Siedlungspolitik
Angst um die Heimat

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In Köln findet man viele alte und interessante Siedlungen. Diese tragen Namen wie z.B. Humboldtsiedlung, Finnensiedlung, Germaniasiedlung oder gar Papageiensiedlung.
Doch keine ist zur Zeit so umstritten wie die Siedlung "Egonstraße" in Köln Stammheim. Seit Jahren gibt es ein Tauziehen mit der Stadt Köln, die Eigentümer der Bauten ist und der als solcher auch die Verantwortung dafür obliegt. Zumindest sollte es so sein, doch in der Egonstraße ticken die Uhren anders.

Als die Häuser errichtet wurden, lag Deutschland in Schutt und Asche. Man schrieb die Zeit zwischen 1943 und 1949. Ich schreibe dies bewusst so, denn die Bewohner der Siedlung wissen es selbst nicht so genau. Seit einigen Jahren gibt es immer mal widersprüchliche Aussagen dazu. Fakt ist, es sind ursprünglich Behelfswohnheime gewesen, sogenannte Notbauten. Mit 70 qm Wohnfläche, was man von außen kaum glauben mag, boten und bieten sie genug Platz für eine Familie.

Liest man nun im Netz etwas über die Bauten, die auf mich teils wie kleine Bungalows wirken, dann steht dort eine Aussage, gegen die sich die Bewohner strikt verwahren. Es wird behauptet, die Bauten seien ehemalige Munitionsbunker gewesen. Doch dies missfällt den Menschen der Siedlung. Im Gespräch mit Bewohnern wurde erklärt, wenn es hier Munition gab, dann am alten Fort. Wieso sollten auch 80 Munitionsbunker dort gestanden haben? Es standen dort nämlich 80, andere sagen sogar 100 Behelfswohnheime, ähnlich der Siedlung in Humboldt Gremberg.
Heute sind noch 50 davon übrig.
Regelmäßig werden von der Stadt Köln welche abgerissen, wenn ein Bewohner auszieht oder verstirbt.
Die Siedlung soll mit und mit zur Grünanlage werden, da sie auch im "Dunstkreis" des Großklärwerks liegt. Doch dies stört die Menschen der Siedlung nicht. Manche leben dort schon ihr ganzes Leben, teils bereits in 3.Generation.
Es gibt da nämlich einen etwas anderen Vertrag, welcher den Widerstand der Bewohner, gegen die Abrisspläne der Stadt erklärt.

Als die ersten Mieter eingezogen sind, wurden Verträge ausgehandelt, in denen nur eine recht geringe Mietzahlung erfolgte. Im Gegenzug dazu, wurden die Bewohner verpflichtet alle Instandhaltungskosten selbst zu tragen. Dafür gab es dann aber auch das Recht dass die Kinder der Mieter, nach dessen Ableben oder Auszug Nachmieter werden konnten. So entwickelte sich in der Siedlung "Egonstraße" eine Eigendynamik, die aus den einfachen Bauten, Dank der Bewohner, kleine Schmuckstücke werden ließ. In mühevoller Kleinarbeit wurde innen und außen renoviert, gewerkelt und im Garten kultiviert.

Eigentlich fühlte man sich fast 70 Jahre wie ein Eigentümer und dies soll nun vorbei sein?
Laut der Stadt Köln sind die Bauten auf lange Sicht nicht mehr sicher genug. So wird nun kein weiterer Vertrag mehr ausgegeben, sobald ein Haus durch Ableben oder Auszug leer steht. Das macht den Anwohnern Angst und Sorgen zugleich. Einige sagen, die Häuser seien ihre Altersvorsorge. Es ist von Bestandsschutz die Rede. Andere fragen sich, lohnt sich denn eine Investition überhaupt noch?
Durch diesen zermürbenden Kreislauf leiden die Bauten natürlich auch und der mögliche Zerfall wird begünstigt.
Doch wo sollen sie hin, die seit Jahrzehnten zusammen gewachsene Siedlungs Gemeinschaft der Egonstraße?

Kurz überlege ich, ob es nicht ähnlich ist, wie die entwurzelten Siedlungen des Tagebaus. Doch Nein, es ist ganz anders. Man bietet Ihnen ja keine vergleichsweise neue Siedlung an, die dann auch noch einen annehmbaren Mietpreis hat.

Vor allem will man Wohnraum vernichten!

So empfinden es jedenfalls die Leute der Siedlung. Es werden Gutachten erstellt, die belegen wie schlecht oder gut die Häuser wirklich sind. Und dies von beiden Seiten. Der Kampf David gegen Goliath. Die Siedler sind jedenfalls Kämpfer, denen es um ihre Heimat geht, so haben sie erst vor einer Weile einen sehr schönen Kinderspielplatz für ihr Viertel durchsetzen können.
Anfangs dachte ich "Warum sollte denn ein Spielplatz entstehen, wenn die Siedlung irgendwann weggebaggert wird?"
Aber diesen kann man ja auch an einer Grünanlage gut gebrauchen.
Oder wird es gar dereinst komplett zum Industriegebiet?
Denn so, die Anwohner, darf es laut Bebauungsplan keine Wohnbebauung so nah an der Kläranlage mehr geben.

Verstehen kann man beide Seiten. Die eine ist in der Pflicht , die andere in der Schuld und doch auch wieder umgekehrt. Viel Herzblut einerseits, ein Rechenbeispiel andererseits.

Eine Familie kämpft zur Zeit ganz besonders um den Erhalt ihres angemieteten Heims, nachdem das unbewohnte Nachbarhaus abgebrannt ist und eine Beschädigung durch Löschwasser und Funkenschlag auch ihr Haus angegriffen hat
So campiert man seitdem im Wohnwagen vor der eigenen Haustür und hofft auf zwischenmenschliches Verständnis bei der Stadt, denn, so bestätigt ein Gutachter, ist das Haus noch zu retten.

Man muss nur wollen!

Autor:

Elisabeth van Langen aus Köln

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