Aller (mit Abstrichen) guten Dinge waren drei: Sommer-Sonntagsgottesdienste im Münster-Kreuzgang

Himmel über der Münsterbasilika (aus dem Kreuzgang betrachtet)
17Bilder

Sommerliches Wetter bietet besondere Möglichkeiten der (kirchlichen) Sonntagsgestaltung, so auch in Bonn. In der österlichen Fastenzeit sowie im Advent wirken markante, musikalisch besonders gestaltete Predigtreihen als besondere Zugpferde der Kirche; nun hat es in Bonn auch eine Gottesdienst-Sommerserie gegeben: Drei Heilige Messen in Folge wurden als Open Air-Gottesdienste im Kreuzgang des Bonner Münsters gefeiert. Auch sie waren jeweils in besonderer Art musikalisch gestaltet.

Sommer-Sonntagsgottesdienste, Teil 1

Die Reihe begann am 23. Juni mit „A Little Jazz Mass“ von Bob Chilcott, interpretiert von Markus Karas’ Kammerchören BonnSonata und Chorus Cantate Domino. Am Schlagzeug war Matthias Westemeyer zu hören. Die Leitung übernahm Christian Winkeler. Als Pianist der Messe fungierte Regional- und Münsterkantor Markus Karas.

Die sommerlich leichte Predigt zur Bedeutung des geschichtsträchtigen Platzes, an dem die Heilige Messe gefeiert wurde, stammte von Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken. Gemeinsam mit ihm zelebrierte der Dominikaner P. Dr. Albert-Henri Kühlem OP aus Marseille die Messe. Ganz ohne leichte Verluste lief der Gottesdienst wegen der extremen Hitze, die sich auf zwei Personen negativ auswirkte und den Einsatz eines Rettungswagens nötig machte, nicht ab. Zudem ging ein Kerzenständer durch eine Windböe zu Bruch. Transportable Sonnendächer tendierten im Wind zum Abheben, konnten spontan aber wieder fixiert werden. Mikrofone bzw. Lautsprecher übertrugen den Ton während der Open Air-Serie nicht immer zuverlässig. Organisatorisch war vor allem im ersten der drei Gottesdienste noch Platz nach oben, so dass unermüdlich engagierte Haupt- und vor allem Ehrenamtliche für manche Verbesserung sorgten. So sollte am zweiten Open Air-Sonntag z. B. vorsorglich Wasser während der Messe zur Verfügung stehen. Auch wurden zusätzlich zu den Bierbänken ein paar Klappstühle und weiterer Sonnenschutz aufgestellt, der optisch nachteilig, aber funktional von Vorteil war. Ungünstig während aller drei Gottesdienste war die Platzierung der Chöre im Durchgang zu den Toiletten. Neben der Hitze war es auch die nicht barrierefreie Lokation, die einige regelmäßige Kirchgänger vom Messbesuch an dieser Stelle abhielt. Gehörten sie überhaupt zur Zielgruppe, oder sollte bevorzugt ein möglichst junges, neues Publikum erreicht werden?

Sommer-Sonntagsgottesdienste, Teil 2

Für die zweite Open Air-Messe am 30.06.2019 war zunächst wochenlang mit Stadtdechant Picken als Prediger geworben worden, der dann jedoch anlässlich einer Feier zum 50-jährigen Weihejubiläum seines Onkels nach Münster reiste. (Näheres s. hier im Bericht zur Verabschiedung von Pfarrer Raimund Blanke.) Die Messfeier im Münster-Kreuzgang übernahm Pater Gerold Jäger CN, Hochschulseelsorger der KHG Bonn. Der Pater der Gemeinschaft Chemin Neuf predigte frei und variantenreich zum Thema „Courage“.

