Katholische Kirche: Frauen im Fokus II

„König“ (Statue von Ralf Knoblauch, Bonn)
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Aus 35 Gemeinden werden 5 Sendungsräume 

In KW 20 hat Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken in Übereinstimmung mit dem Erzbistum Köln bekanntgeben lassen, dass das katholische Bonn zukünftig in fünf Sendungsräume gegliedert werden soll – ein Schritt auf dem „Pastoralen Zukunftsweg“. Pfarrer Picken sei sich wie die Repräsentanten des Kölner Erzbistums sicher, dass der Weg, den das Erzbistum mit diesem Schritt betritt, zu einem guten Ziel führen kann, wenn die Entwicklung nicht einzig als Konsequenz des Priestermangels betrachtet werde, wie sinngemäß mitgeteilt wurde. Ja, wäre denn jemand auf die Idee für Veränderungen gekommen, wenn es keinen Priestermangel geben würde? Wie soll ein Schrumpfen der Gemeinden bzw. ein Ausdehnen weniger Gläubiger auf ein größeres Gebiet anders als im Kontext des Priestermangels betrachtet werden, wenn sich nichts tiefgreifend in der patriarchalisch geprägten Kirche ändert?

Stadtdechant Picken spricht gerne und oft über die trügerischen Euphemismen der Politiker, aber wo verhält sich die Kirche denn anders? Ganz gleich, welches Etikett auf Gemeindefusionen geklebt wird, es bleiben eben Fusionen, die erst einmal den Verlust gewohnter Strukturen für den einzelnen Kirchgänger mit sich bringen.

Liegen Chancen in der Veränderung?

Dr. Picken wird wie folgt zitiert: „Der Rückgang in den nächsten Jahren ist so tiefgreifend auch unter Kirchenmitgliedern und Ehrenamtlichen, vermutlich sind auch die finanziellen Folgen so erheblich, dass auf allen Ebenen ein Umdenken notwendig ist.“ Und weiter: „Die gegenwärtige Lage bietet auch Gestaltungsmöglichkeiten und Spielraum für Aufbruch und Zukunft!“ Pickens Vokabular impliziert einerseits Kreativität und Offenheit im anstehenden Prozess, andererseits die Tragfähigkeit der Veränderungen. Und wenn der Versuch scheitert, dann sind nicht diejenigen verantwortlich, die den Prozess steuern und erst recht nicht die, die jahre- oder jahrzehntelang gedacht haben, es ginge ewig so weiter wie bisher – nein, die Verantwortung scheint doch eher den Kirchensteuerzahlern aufgebürdet zu werden, die dann eben nicht offen genug für Veränderungen waren.

Ich befürchte, dass in der hiesigen Kirche weiterhin von oben regiert wird, ausgewählte „regierungskonforme“ Katholikinnen und Katholiken ihren „Input“ leisten dürfen, solche, die von der Leitung abweichende Positionen vertreten, jedoch außen vor bleiben. Der von Pfarrer Picken erwähnte „Aufbruch“ muss meiner Auffassung nach in wesentlichen Punkten von unten erfolgen. Der Bonner Stadtdechant macht sicherlich seinen nicht gerade leichten Job, wie er es auch in Bad Godesberg getan hat: letztlich erzbistumskonform (sofern er nicht einer ganz eigenen Agenda folgt).

Daniel Donskoy über Religion

Zum Klima in der Kirche hat der privat kirchenferne Schauspieler („Sankt Maik“) und Musiker Daniel Donskoy als Gast am Frühstückstisch von „Volle Kanne“ (ZDF, Moderation: Ingo Nommsen) am 15. Mai 2019 nachdenkenswerte Sätze gesagt. Auf die Frage, ob sich sein Bezug zum Glauben durch die Hauptrolle in „St. Maik“ – Donskoy spielt hier einen Ganoven, der in die Rolle eines katholischen Pfarrers schlüpft und als solcher auf unorthodoxe Art immer wieder Gutes bewirkt – verändert habe, antwortete der Schauspieler, dass er nun allenfalls noch weiter entfernt vom Glauben sei. Donskoy sagt, er glaube nicht an einen personalen Gott, aber an „etwas Größeres“. Daniel Donskoy hat seiner Aussage nach einerseits durch seine Rolle die Vorzüge des Zusammenhalts in einer Gemeinde kennengelernt. Wenn man jemanden brauche, der einem Kraft gibt, sei jemand da. „Und auf der anderen Seite: wenn du halt nicht so tickst, wie du sollst, bist du ganz, ganz schnell wieder draußen“, so Donskoy. Dieses „Heuchlerische“, das es nach Meinung des Künstlers nicht nur, aber auch in Weltreligionen gebe, nehme die Serie ‚Sankt Maik‘ auch unter die Lupe. „Sobald etwas Größeres über einem steht, wird das Individuum nicht mehr gesehen“, sagt der Künstler. Diese Gefahr besteht zumindest – so auch beim Zusammenführen von Gemeinden, wobei immer wieder finanzielle Aspekte im Vordergrund zu stehen scheinen.

