Zu viel des Guten: Aufführung von „Maria“ in der Namen-Jesu-Kirche

Am Ende eines musikalischen Abends in der Bonner Namen-Jesu-Kirche
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Am Samstag, den 12. Oktober 2019 fand das im Musical-Stil komponierte Oratorium „Maria“ von Dirk-Johannes Neumann (Musik) und Markus Erhardt (Text) seine Aufführung in der alt-katholischen Bischofskirche, der Namen-Jesu-Kirche in der Bonner Innenstadt. Das Werk des Kirchenmusikers Neumann sowie des Hagener Autors und Gemeindereferenten Erhardt entstand im Jahr 2016 mit der Intention, biblische Inhalte in ein lockeres, zeitgemäßes musikalisches Gewand zu kleiden. Dabei liegt der Fokus – wie der Titel bereits zum Ausdruck bringt – auf Texten, in denen die Gottesmutter Maria eine Rolle spielt.

Klangfülle: Chöre, Orchester und Solisten

Aufgeführt wurde das äußerst ambitionierte Werk vom Aegidienchor sowie dem Projektchor St. Margareta, die beide in der Bonner römisch-katholischen Gemeinde St. Thomas Morus beheimatet sind. An Stimmkraft und guter Intonation mangelte es hier nicht.

Sieben Gesangssolistinnen und -solisten intonierten die teils tragenden Rollen, namentlich Angela Stüttgen (Maria/12-jähriger Jesus), Bernhard Weiskirch (Josef), Martin Wagner (Gabriel), Maximilian Schmitt (Herodes/Pilatus), Florian Kersten (1. Sterndeuter), Georg Theiss (2. Sterndeuter) sowie Jan Groth (3. Sterndeuter). Weitere (Sprech-)Rollen füllten Günther Timmermann (Gott), Heinz Peter Schmitz (1. Wirt) und Simon Bornewasser (1. Wirt/Bräutigam) aus.

Das Orchester, zu dem auch Urheber Dirk-Johannes Neumann am Kontrabass gehörte, sorgte für eine vielseitiges, klanglich ausgewogenes Fundament.

Die Gesamtleitung lag in den Händen von Henning Rubach; bei der Einstudierung wirkte Gabi Neumann mit.

Oratorium im Musical-Stil: ein Experiment mit Grenzen

Man merkte dem Stück an, dass seine Macher etwas von der Materie verstehen. Oft hätte man den Eindruck, das Stück schon einmal gehört zu haben, auch wenn dies nicht der Fall war. Vor allem im zweiten Akt offenbarte sich jedoch die Schwäche des Oratoriums: Ein Zuviel an typischen Musical-Melodien, die allesamt gesanglich umgesetzt wurden, ließ Aufmerksamkeit und Freude beim Zuhören merklich sinken. Das durchaus gute Material hätte für ein weiteres Werk ausgereicht. Meiner Meinung nach wäre es effektiver, ein richtiges, inszeniertes Musical mit Schauspielszenen aus dem Material zu machen, und die besten Gesangsstücke hervorzuheben. 
Die witzig angelegte Rolle des Engels traf mit ihrem kalauernden Humor meinen nur selten; den klischeebeladenen, frauenfeindlichen Witz über das weibliche Geschlecht und seine nicht vorhandene Verschwiegenheit habe ich als deplatziert empfunden.

Dass das Stück aus römisch-katholischer Feder stammt, merkte man daran, dass Mariä Aufnahme in den Himmel thematisiert wurde. Dies in einer alt-katholischen Kirche, die dieses Mariendogma ablehnt, zu hören, kann als befremdlich wahrgenommen werden.

„Maria“: eine Partitur mit viel Potenzial

„Maria“ ist ein musikalisches Werk mit viel Potenzial, bei dessen Aufführung viele Akteure ihr Können unter Beweis stellten. Musikalische Zitate und Reprisen wurden geschickt eingesetzt. Die Gesangstexte waren (zumindest im hinteren Teil der Kirche) leider nicht alle einwandfrei zu verstehen.

Einführende Worte von Alexander Eck (Rector Ecclesiae der Namen-Jesu-Kirche) sowie eine kurze Pause brachten die Aufführung auf eine Dauer von rund zweieinhalb Stunden; veranschlagt worden war eine Dauer von zwei Stunden. Auch hier hätten komplette Streichungen oder Kürzungen innerhalb einzelner Lieder Werk und Publikum gutgetan.

Bereits am nächsten Tag (Sonntag, 13.10.2019) fand um 17.00 Uhr ein Heimspiel in der Kirche St. Aegidius statt. Es wird mit Sicherheit weitere Aufführungen von „Maria“ geben – vielleicht auch in einer Version 1.2?

(dcbp, 15.10.2019)

Autor:

Damiana C. Bauer-Püschel aus Bonn

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