„Das musikalische Programm an diesem Sonntag“, so der Wortlaut des Stadtdekanates, wurde von der Münster-Schola unter Leitung von Sylvia Dörnemann bestritten. Bekannte „Gotteslob“-Wechselgesänge mit der Gemeinde sowie Motetten von Heinz Martin Lonquich erklangen. Am Piano begleitet wurde die Messfeier von Dr. Rainer Nikorowitsch. Insbesondere bei den nicht mit der Gemeinde im Kreuzgang geprobten Wechselgesängen machte sich die nicht gerade optimale Akustik des Kreuzganges bemerkbar; da „zerfiel“ schon einmal ein Gesang. Regional- und Münsterkantor Markus Karas, der immer Wert aufs Ansingen potenziell herausfordernder Liedliteratur legt, war bei der zweiten der drei Freilichtmessen nicht anwesend, der Gemeinde gelang unter dem Dirigat von Sylvia Dörnemann jedoch ein perfekter Abschluss des Kanons „Lobet und preiset Ihr Völker den Herrn“ mit „Ah!“-Effekt. Einen funktionierenden Klangkörper zu bilden, das sorgt bei den Gläubigen doch immer wieder für ein Gemeinschaftsgefühl!

Sommer-Sonntagsgottesdienste, Teil 3

Die dritte Messe der Sommerreihe mit Easy Listening-Predigt von Stadtdechant Dr. Picken fand am 07.07.2019 statt – im Gegensatz zu den sehr heißen Vorwochen bei moderater Temperatur. Besondere musikalische Attraktion war hier die „Misa a Buenos Aires“ („Misa Tango“ oder auch „Misatango“) von Martin Palmeri, die durch den Einsatz des Bandoneón einen ganz spezifischen Klangcharakter erhält. Der Chorus Cantate Domino präsentierte Palmeris Werk zusammen mit Stephanie Buballa (Sopran), Stephan Langenberg (Bandoneón) sowie Berthold Wicke (Klavier). Die Gesamtleitung oblag Regional- und Münsterkantor Markus Karas.

Und was kommt danach?

Ob sich der Mehraufwand der Sommergottesdienste mit legerem Strandbadcharakter gelohnt hat, sei dahingestellt.

„Wir erleben, dass unser Angebot zu Dialog und Austausch sehr gut angenommen wird. Als Kirche stellen wir gerne und aus voller Überzeugung dieses Forum, um die Menschen hier in der Stadt miteinander ins Gespräch zu bringen“, wird der Bonner Stadtdechant in einer Pressemeldung des Stadtdekanates zitiert. Die Äußerung klingt so, als ob man Bonner an die Hand nehmen müsse, damit soziale Kontakte funktionieren. Dass Kontakte bestehen bzw. geknüpft werden – und zwar ganz ohne bevormundendes Einwirken der Kirche –, zeigte noch Ende Juni der Fall eines Hotelbrandes in der Bonner Maxstraße. Hier stand die Nachbarschaft dem Hotelier spontan mit materieller Unterstützung und Trost zur Seite.

„Diese Einladung zur Kommunikation wird in Zukunft eine tragende Säule unseres Wirkens sein“, drückt Picken sich weiter recht nebulös aus. Dies beginnt bereits mit dem in Kirchenkreisen üblichen, ominösen Ausdruck „wir“ bzw. hier konkret „unseres“. Auch auf Nachfrage konnte ich bisher nicht herausfinden, wer hinter diesem ständig auftauchenden Pluralausdruck steckt. Wer lädt im oben zitierten Fall ein, und wer wirkt? Der Klerus, alle Hauptamtlichen, die Gremien, doch alle Gemeindemitglieder (vereinnahmt) oder der Stadtdechant im Pluralis Majastatis? Letzteres ist nicht unplausibel und dem Rheinländer, der sing Sprooch hück noch kennt (Übers.: der seine Sprache heute noch kennt), durchaus vertraut, da er eine Person in der Höflichkeitsform im Plural anspricht.

Wie dem auch sei: Für Bonner, die sich über die Wiedereröffnung des Münster-Kreuzganges und auf eine weitere Open Air-Saison inklusive Plausch in historischem Ambiente gefreut hatten, folgt dann eine ernüchternde Information durch die Pressestelle: „Allerdings voraussichtlich im nächsten Jahr nicht mehr im Kreuzgang. Denn dieser wird 2020 wegen der Generalsanierung nicht zugänglich sein.“

Nun, Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken hat sicher bereits einen Plan B in petto...

(dcbp, 14.07.2019)

Autor:

Damiana C. Bauer-Püschel aus Bonn

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.