Interview-Serie mit den Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten in Pulheim
Interview mit Birgit Liste-Partsch

Die BVP-Bürgermeisterkandidatin Birgit Liste-Partsch im Interview
  • Die BVP-Bürgermeisterkandidatin Birgit Liste-Partsch im Interview
  • Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Birgit Liste-Partsch
  • hochgeladen von Sandra Fiedler

Heute möchte ich meine Interview-Serie mit den Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten in Pulheim fortführen. Ich habe Marion Reiter (SPD), Birgit Liste-Partsch (BVP), Martin Wortmann (FDP), Frank Keppeler (CDU) und Wolf Keßler (Bündnis 90/Die Grünen) fünf Fragen gestellt, die mich als Jugendliche persönlich sehr beschäftigen. Ich hoffe mit meiner Interview-Serie einen kleinen Überblick über die Kandidierenden zu schaffen. Gerade Menschen in meinem Alter haben viele Fragen und wollen wissen, wofür die Kandidierenden stehen und was für politische Konzepte sie vertreten.

Heute geht die Interview-Serie weiter mit Birgit Liste-Partsch (BVP):

Birgit Liste-Partsch ist 55 Jahre alt. Sie ist verheiratet und lebt seit über 20 Jahren mit ihrer Familie in Pulheim-Sinthern. Als langjähriges Pulheimer Ratsmitglied konnte sie viele kommunalpolitische Erfahrungen sammeln. Durch ihre Arbeit als Fraktionsvorsitzende des Bürgervereins Pulheim (BVP) sind ihr die wichtigen sachpolitischen Themen bekannt. Der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern steht dabei für sie immer im Mittelpunkt. Für diesen möchte sie sich auch als Bürgermeisterin einsetzen und einen neuen Politikstil mit mehr Miteinander einführen. In ihrer Freizeit genießt Birgit Liste-Partsch ihren Garten, trifft sich mit Freunden und liest gerne ein spannendes Buch. Unter der E-Mailadresse b.liste-partsch@bv-pulheim.de können Sie Birgit Liste-Partsch HERZlich gerne kontaktieren.

1. Wie möchten Sie Pulheim und seine Ortsteile attraktiver für junge Menschen gestalten (Aufenthaltsorte, Freizeitangebote, Geschäfte, usw.)?

„Ich stehe für ein Pulheim, das für alle Generationen etwas zu bieten hat. Mir ist es wichtig, dass wir die Zukunft unserer Stadt miteinander gestalten. Wenn ich im Gespräch mit jungen Menschen bin, fällt mir auf, dass die Kriterien und Wünsche, die Pulheim attraktiv machen, durchaus unterschiedlich sind, und das ist auch gut so! Die Wünsche gehen von besseren Bahnverbindungen, mehr Grünflächen, Bäumen und Parks über Freizeitmöglichkeiten, ansprechende Geschäfte mit junger Mode, besser ausgestattete Schulen, mehr und vor allen Dingen sicherere Radwege bis hin zu bezahlbarem Wohnraum für die erste eigene Wohnung.
Da ist eine ganze Menge drin, was sich mit unserem Wahlprogramm deckt und ich gerne umsetzen möchte. Auf jeden Fall ist es mir wichtig, nicht einfach Dinge zu beschließen, sondern miteinander zu schauen, was möglich ist. Deshalb will ich mich dafür einsetzen, dass junge Menschen in Pulheim mehr Möglichkeiten der Mitbestimmung erhalten. Ob in einem Jugendparlament, Jugendbeirat oder auf andere Art und Weise, das möchte ich mit Euch/Ihnen gemeinsam planen. Mir tut es leid, dass durch Corona bisher ein größeres Treffen nicht möglich war. Ich hoffe, dass dies noch gelingen wird.“

2. Im Hinblick auf den Klimaschutz spielt der ÖPNV als Alternative für Autos eine wichtige Rolle. Wie wollen Sie diesen ausbauen bzw. verbessern, und welche realistischen Ziele verfolgen Sie dabei?

