Wie kann der Erzieherberuf attraktiver gestaltet werden? Anregungen aus der Perspektive einer angehenden Erzieherin
Fehlende Kita-Plätze in Pulheim

Wir brauchen mehr Erzieher!
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Aufschluss über den Bedarf an Kita-Plätzen in Pulheim gibt die Kitabedarfsplanung, aus der ich folgende Informationen entnommen habe:

Unter Berücksichtigung demografischer Entwicklungen gibt es ein klares Ergebnis in Pulheim und seinen Orten zum Thema Kita-Plätze. Die vormals gute Versorgungslage in Pulheim für Kinder über 3 Jahren hat sich wegen der hohen Zuzüge innerhalb von einem Kita-Jahr in ein Platzdefizit verwandelt. In Brauweiler, Dansweiler, Sinthern und Geyen kann durch eine Überbelegung die Versorgung sichergestellt werden. Auch der kurzfristige Platzbedarf von Kindern unter 3 Jahren hat sich in allen Pulheimer Ortsteilen erheblich erhöht, außer Sinthern und Geyen. In absehbarer Zeit ist der Betreuungsbedarf wohl nicht ohne einen weiteren Ausbau der Tagespflege zu decken.

Es ist aufgrund der steigenden Geburtsanzahlen und Zuwanderungsdymnamik weiterhin mit erhöhtem Betreuungsbedarf für alle Altersgruppen in Pulheim zu rechnen.

Quelle:Kita-Bedarfsplanung der Stadt Pulheim

Momentan ist die Stadt Pulheim stetig dabei, entsprechend mehr Kitas zu bauen und zusätzliche Betreuungsplätze für alle Altersklassen durch den Ausbau weiterer Gruppen anzubieten. Das ist zwar ein guter und wichtiger Schritt, der dringend notwendig ist, aber, wenn man nicht genügend Personal zur Verfügung hat, bringt auch der Bau neuer Kitas sowie der Ausbau von Gruppen in anderen Kitas kein zufriedenstellendes Ergebnis. Räumlichkeiten und Fachpersonal bedingen sich gegenseitig. Kinder brauchen Räume, um sich kreativ entfalten zu können ebenso wie qualifiziertes Fachpersonal. Räume werden nun von der Stadt geplant und gebaut, aber wie kann zukünftig der Bedarf an pädagogischem Personal gedeckt werden?

Der erste Schritt um mehr qualifiziertes Personal zur Verfügung zu haben, ist den Beruf attraktiver zu gestalten, sodass mehr Anreize geboten werden diesen zu erlernen. Ich bin angehende Erzieherin und stelle fest, dass das Image des Erzieherberufs leider immer noch ziemlich schlecht ist. Man wird oft als „Basteltante“ angesehen, die den ganzen Tag nur Kaffee trinkt und mit den Kindern nebenbei spielt. Viele Menschen sehen nicht den Arbeitsaufwand, den man in diesem Beruf hat und erkennen nicht, welche vielfältigen Kompetenzen erworben werden müssen. Es findet einfach immer noch zu wenig Wertschätzung für den Erzieherberuf statt. Als Erzieher*in hat man einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, eine Aufsichtspflicht, muss die Entwicklungsfortschritte der Kinder dokumentieren und beobachten, führt Elterngespräche und soll die Kinder angemessen auf die Grundschule vorbereiten, individuell in ihren Fähigkeiten und Kompetenzen fordern und fördern und noch vieles mehr.

Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, dass viele Menschen die diesen Beruf einfach nennen und ganz locker diese Ausbildung beginnen dann oft diejenigen sind, die nach kurzer Zeit Praxis in einer Kita keine Lust mehr dazu haben. Denn sie stellen erst dann fest, wie aufwendig, lernintensiv und auch anstrengend der Beruf Erzieher*in ist.

Einen weiteren Punkt den ich mir als angehende Erzieherin oft anhören muss ist, dass man als Erzieherin fast gar nichts verdient und man vom Gehalt nicht leben kann. Dazu kann ich nur sagen, dass es immer darauf ankommt, wo man arbeitet bzw. bei welchen Träger man angestellt ist. Ich habe schon mit mehreren Erzieherinnen und Erziehern gesprochen, die von ihrem Gehalt gut leben können und ihren Beruf dazu mit Herz und Seele ausführen. Ich sage Ihnen ehrlich, dass es sicherlich keine Erzieherin/kein Erzieher ablehnen würde etwas mehr Gehalt für seine manchmal nicht genug wertgeschätzte Arbeit zu bekommen. Jedoch, dass man vom Lohnentgelt nicht leben kann und total unterbezahlt ist, kann ich so nicht bestätigen.

