Theater-Schattenspiel "Hacivat und Karagöz" in Mines Spatzentreff

Vorbesprechung zum Schattenspiel-Theater in Mines Spatzentreff
  • Vorbesprechung zum Schattenspiel-Theater in Mines Spatzentreff
  • Foto: Ali Köken
  • hochgeladen von Anita Brandtstäter

Am Samstag, 7. November 2020, um 19 Uhr lädt Mines Spatzentreff ein zum Theater-Schattenspiel "Hacivat und Karagöz" von und mit HayAli Ali Köken. Einlass 18 Uhr. Eintritt 10 Euro.

Karagöz, das türkische Schattentheater, war im Osmanischen Reich des 16. und 17. Jh. die beliebteste Form der Unterhaltung. Es erfreute alle Gesellschaftsschichten, die “High Society“ lachte am Sultanshof ebenso darüber wie das einfache Volk in den Kaffeehäusern der Städte. Auch bei privaten Familienfesten buchte man Vorstellungen des Schattentheaters und besonders oft veranstalteten die Osmanen Karagöz-Aufführungen im Fastenmonat Ramadan, wenn man sich nach Sonnenuntergang zum gemeinsamen Essen traf.

Die für das Schattentheater benötigte Bühne bzw. Kulisse bestand aus einer hölzernen Rahmenkonstruktion. Der dahinter verborgene Spieler agierte - für das Publikum unsichtbar - mit den Schattentheaterfiguren vor einem Bühnenfenster, das mit einem hellen transparenten Stoff bespannt war.
Die Figuren waren flache Scherenschnitte aus dünnem, durchsichtig geschabtem und bunt gefärbtem Leder, oft Kamelhaut. Ihre Größe schwankte zwischen 10 und 40 cm. Sie waren durchbrochen gearbeitet, so dass ihnen Licht- und Schattenwechsel Details, z.B. ausdrucksvolle Augen, verliehen.
Hinter der von Kerzen oder Lampen angestrahlten Leinwand bewegten sich die Figuren als farbige Schatten. Da die Einzelteile der Puppen, etwa die Gliedmaßen, an den Gelenken, aber auch an Kopf und Taille durch Schnüre verbunden waren, konnten die Gestalten abrupt-komische Bewegungen und lustige Verrenkungen vollziehen. Der Puppenspieler steuerte sie mit Hilfe von Stöcken, an denen sie befestigt waren. Mit großer Fingerfertigkeit dirigierte er bis zu drei Figuren und imitierte dazu die unterschiedlichen Stimmen.

Ali Köken ist ein türkischer Karagöz- und Hacivat-Meister und Meddah-Spieler (Stand-up). Nach seiner schulischen Ausbildung zog er nach Deutschland und vollendete seine Bildung in Mönchengladbach als Theaterschauspieler. Als Schauspieler, Regisseur und Berater wirkte er in vielen Theatergruppen mit. Nach intensiven Recherchen und Studien zu Karagöz und Hacivat spezialisierte er sich auf diese und wurde Fachmann, sogenannter Meister, für diese Theaterformen.

Das erste Stück heißt „Almanya Yolculugu“ (Die Reise nach Deutschland) - Sprache: Türkisch und Deutsch.
Hier möchte Hacivat nach Deutschland reisen und bittet Karagöz mitzukommen. Doch dieser möchte vorher Deutsch lernen. Hacivat bringt Karagöz nun die Grundlagen der Deutschen Sprache bei, doch dieser versteht alles falsch und vermischt das Türkische mit dem Deutschen. Am Ende einigen sich beide, erst einmal einen Brief an die Kinder in Deutschland zu schreiben, damit diese Karagöz und Hacivat einladen und später auch nett begrüßen können.

Das zweite Stück heißt „Das Rätsel“ - Sprache: Deutsch.
In diesem Stück möchte Hacivat sich mit Karagöz treffen, um ihm Rätsel zu stellen. Karagöz willigt ein und ist von sich überzeugt, dass er alle ohne Probleme lösen kann. Doch seine Selbstüberschätzung wird auch gleichzeitig sein Verhängnis. Karagöz kann keines der gestellten Rätsel lösen, so dass sich Hacivat wundert, warum Karagöz behauptetet hätte, diese lösen zu können. Karagöz muss zugeben, dass er sich besser dargestellt hat als er ist.

Das dritte Stück heißt „Herr Nixverstehen“ - Sprache: Deutsch.
Hacivat bekommt einen Brief aus Deutschland, in dem steht, dass sein Onkel verstorben sei und er doch kommen solle. Hacivat bittet nun Karagöz mitzukommen, dieser willigt ein, und beide kommen in Deutschland an. Erst bewundern sie den großen Bahnhof, da Hacivat wissen möchte, wem dieser Bahnhof gehört, aber er kein Deutsch sprechen kann, fragt er Karagöz, ob Deutsche auch Türkisch verstehen. Karagöz antwortet, dass alle Menschen Türkisch verstehen. So stellt Hacivat die Frage, wem der Bahnhof gehört auf Türkisch. Der Mann antwortet mit "nix verstehen". Darauf denken Hacivat und Karagöz, dass der Bahnhof Herrn Nixverstehen gehört. Diese Situation passiert nicht nur am Bahnhof, sondern auch vor einer Fabrik, an einer Limousine und bei einer Beerdigung. Karagöz und Hacivat sind nun so traurig, dass Herr Nixverstehen verstorben ist, dass sie sich vornehmen, ohne großen Reichtum weiterzuleben.

Das Schattentheater war keineswegs ein oberflächliches Amüsement, sondern eine hintergründige Komödie mit manchmal auch satirisch-possenhaften Zügen. Einer der beiden Hauptakteure war Karagöz (Schwarzauge), ein ungebildeter, oft als Zigeuner dargestellter Bauer. Trotz seiner Faulheit und Grobschlächtigkeit machten ihn seine lustige Schläue und Vorwitzigkeit zum sympathischen Schalk und erklärten Liebling des Publikums. Er war die Identifikationsfigur des Volkes schlechthin. Der Widerpart von Karagöz und der zweite Protagonist im Spiel, war sein hochnäsiger Nachbar Hacivat. Feinsinnig und gebildet, verkörperte der höfliche Biedermann einerseits “political correctness“, andererseits trachtete er - typisch Doppelmoral - selbstsüchtig nach seinem persönlichen Vorteil.

Autor:

Anita Brandtstäter aus Köln

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