Prof. Theo Pagel: "Ich habe 11.800 Tiere - und jeden Tag ein neues Lieblingstier."
"Gib mir Fünf (Antworten)! - Interview mit dem Direktor des Kölner Zoos

Prof. Theo Pagel mit einem Okapi
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Im Rahmen meiner Interviewreihe "Gib mir Fünf (Antworten)!" stellt sich heute der Direktor des Kölner Zoos, Prof. Theo Pagel, meinen Fragen.

Kurz einige Fakten zum Kölner Zoo: Der Kölner Zoo wurde im Jahr 1860 gegründet und ist der drittälteste Zoo in Deutschland. Über 10.000 Tiere aus mehr als 850 verschiedenen Arten sind im Zoologischen Garten der Domstadt zu Hause. Unter anderem hat hier auf dem Clemenshof auch das Maskottchen des 1. FC Köln, Geißbock Hennes IX., sein Domizil und gewährt den Besucherinnen und Besuchern gerne eine Audienz. Natürlich nur, wenn er nicht gerade als Glücksbringer bei FC-Spielen unterwegs ist. Mit durchschnittlich mehr als 1,1 Millionen Besuchern pro Jahr gehört der Kölner Zoo zu den beliebtesten Tierparks in Deutschland. Sein Konzept ist vielfältig. Es verbindet Abenteuer und Erholung mit der Sensibilisierung der Besucher für den Wert von Naturschutz und Artenvielfalt. Außerdem ist der Kölner Zoo Partner zahlreicher internationaler Schutzprojekte. Er engagiert sich besonders für den Erhalt und die Nachzucht bedrohter Tierarten.

Der Leitspruch  des Kölner Zoos lautet : „Begeistert für Tiere“.

Hier nun mein Interview mit Prof. Theo Pagel:

1. Im Titel meiner Interviewreihe geht es um FÜNF Antworten, was meine Gedanken zu den “Big Five” der Wildtiere lenkt. Können Sie als Experte uns eine kurze Erläuterung zu diesem Begriff geben und sind die “Big Five” alle bei Ihnen im Kölner Zoo zu finden?

"Als „Big Five“ bezeichnet man klassischerweise 5 Tiere des Südlichen Afrika. Nämlich Elefant, Büffel, Löwe, Leopard und Nashorn. Prinzipiell halten wir diese Arten, wenn auch mit anderem geographischem Ursprung. Unsere Elefanten sind Asiatische Elefanten also die mit den kleineren Ohren. Auch die Löwen stammen aus Asien. Als Büffelart haben wir Bisons, also Nordamerikaner. Leoparden haben wir auch aus Asien, und zwar Persische Leoparden. Wir halten auch ein Afrikanisches Spitzmaulnashorn."

2. Auch heutzutage gibt es immer noch Kritik an Zoos und der Tierhaltung dort. Doch sind Zoos u. a. nicht auch wichtige Orte zum Artenschutz? Was sind für Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit als Zoodirektor wichtige Aufgaben und Anliegen?

"Zoos werden in einer Zeit der Naturentfremdung immer wichtiger. Sie sind heute moderne Artenschutzzentren. Die Tierhaltung erfolgt nach neuesten wissenschaftlichen Kriterien und entspricht allen Anforderungen, die die Tiere brauchen. Schauen Sie z.B. auf unseren Elefantenpark. Ihn haben wir 2004 neu gebaut. Er ist einer der größten in Europa. Die Tiere leben hier in ihrem natürlichen Herdenverband und können eine 2 Hektar große Anlage durchstreifen. Ich bin aktuell nicht nur Direktor des Kölner Zoos, sondern amtierender Präsident des Weltzooverbands. Aus dieser Perspektive weiß ich: Die Anstrengungen, die Zoos für für Umweltbildung, Wissenschaft und Forschung sowie den Artenschutz unternehmen, machen sie zu gefragten Partnern bei all denen, denen der Erhalt einer intakten Flora und Fauna am Herzen liegt. Das sind unsere Anliegen: Menschen für Tiere begeistern und informieren, Natur und Arten erhalten. Die wissenschaftlich geführten Zoos sind heute Bildungs- und Naturschutzzentren."

3. Gibt es ein Tier im Zoo, dem Sie sich besonders eng verbunden fühlen und zu dem Sie eine tiefere Beziehung aufgebaut haben?