„Mobilität ist ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und bedeutet Freiheit und Teilhabe. Meine Vision ist, einen emissionsfreien, attraktiven und günstigen ÖPNV zu realisieren, um so die Menschen für den Umstieg zu gewinnen. Dass der ÖPNV in Pulheim noch ziemlich viel Luft nach oben hat, steht außer Frage. Bisher konnten wir für unsere Anträge auf einen Stadtbus und auch auf einen Nachtbus, der gerade am Wochenende junge Menschen sicher nach Hause bringt, keine Mehrheit gewinnen. Hierfür werde ich mich klar weiter einsetzen. Auch der Ausbau des Anruf-Sammel-Taxis muss vorangetrieben werden. Schon oft haben wir eine direkte Anbindung nach Weiden West gefordert und eine generelle Verbesserung und Vernetzung der Bus- und Zugverbindungen, gerade in den Stoßzeiten. Aber ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass wir bei Bus und Bahn nicht allein das Sagen haben, federführend ist hier der Rhein-Erft-Kreis und die Deutsche Bahn.“

3. Zuletzt ging durch die Medien, dass die Stadt Köln erwägt, in Stommelerbusch (auf ihr gehörenden Ackerflächen) eine große Windkraftanlage zu errichten. Was ist Ihre Position dazu, und welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei einer möglichen Verwirklichung?

„Ohne einen deutlichen Windkraftausbau wird die Energiewende nicht gelingen. Diese muss aber verträglich und gesetzmäßig erfolgen. Wenn man will, dass Windkraft angenommen wird, dann muss man die Bürger und Kommunen einbinden, sie Teil des Projekts werden lassen und an der regionalen Wertschöpfung beteiligen! Nur so kann Akzeptanz gelingen.

In diesem konkreten Fall ist in Sachen Kommunikation und Transparenz zwischen den Kommunen alles schiefgelaufen, was nur schieflaufen kann.
Die Planungshoheit für dieses Gelände liegt − obwohl es sich im Besitz der Stadt Köln befindet − bei der Stadt Pulheim. Somit hätte sich die Stadt Köln im Vorfeld ihrer Planungen zwingend mit der Stadt Pulheim austauschen müssen, was nach Auskunft der Stadt nicht geschehen ist. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass bei diesem Projekt die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände zur Wohnbebauung (mind. 1500 m) deutlich unterschritten würden. Das ist in meinen Augen nicht vertretbar und wird wahrscheinlich zu Unmut bei den Betroffenen führen. Davon, wie schwer es ist, gegen einmal festgeschriebene Planungen vorzugehen, können die Bürger in Geyen ein Lied singen, die sich gegen Ultranet in ihrer unmittelbaren Wohnnähe zu wehren versuchen.
So lautet mein Fazit: Ausbau von Windenergie ja, aber selbstverständlich in allgemeinverträglichem Rahmen. Man muss immer den Einzelfall genau betrachten, analysieren und die betroffenen Menschen in den politischen Diskurs miteinbeziehen. Ob es sinnvoll ist, in Stommelerbusch so eine große Windkraftanlage zu bauen, muss im Hinblick auf viele Aspekte genau geprüft werden.“

4. Wie ist Ihre Vision für die weitere Stadtentwicklung in Pulheim und seinen Orten (Wirtschaft, Infrastruktur, Bebauung, usw.)?

„Wie wollen wir leben? Und wie werden wir künftig zusammenleben? Das sind sicher die Fragen, die uns alle interessieren und die gerade Sie als junge Menschen besonders bewegen. Als BVP haben wir bereits mehrfach ein Stadtentwicklungskonzept für Pulheim und seine Ortsteile gefordert, an dem sich alle Bürgerinnen und Bürger sowie die Gewerbetreibenden beteiligen können. Wesentliche Grundlagen, die im zu erarbeitenden Stadtentwicklungskonzept beinhaltet sein sollen, sind die Themen Infrastruktur, Verkehr, Umwelt, Klima, Bildung, Demografie, Integration, Inklusion, Wohnen, Freizeit und Lebensqualität. Mir ist wichtig, dass die Pulheimer Bürgerinnen und Bürger in die Planungen einbezogen werden, und zwar rechtzeitig und ehrlich. Nur so kann Zukunft gelingen! Pulheim braucht Orte mit Lebens- und Aufenthaltsqualität.

Hier zwei Beispiele:

Für das Pulheimer Zentrum schwebt mir persönlich gemäß dem BVP-Slogan „vom Walzwerk bis zum Schwefelberg“ eine Kultur-, Geschäfts- und Bar-/Gastronomiemeile mit hoher Aufenthaltsqualität und schönen Plätzen zum Verweilen vor, die für alle Altersgruppen in Pulheim etwas zu bieten hat.
Für den Brauweiler Ortskern sind in den letzten Jahren leider schon viel zu viele irreparable Fakten geschaffen worden. Hier ist es mir wichtig, nun gemeinsam mit den Brauweilerinnen und Brauweilern zu überlegen, wie wir aus einem Verkehrsanziehungspunkt („Super-Rewe“) und gleich nebenan dem verkehrsberuhigten Guidelplatz einen lebenswerten Ortskern gestalten können.
Weiterhin benötigen wir bezahlbaren Wohnraum für alle und platzsparende Architektur, damit wir unsere wertvollen Ressourcen schonen können. Das Aufgeben von Landschaftsschutzgebieten zugunsten von Wohnbebauung, wie es in den vergangenen Jahren unter Schwarz-Grün passiert ist, werde ich nicht mittragen. Landschaftsschutzgebiete bedeuten für uns die Chance, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt in ihren Lebensräumen zu erhalten. Auch eine Innenraumverdichtung um jeden Preis wird es mit mir nicht geben, denn so verspielen wir die grünen Lungen unserer Stadt.

