" mehr Bänke für den Marktplatz gefordert worden. Es gebe nur sehr wenige Bänke, noch dazu ohne Rückenlehne, hatte es von Seiten der Linken geheißen. Jüngere setzten sich auf die Gebäudekante beim Görtz-Schuhladen, für weniger Bewegliche sei eigentlich keine Ersatzfläche vorhanden. Kaum vorstellbar, dass in einer anderen europäischen Stadt, die etwas auf sich hält, auf einem solch zentralen Platz einer Innenstadt das Angebot an Sitzflächen so gering sei. Die Linksfraktion habe daher beantragt, an sechs Stellen des Marktplatzes neue Bänke mit Rückenlehnen zu installieren. Und da hat man damals ganz klar zu gestanden, dass das genau das Projekt war. Das also kein Versehen war oder so. Die Welt gehörte ab jetzt den Jungen - und die brauchen keine Rückenlehne! Wer alt ist - selbst schuld!

Und dann hatte der Herr Polizeipräsident in meinem SCHAUFENSTER auch darauf hingewiesen, dass während der Einschränkungen rund 30 Prozent weniger Verkehrsunfälle gemeldet worden seien. Da hatte er es sich allerdings verkniffen, den Grund dafür zu nennen. Für die Jüngeren unter euch, in diesem Zeitraum fuhren so gut wie keine Autos. Was gab es damals in Bonn dann für Rangeleien: Die Grünen forderten, weil es lege ja auf der Hand, kein Verkehr, keine Verkehrsunfälle! Gleichzeitig eröffnete aber die Bonner City Parkraum nach zweijähriger Bauzeit ihr neues Parkhaus an der Rabinstraße mit 258 Parkplätzen.

Der Herr Polizeipräsident hatte auch erwähnt, der positive Trend bedeute aber nicht, keine Geschwindigkeitsüberwachungen mehr durchzuführen: "Wir setzen weiterhin unseren mobilen Radarwagen ein. Allein in der vergangenen Woche mussten wir bei Messungen an zwölf unterschiedlichen Orten feststellen, dass sich viele nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Von den bei diesen Kontrollen festgestellten 700 Temposündern erwarten 230 Fahrzeugführer Fahrverbote von mindestens einem Monat."
Dass das ein fataler Fehler war, wurde schnell klar. Ich mein, wie blöde muss ich sein, dass ich mir selbst den Geldhahn zudrehe? In diesem Monat verdienst du doch als Kommune an diesem Autofahrer nichts. Nein, man hat das mit dem Führerscheinentzug ganz schnell korrigiert und stattdessen ein richtig saftiges Bußgeld auferlegt. Und statt dass der jetzt einen Monat kein Geld einbringt, wird der jetzt weiter geblitzt, wenn er im Auerberg An der Josefshöhe schneller als 30 fährt. Weil, das war schon augenfällig. Von dem Tag an, als du da nur noch 30 fahren durftest und eine Blitze aufgestellt worden war, waren die öffentlichen Kassen voll.

Autor:

Adelheid Bennemann aus Bonn

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