Karneval - Die fünfte Jahreszeit
Lebensfreude, Toleranz und Weltoffenheit

Stippeföttche-Figur am Kölner Dom
  • Stippeföttche-Figur am Kölner Dom
  • Foto: Stefan Fohlen
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Ob Karneval oder Fastelovend, ob Alaaf oder Helau, ob Karnevalist oder Jeck, ob Straßenumzug oder Sitzung – die Hauptsache ist: Fünfte Jahreszeit.
Die Zeit bis Aschermittwoch ist immer eine tolle Möglichkeit, um der Welt zu zeigen, wie gastfreundlich und weltoffen besonders Köln, aber auch die gesamte Metropolregion Rhein-Ruhr und die Menschen hier sind.

Als Karneval, Fastnacht (regional auch Fassenacht, Fasnacht, Fasnet, Fosnet, Faasend, Fasteleer, Fastelov(v)end, Faslam) oder Fasching bezeichnet man traditionell die Zeit der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumenden Lebensfreude vor Beginn der österlichen Fastenzeit (Passionszeit).
Eigentlich beginnt sie ja schon lange vor Weihnachten – die Karnevalszeit. Nämlich am 11.11. genau um 11:11 Uhr. Hier im Rheinland wurde die Eröffnung der Session im 19. Jahrhundert festgelegt. Die Elf steht seit dem Mittelalter für Jux und Narretei. Daher gibt es am 11. November einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den Karnevals-Hochtagen im Februar kommen wird.

Ursprünge des Karnevals

Startpunkt des eigentlichen Karnevals ist der 6. Januar - Tag der Heiligen Drei Könige und geht auf das alte Bohnenfest zurück. Am Abend vor dem Dreikönigsfest aßen die Menschen den so genannten Königskuchen. Wer eine Bohne darin fand, wurde zum Bohnenkönig gekrönt und musste einen Maskenball ausrichten.
Neben dem christlichen Ursprung hat der Karneval vermutlich auch Wurzeln in germanischen Frühlingsfesten. In vorchristlicher Zeit verkleideten sich die Menschen zum Winterende als Geister und Dämonen. In einem großen Spektakel wurden sie dann symbolisch aus den Städten und Dörfern vertrieben. Schellen und Trommeln sollten dabei die Frühlingsgeister wecken.
Schon seit dem 13. und 14. Jahrhundert gehörten Ess- und Trinkgelage, Bälle und Turniere zu den karnevalistischen Bräuchen. Höhepunkt fand das ausgelassene Treiben an den drei „tollen Tagen“ Weiberfastnacht, Karnevalssonntag und Veilchendienstag. Erst in den 1820er Jahren begannen die Menschen Straßenkarneval zu feiern. Der Rosenmontagsumzug wurde zum Höhepunkt der Session und ist es heute noch.

Bedeutung des Brauchtums

Das Datum der Karnevalstage ist variabel und richtet sich nach dem Ostertermin und der vorhergehenden Fastenzeit. So leiten Brauchtumsforscher den Namen auch vom lateinischen „carne vale" also: "Fleisch, lebe wohl" ab. Ein Hinweis darauf, dass nach Karnevalsdienstag mit dem Aschermittwoch die 40-tätige Fastenzeit beginnt, die Menschen früher mit dem Verzicht auf Fleisch, Eier und Milchprodukt begingen. Auch der in der Mainzer Gegend gebräuchliche Begriff „Fastnacht“ oder das im Süddeutschen geläufige „Fasching“ („Ausgabe des Fastschanks“) weisen darauf hin.

Stippeföttche ist eine Persiflage

Bei den Garden im Rheinland ist das Ritual namens "Stippeföttche" gebräuchlich. Dabei stehen jeweils zwei Gardisten Rücken an Rücken und reiben beim sogenannten „Wibbeln“ die Hintern aneinander. Vom hervorstehenden (hervorstippen) Hintern (Föttche) stammt der Name.
Wie so vieles im rheinischen Karneval, der sich oft mit dem ungeliebten (preußischen) Militär auseinandersetzte, ist das Stippeföttche eine Persiflage auf das Soldatentum und den Militarismus generell; im 19. Jahrhundert dann speziell der preußischen 'Fremdherrschaft' in der Rheinprovinz. Der dazu gespielte Marsch der Roten Funken von 1823 lautet Ritsch, ratsch – de Botz kapott („Ritsch, ratsch – die Hose kaputt“).

Bützen verpflichtet zu nichts

Karneval ist vorwiegend in Köln das Fest der Liebe, und deswegen werden hier zu dieser Zeit auch überall "Bützje" verteilt. Gemeint sind damit - ganz einfach - Küsschen. Ob auf die Wange oder den Mund, zu Karneval ist das Bützen überall und auch bei Fremden erlaubt. Man kann zwar ein Bützje ausschlagen, das gilt im Karneval jedoch als unhöflich. Bützen ist außerdem eine rein freundschaftliche Geste und verpflichtet zu nichts.

Habt noch eine tolle Zeit und lasst alle wissen, was uns auszeichnet: Lebensfreude, Toleranz und Weltoffenheit. Ist es eine Illusion, wenn diese 3 Dinge ein Dauerzustand wären? Was im Karneval geht, muss doch auch ohne Alkohol und Mummenschanz funktionieren!
In diesem Sinne: „Et Hätz schleiht em Veedel - Kölle Alaaf!"

Autor:

Stefan Fohlen aus Köln

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