„Maria 2.0“

Die aktuelle Situation der katholischen Kirche könnte in der Tat eine Art Kirchenrenaissance hervorbringen – wenn denn die hohen Herren in der Kirche den Mut hätten, so revolutionär zu denken wie einst Jesus! Obwohl ich den Kirchenstreik „Maria 2.0“ nicht in allen Punkten gutheiße (s. weiter unten), haben diese Frauen jedoch den Mut, Kirche anders als in den eingefahrenen Schienen zu denken. Ihnen fehlt nur das päpstliche Okay, um sie auch in allen Facetten anders zu leben. Unabhängig von den Forderungen der an den Papst gerichteten „Maria 2.0“-Petition verbietet sich in Krisen zwar blinder Aktionismus, sie erfordern aber doch tatkräftiges Handeln. Warum sollte also eine Kirche mit geweihten Frauen im priesterlichen Stand unmöglich und die grundsätzliche Abschaffung des Pflichtzölibats ausgeschlossen sein, wenn es um die Bewahrung der Sache Jesu geht? Die theologischen Argumente gegen Veränderungen in diesen Bereichen sind doch recht dünn. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich brauche keine Einführung der Frauenordination, um mich selbstbewusst unter Klerikern bewegen zu können; die geweihten Männer könnten von mir aus weiterhin die größere Verantwortung für die Kirche auf ihren Schultern tragen, wenn sie diese Last denn noch alleine bewältigen könnten! Ich sehe aber leider kaum noch selbstsichere Hirten in der Kirche, die wissen, wie sie die ihnen anvertrauten Schäfchen auf einem guten Weg Richtung Christus führen und ausreichende Zeit fürs Seelenheil aller aufbringen sollen. Diese Situation erfordert meiner Meinung nach auch ungewöhnliche bzw. bislang unmögliche Maßnahmen. Männer ohne Abitur können Priester werden, warum sollte Frauen, die Theologie studiert und Erfahrung in der Gemeindearbeit haben, nicht das Add-on der Priesterordination zustehen?

Internationaler Tag der Pflege

Doch zurück zu Pfarrer Picken, der nicht zu beneiden ist, wenn er – wie noch am vergangenen Sonntag – mit dem Unterton der Verzweiflung ein Relikt vergangener Zeiten wiederbeleben will: die auf gegenseitiger Unterstützung basierende katholische Großfamilie, die für die Alten sorgt und zudem Priester und Ordensleute hervorbringt. Picken ist mit seinen Ansichten nicht grundsätzlich im Unrecht, aber niemand wird die Zeit zurückdrehen können. Am (nicht klerikal geprägten) Internationalen Tag der Pflege, der am 12. Mai jährlich an den Geburtstag von Florence Nightingale und damit an eine Pionierin der modernen Krankenpflege erinnert, thematisierte Pfarrer Picken auch die heutige Krankenpflege und Sterbebegleitung, soziale Leistungen durch Familie und Orden. Für die Lebensform in karitativ tätigen Orden setzte er sich vehement ein, da weltliche Berufe im Bereich der Pflege nicht ausreichen. Am Ende des Gottesdienstes diente ihm die anwesende Dernbacher Schwester Carmen Reifenscheid, die seit ihrer Pensionierung in Bad Godesberg tätig ist, als gutes Beispiel.

Sonntag des guten Hirten mit einem König

Der „Sonntag des guten Hirten“ (vgl. Evangelium Joh 10,27-30) wurde in der 12.00 Uhr-Messe in St. Remigius erwähnt. Als „Messe mit König“ angekündigt, verlieh Pfarrer Picken dem liturgischen Tag jedoch einen anderen Akzent: Eine Statue des Bonner Diakons Ralf Knoblauch (St. Thomas Morus, Bonn) lieferte den Titel. (Eine Königinnenfigur gab es daneben leider nicht. Auf der Website der Münsterpfarre ist auch das Foto einer weiblichen Holzfigur veröffentlicht worden.) Die Figur, die für die von Gott gegebene Königswürde jedes Getauften steht, leitete zu seiner Predigt mit der oben genannten Thematik über.

Man kann nur beten, dass Stadtdechant und Pfarrer Dr. Wolfgang Picken mit seiner Kirche feinfühliger umgeht als er in jüngster Zeit im Fall Pöhler bzw. mit Kommentaren über Staatsanwalt Faßbender in den Medien auftrat. Ich habe mich gegen die Veröffentlichung eines ausführlichen Kommentares, den ich bereits geschrieben hatte, entschieden und möchte mich auf folgenden Link beschränken:

„Unfälle, Kinderpornografie, Mord und Totschlag – für die meisten Menschen ist schon die Vorstellung unerträglich. Wie aber gehen Ermittler damit um? Was wenn sie an ihre psychischen Grenzen gelangen? Der Film greift ein Tabuthema auf.“ 

29.04.2019 | 44 Min. | UT | Verfügbar bis 29.04.2020 | Quelle: Das Erste

(dcbp, 16.05.2019)

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