Die Stadt Pulheim braucht dringend ein zukunftsweisendes Wirtschaftskonzept. In den vergangenen Jahren hat es die Stadt nur durch den nahezu exzessiven Verkauf von Baugrundstücken (gerade in Landschaftsschutzgebieten) geschafft, einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Da Bauland aber auch in Pulheim eine endliche Ressource ist, wird die Haushaltsplanung für die kommenden Jahre immer schwieriger. Wir brauchen intelligente und zukunftsweisende Gewerbesteuersätze, die uns von den Nachbarkommunen abgrenzen, und wir müssen eine entsprechende Infrastruktur schaffen, um mehr innovative Unternehmen nach Pulheim zu bekommen. Und Infrastruktur darf hierbei nicht nur aus verkehrstechnischer Sicht betrachtet werden: Hierzu gehört ebenfalls die digitale Infrastruktur, Kinderbetreuungsangebote, Schul- und Aus- bzw. Weiterbildungsangebote und dergleichen mehr.

Angesichts des Klimawandels wird immer deutlicher, wie wichtig es ist, in Pulheim eine Vernetzung von Grünzügen und Wasserachsen zu schaffen, um so auch im Sommer für die nötige Kühlung zu sorgen. Ganz klar gehören für mich mehr Bäume in unsere Stadt! Diese sind leider in den vergangenen Jahren viel zu oft Baumaßnahmen zum Opfer gefallen. Ein Wald für Pulheim? Wie wäre das? Als BVP haben wir beantragt, dass die Stadt prüft, an welchen Stellen eine Erstaufforstung von kleinen Waldflächen oder Baumgruppen möglich ist und wo Straßenbäume gepflanzt werden können. Auch ist zu überlegen, ob wir Teile des Nordparks aufforsten können, um so mehr für unser Klima zu tun. Meine Meinung ist, dass wir gerade als Kommune mit relativ wenig Waldflächen unsere Verantwortung im Hinblick auf den Klimaschutz ernst nehmen müssen und handeln sollten! Jeder Baum bedeutet zusätzliche Lebensqualität und hilft der Umwelt, dem Klima und schlussendlich unserer Stadt.“

5. Warum sollte ich als junger Mensch genau Sie zur Bürgermeisterin/zum Bürgermeister wählen?

„Seit 2004 bin ich politisch in Pulheim tätig und kenne die Potenziale, aber auch die Schwächen dieser Stadt. Mir wird immer mehr klar, dass die Möglichkeiten, die Pulheim hat, zu oft verschenkt werden. Deshalb ist es Zeit für einen echten Politikwechsel in unserer Stadt. Ich bin mir sicher, dass das mit einer unabhängigen Kandidatin machbar ist! Ich habe die letzten Jahre genutzt, um zusammen mit dem BVP starke Oppositionsarbeit zu gestalten und auch aus der Opposition heraus viele Dinge bewegen können. Schlussendlich glaube ich, dass es egal ist, von welcher Fraktion ein guter Vorschlag kommt. Wichtig ist, dass er umgesetzt wird. Im politischen Leben in Pulheim ist dies zurzeit leider nicht möglich. Zu oft werden Ideen pauschal abgelehnt, einfach weil sie von der „falschen“ Fraktion kommen. Nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen demokratischen Fraktionen können die besten Lösungen für Pulheim gefunden werden.
Als unabhängige Kandidatin, die weder an Parteibuch gebunden noch Lobbyismus unterworfen ist, kann ich dieser Stadt neue Perspektiven bieten. Kommunalpolitik lebt von der Vielfalt und den Ideen der Menschen dieser Stadt. Ich stehe für Bürgernähe, Bürgerbeteiligung, Ehrlichkeit, Transparenz und Überparteilichkeit.

Mit mir wird ein neuer Politikstil mit mehr Miteinander ins Rathaus einziehen, der Ihnen und Pulheim guttut.“

Ich möchte mich herzlich bei Birgit Liste-Partsch für das Interview und die Zeit, die sie sich für die Fragen genommen hat, bedanken.

Herzliche Grüße

Sandra Fiedler

Autor:

Sandra Fiedler aus Pulheim

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