Nach drei Solokonzerten "Akkordeon total" am Wochenende
Alexandre Bytchkov begeisterte am Sonntagabend in der Kartäuserkirche Köln

Alexandre Bytchkov in der gut besetzten Kapelle der evangelischen Kartäuserkirche Köln mit einem vielfältigen Akkordeon-Solo-Programm von Bach bis Tango.
  • Alexandre Bytchkov in der gut besetzten Kapelle der evangelischen Kartäuserkirche Köln mit einem vielfältigen Akkordeon-Solo-Programm von Bach bis Tango.
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Köln. Am Wochenende hatte Alexandre Bytchkov ein Mammutprogramm hinter sich, als er am Sonntagabend sein Publikum in der Kapelle der evangelischen Kartäuserkirche Köln auf eine musikalische Weltreise von Bach bis Tango mitnahm. Nach einem Solokonzert am Samstag in Bad Neuenahr hatte er am Sonntag vorher schon in Leverkusen und in Rösrath-Forsbach konzertiert.

Dabei erwies sich der Dozent am Peter-Cornelius-Konservatorium Mainz als toller Botschafter des Konzertakkordeons. Geboren und aufgewachsen ist er in Sankt Petersburg, Russland, dort hat er auch an der Staatlichen Hochschule für Kultur Leningard studiert, um sich als Dirigent, Akkordeonlehrer und Konzertakkordeonist zu qualifizieren. In Baden-Baden gewann er zweimal den seit 1980 vom Deutschen Harmonika-Verband alle drei Jahre ausgerichteten Deutschen Akkordeon-Musikpreis.

Sein Solokonzert begann der Akkordeonviruose gleich klangvoll in der tollen Akustik der Kapelle mit Bachs wohl bekanntestem Orgelwerk "Toccata und Fuge d-Moll BWV 565" in eigener Bearbeitung. Auswendig und sehr routiniert war seine Interpretation auf dem Vignoni Akkordeon mit Konverter, mit dem er auch die Basslinien des Originals und die Mehrstimmigkeit beeindruckend 'rüberbrachte. Ebenfalls aus der Barockzeit war ein fröhliches Allegro aus einer Sonate in C-Dur von Domenico Scarlatti, das sind Werke, die für Tasteninstrumente ihrer Zeit geschrieben wurden, die sich aber auch ausgezeichnet für das Akkordeon mit Melodiebass eignen. Etwas melancholisch und verträumt klang dagegen eine Serenade des deutschen Romantikers Franz Schubert. Der Solist unterstützte die Farbigkeit seiner Interpretation durch intensive Nutzung der Register seines Instrumentes.

Danach nahm Alexandre Bytchkov sein Publikum in seine Heimat Russland mit. Zunächst mit "Das alte Schloss", ein Satz aus dem Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky. Es ist ein Lied, das der Troubadour singt. Beim Begleitinstrument handelt es sich wohl um ein Instrument mit Bordunsaite, bei welchem wie beim Dudelsack ständig der Grundton Gis mitschwingt. Die Melodieführung ist dabei typisch für russische Volksmusik - sie wird zunächst immer intensiver, um dann sich wieder im Nichts zu verlieren. Danach war er bei dem russischen Volkslied "Da eilt die Postkutsche" voll in seinem Element. Yuri Peschkov hat die anspruchsvolle Bearbeitung geschrieben - mit virtuosen Variationen und Kadenzen, Bellow Shakes und leidenschaftlichen Teilen, bei denen die "russische Seele" voll zum Ausdruck gebracht wird. Inspiriert durch Alexander Puschkins Literatur komponierte Georgy Sviridov seine Suite "Schneesturm", daraus spielte der Akkordeonist die Romanze - auf der Diskantseite kamen mehrstimmig die verschiedenen Melodielinien des Sinfonieorchestersatzes gut heraus.

Selbstverständlich durfte auch der Tango nuevo mit seinem Schöpfer Astor Piazzolla im Programm nicht fehlen. Den "Libertango" spielt Alexandre Bytchkov in fast allen Konzerten - rechts zunächst leichte gebrochene Akkorde und dann das Thema mit virtuosen Verzierungen, allmähliche Steigerung mit Bellow Shakes... - das kommt immer bestens an, weil fast jeder diese Musik kennt. Den zweiten Piazzolla spielte er dann mit seiner 120-bässigen Beltuna mit Standardbass; es ist eines der frühen Werke des argentinischen Bandoneonspielers: "Chiquilin de Bachin" im Dreivierteltakt. Bei "Tico Tico" von Zeqzuinha de Abreu war der Virtuose dann ganz in seinem Element. Pure Lebensfreude  und dem Publikum gefiel es. Ein Musette gehörte auch ins Programm: "Flambée Montalbanaise" von Gus Viseur. Die Begleitung war dabei ganz auf den Ausdruck der Melodie rechts ausgerichtet. Zum Mitsummen animierte der Schlager von Hildegard Knef "Für mich soll's rote Rosen regnen"- und man ahnte, dass das Konzert sich dem Ende zuneigte. Als letzter Punkt im Programm "Tango pour Claude", ein wirkungsvoller Tango nuevo des französischen Piazzolla-Nachfahren Richard Galliano.

Die Zuhörer in der gut gefüllten Kapelle ließen Alexandre Bytchkov nicht ohne Zugabe gehen. Zunächst das barocke Finale aus dem Concerto grosso d-Moll für Streichorchester von Antonio Vivaldi, und - last not least - die bekannte Figaros Cavatina aus "Il Barbiere di Siviglia" von Gioacchino Rossini. Viel Applaus nach einem abwechslungsreichen Solokonzert, das die ganze Bandbreite des Akkordeons demonstrierte!

Autor:

Anita Brandtstäter aus Köln

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