"Das werde ich sehr oft gefragt. Ich antworte dann immer: Ich habe 11.800 Tiere – und jeden Tag ein neues Lieblingstier. Momentan sind wir in den letzten Umsetzungsschritten bei der Fertigstellung des „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Hauses“. Mitten in Köln entsteht gerade eine begehbare Dschungelerlebniswelt mit hochinteressanten mittel- und südamerikanischen Tieren. Die Zoo-Fans dürfen sich freuen. Aktuell sind, so kann man sagen, Faultiere, Gürteltiere und Piranhas meine Lieblinge."

4. Bei der derzeitigen Pandemielage muss der Kölner Zoo leider geschlossen bleiben. Wie ist das für die Tiere? Vermissen diese die Zoobesucherinnen/-besucher?

"Bei den rund 11.800 Tieren, die wir halten, kann man das pauschal schwer sagen. Insekten wie Schmetterlinge oder die Blattschneideameisen werden weniger bemerken, dass aktuell keine Gäste zu begrüßen sind. Bestimmte Säugetiere und Vögel schon. Wir beobachten z.B., dass die Giraffen momentan den Hals mitschwenken, wenn Tierpfleger oder Gärtner an ihrer Anlage vorbeifahren. Das machen sie sonst nicht. Die Kalifornischen Seelöwen zeigen Bauchplatscher und kleine Salti, wenn Mitarbeiter in der Nähe sind. Auch das fällt auf. Insgesamt gilt: Unsere Tierpflege ist unverändert intensiv, unsere Beschäftigungsprogramme mit den Tieren laufen weiter. Das Futter ist qualitativ top und auch der Tagesrhythmus der Tiere bleibt weitestgehend gleich. Es gibt also sehr viele Konstanten. Aber wie gesagt: Manche unserer Tiere merken schon, dass Besucher und die Aufmerksamkeit durch die Besucher fehlen."

5. Auch finanziell ist es für den Kölner Zoo zur Zeit sicher nicht leicht. Es fehlen z. B. Einnahmen durch Eintrittspreise, Merchandising usw. Viele Menschen machen sich Sorgen um den Zoo, der ein beliebter Ort in der Stadt und ein Stück Kölner Geschichte ist. Für viele Kölnerinnen und Kölner steht der Zoo für etwas Bleibendes, für Familientradition und ist eine feste Anlaufstelle. Wie sehen Sie im Augenblick die Zukunftsperspektive für den Zoo? Wie kann man den Kölner Zoo und seine Arbeit unterstützen und zur Sicherung seines Fortbestandes beitragen?

"Wir können die Liquidität des Zoos bis Ende Februar aus Rücklagen aus den sehr erfolgreichen vergangenen Jahren decken. Danach sichert uns der jährliche Betriebskostenzuschuss der Stadt Köln über 3,5 Mio. bis auf weiteres zunächst ab. Die Stadt zahlt uns den Betrag dieses Mal früher und gebündelt. Das hilft sehr. Ewig weitergehen kann dieser Zustand aber selbstverständlich nicht. Irgendwann müssen wieder dahin kommen, wo wir immer sehr erfolgreich waren: unseren Betrieb ganz überwiegend eigenständig durch selbst erwirtschaftete Gewinne aus Ticketverkäufen, Gastronomie und Event sowie Merchandising zu bestreiten. Wir hoffen, dass das schon bald wieder möglich sein wird. Wir erfahren im 2. wie schon im 1. Lockdown eine enorme Unterstützung durch die Bürgerinnen und Bürger. Sei es durch Spenden, durch die Übernahme von Patenschaften oder durch den Kauf von Ticketgutscheinen. Die Menschen vermissen ihren Zoo. Auf www.koelnerzoo.de sind gebündelt alle Infos, wie man auf diese Art für den Zoo tätig werden kann. Für uns alle am besten wäre natürlich, wenn wir bald wieder unser Kerngeschäft betreiben könnten: den Menschen in einem wieder geöffneten Zoo einen ebenso erholsamen wie spannend-lehrreichen Tag zu bieten!"

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Prof. Theo Pagel für seine interessanten und ausführlichen Antworten auf meine Fragen, und dass er sich Zeit dafür genommen hat.

"Nur was man kennt, schützt man auch, und so gesehen sind Wildtiere im Gehege die „Botschafter“ ihrer Artgenossen in der Wildnis, für die wir uns auch deshalb einsetzen, weil wir sie im Zoo kennengelernt haben."
(Antal Graf von Festetics-Tolna - österreichischer Zoologe, Verhaltensforscher, Wildbiologe, Naturschützer und Forstwissenschaftler)

In diesem Sinne verbleibe ich mit tier- und zoofreundlichen Grüßen

Anja Fiedler

Autor:

Anja Fiedler aus Pulheim

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