Katholische Kirche: Frauen im Fokus I

Mit Liebe für Mutter
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Der Marienmonat Mai ist ohnehin eine Zeit, in der die Weiblichkeit in der katholischen Kirche etwas näher zum christlichen Mittelpunkt rückt. Zwar sind die Mairiten rund um die Gottesmutter Maria entstanden, um heidnische Bräuche zu verchristlichen; zwar wird Maria real wie sinnbildlich oft auf einen Sockel gestellt, wo sie reglos verharrt, und Kleriker wie Laien sich ihrer als Idol bedienen können, aber jedem ist doch klar, dass es ohne Maria keinen Jesus Christus gäbe, wie ohne Frauen generell kein Leben außer- und innerhalb der Kirche möglich wäre. Lebendig war die Kirche trotz des Kirchenstreiks (dazu weiter unten mehr) am vergangenen Sonntag bzw. am Vorabend aber definitiv!

Chor aus Wuppertal-Barmen in Bonner Vorabendmesse

Die Vorabendmesse zum 4. Sonntag der Osterzeit am 11. Mai 2019 wurde zur Freude der Gottesdienstbesucher in der Bonner Remugiuskirche durch Psalmvertonungen von Louis Lewandowski (1821-1894) bereichert. Zu Gast war der Erwachsenenchor der Antoniusmusik aus Wuppertal-Barmen unter Leitung von Stefan Starnberger. Die Barmener Gemeinde St. Antonius besteht seit mehr als 300 Jahren und zeichnet sich heute durch ihren internationalen Charakter aus, den einige Katholikinnen und Katholiken aus dem Seelsorgebereich Bad Godesberg anlässlich der Amtseinführung von Kaplan Samuel Onyang erleben durften. Pater Samuel Onyang AJ, der im September 2017 in Richtung Wuppertal-Barmen verabschiedet wurde, ist in Bonn-Bad Godesberg noch in guter Erinnerung, und nun sang ein Chor seiner jetzigen Gemeinde in Bonn, den man nur mit „gerne wieder“ kommentieren kann. An der Orgel war Simon Botschen, Kantor und Seelsorgebereichsmusiker aus Bonn-Endenich, zu hören. Seit 2018 ist er dort an der Kirche St. Maria Magdalena tätig. Übrigens: Es gehört wohl zu den schönsten, gleichberechtigten Formen von Kirche, wenn Frauen und Männer gemeinsam für die Musica sacra sorgen!

Priesteramtskandidaten und Frauen

Zelebrant und Prediger war – wie regelmäßig in der Vorabendmesse an St. Remigius – Pater Ulrich Behlau CssR. Der Pater des Redemptoristenklosters an der Bonner Josefshöhe bezog sich in seiner Predigt auf die Lesung (Apg 13,14.43b-52) und berichtete aus seiner Zeit in leitender Funktion am Priesterseminar seines Ordens und zeitgleich als Seelsorger in einer psychiatrischen Einrichtung für drogenabhängige Frauen: Während die Priesteramtskandidaten über tägliche Gottesdienste murrten und mit ihrem Leiter über Alternativen diskutierten, freuten sich die Frauen über die Frei-Zeit der Gottesdienste, in denen sie zur Ruhe kamen und Gottes Wort als Impuls oft mit in ihren Tag nahmen. Die Parallelen zur Lesung, in der das Wort Gottes dort abgelehnt wird, wo man seine bereitwillige Aufnehme erwarten würde, und es bei denen Früchten wird, an die es sich erst in zweiter Linie richtet, waren offensichtlich. Paulus und Bárnabas werden hier von den Juden vertrieben und kommen zum Schluss, dass sie sich an die Heiden wenden müssen. Was Gläubige heute von der Wahrheit der biblischen Worte überzeugen kann, ist die zeitlose Erfahrung, dass Gottes Wort wirkt – und zwar immer dort, wo Menschen offen für eine Begegnung mit IHM sind.

Fokus auf die Frauen gefordert!

Für vergangenen Samstag war auch zum Beginn des Kirchenstreiks der Aktion „Maria 2.0“ aufgerufen worden; Frauen sollen eine Woche lang keine Kirche betreten und keinen Dienst dort verrichten, sondern vor den Kirchen Gottesdienst feiern. Damit verbunden sind Forderungen an den Papst. Obwohl sich in der Kirche Dinge in punkto Klerikalismus und Frauenbild dauerhaft verändern müssen, und ich manchen Punkten der Petition zustimme, halte ich den Weg von „Maria 2.0“ nicht für den Königsweg, denn er wird recht undifferenziert beschritten. Themen wie Missbrauch und Frauenordination werden mehr oder weniger willkürlich miteinander verknüpft. In den Medien sieht es so aus, als ob sich die Aktivistinnen einerseits wegen spezifisch weiblicher Eigenschaften für besser als die Männer halten, sie andererseits aber ein ebensolches Machtbestreben wie die Männer haben, und das wiederum wird als ursächliches Übel benannt. Ohne dass „Maria 2.0“ explizit thematisiert worden wäre, setzte die Predigt des Gottesdienstes in St. Remigius einen angenehmen Kontrapunkt, denn sie würdigte den intuitiven Zugang der konkreten Frauen zu Gott und kritisierte die theologisch gebildeten Männer, die IHN in Form der Eucharistiefeier ablehnten.

Theologin Jacqueline Straub, die seit geraumer Zeit für ihre eigene Zulassung zur Weihe als katholische Priesterin kämpft, reklamierte am 13.05.2019 im ARD MOMA für sich, zwar nicht alle, aber doch die überwiegende Mehrheit der Frauen in der katholischen Kirche zu repräsentieren. Ob dies wirklich zutrifft, wage ich zu bezweifeln, da die meisten Frauen meiner Erfahrung nach in der Öffentlichkeit zum Thema Frauenordination schweigen, und man daraus keine implizite Zustimmung ableiten kann. Sich mit der Vorstellung einer weiblicheren Kirche anzufreunden, halte ich aber durchaus für sinnvoll!

Passenderweise wurde am Vorabend des Muttertages, als dessen Begründerin in der heutigen Form die US-amerikanische Methodistin Anna Marie Jarvis (1864-1948) gilt, und der seit 1920 auch in Deutschland eingeführt worden ist, die traditionelle Türkollekte für das Müttergenesungswerk abgehalten. Pater Behlau machte einige Erläuterungen dazu, so dass in den Vermeldungen eines dem einen Herrn würdigen Gottesdienstes noch einmal Frauen im Zentrum standen.

(dcbp, 15.05.2019)

Autor:

Damiana C. Bauer-Püschel aus Bonn

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