In meinen Augen würde man einen großen Beitrag dazu leisten den Beruf attraktiver zu gestalten, wenn es bereits vom ersten Ausbildungsjahr an grundsätzlich eine Vergütung geben würde, wie es in vielen anderen Ausbildungsberufen üblich ist. Die Ausbildung zur Erzieherin ist sehr umfangreich und umfasst sehr viel sozialpädagogische Theorie in vielen verschiedenen Lernfeldern. Wir werden in der Erzieherausbildung nicht als Azubis oder Schüler*in gesehen und angesprochen, sondern als Studierende, die eine Ausbildung machen, die auf Bachelor-Niveau ist. In fast allen Fächern werden pro Quartal Klausuren, Hausarbeiten oder Tests geschrieben sowie zusätzlich PowerPoint Präsentationen/Vorträge als Leistungsnachweis erwartet und bewertet. In den Praktikumszeiten ist man dann mit dem Planen und Schreiben seiner Angebote beschäftigt und muss beim regelmäßigen Lehrerbesuch sein praktisches Können im Umgang mit den Kindern oder Jugendlichen präsentieren. Eine Vergütung würde meiner Meinung nach mehr Leute motivieren Erzieher*in zu werden. Erst im letzten Ausbildungsjahr, dem Anerkennungsjahr, erhält man eine Bezahlung. Denn man schließt für dieses Jahr einen festen Arbeitsvertrag mit einem Träger einer Einrichtung. Ich weiß, dass es z. B. mit der praxisintegrierten Erzieherausbildung die Möglichkeit gibt von Anfang an eine Vergütung zu erhalten, jedoch fände ich eine Bezahlung von Beginn an auch für die „normale“ Erzieherausbildung gerechtfertigt. Denn die Lerninhalte und Ansprüche und das Berufsziel sind letztendlich gleich. Alle Absolventen sind mit erfolgreichem Abschluss Erzieher*in und sollten daher auch von Anfang an ihrem Ausbildungsstand entsprechend angemessen bezahlt werden. Oft liegt ein langer Ausbildungsweg hinter ihnen, denn so kann man z. B. auch über die zweijährige Ausbildung zur/zum Kinderpfleger*in oder zur/zum Sozialassistent*in, die dreijährige Erzieherausbildung anschließen. Somit ist man dann nach fünf Jahren fertig und offiziell staatlich anerkannte*r Erzieher*in. Das sind dann sogar noch zwei Jahre mehr ohne Entgelt.

Zudem sind Fortbildungsmöglichkeiten und/oder Weiterbildungen in der Berufslaufbahn auf jeden Fall sinnvoll. Sie ermöglichen durch Zusatzqualifikationen nicht nur bessere Bezahlungen für die qualifizierten Fachkräfte, sondern bieten den Kindern auch mehr Förderung in speziellen Bereichen wie z.B. Sprache, Bewegung o. ä.

Ein Appell von mir geht aber auch generell an alle pädagogischen Einrichtungen. Bitte sprechen Sie jungen Leuten keine Kompetenzen im Beruf ab, sondern respektieren Sie diese. Sicherlich war früher die Erzieherausbildung anders, aber die Zeiten ändern sich und für die Kinder sollten alle an einem Strang ziehen. Berufserfahrene und Berufsunerfahrene profitieren voneinander. Erfahrung trifft auf neuen Input und neue Ideen. Die Mischung und der gegenseitige Respekt machen es und tragen sicherlich zu einem konstruktiven Berufsalltag und gutem Betriebsklima bei.

Die vorgenannten Punkte sind aus meiner Sicht wesentlich, um in Zukunft mehr Menschen für den Beruf der Erzieherin/des Erziehers zu begeistern. Die schon einmal aufgekommene Überlegung ein Berufskolleg in Pulheim zu bauen, um mehr Leute für diesen Beruf gewinnen zu können, ist sicher eine Möglichkeit, löst aber allein nicht das Problem den Beruf attraktiver zu gestalten und somit mehr qualifizierte Fachkräfte dazuzugewinnen. Personalmangel und häufige Personalwechsel gehen immer zu Lasten der Kinder. Diese bauen Bindungen zum pädagogischen Personal auf, die enorm wichtig für ihre Entwicklung sind. Häufige Wechsel des Personals oder zu wenig individuelle und qualitative Betreuung können dazu führen, dass Kinder Vertrauen verlieren. Doch gerade dieses Vertrauen ist eine wichtige Basis für ihre Entwicklung und ihr zukünftiges Leben.

Zum Schluss möchte ich noch Folgendes sagen: Heutzutage wollen so viele Abitur machen und studieren. Das ist in Ordnung. Doch bitte vergessen Sie die vielen Ausbildungsberufe nicht, die wichtig sind, die Gesellschaft am Laufen halten und gute Arbeit für uns alle leisten. Ein Anwalt kann vielleicht kein Friseur sein, ein Arzt kann vielleicht kein Bäcker sein und ein Geschäftsführer kann vielleicht kein Altenpfleger sein, vielleicht kann er es aber doch. Jedoch kann jede*r in seinem gewählten Beruf glücklich sein und diesen gerne ausüben. Das ist das Wichtigste. Ebenso sollte jede*r, die/der eine Vollzeittätigkeit ausübt, auch davon leben können. Ich wünsche mir persönlich einfach mehr Wertschätzung für jeden Beruf, natürlich auch für meinen angehenden Beruf als Erzieherin! Für meinen Teil kann ich wirklich sagen: Mein Beruf ist für mich eine Herzensangelegenheit!

Herzliche Grüße

Sandra Fiedler

Autor:

Sandra Fiedler aus Pulheim

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