Interview-Serie mit den Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten in Pulheim
Interview mit Marion Reiter

Die SPD-Bürgermeisterkandidatin Marion Reiter im Interview
  • Die SPD-Bürgermeisterkandidatin Marion Reiter im Interview
  • Foto: Manfred Jasmund - Mit freundlicher Genehmigung von Marion Reiter
  • hochgeladen von Sandra Fiedler

Heute möchte ich meine Interview-Serie mit den Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten in Pulheim fortführen. Ich habe Marion Reiter (SPD), Birgit Liste-Partsch (BVP), Martin Wortmann (FDP), Frank Keppeler (CDU) und Wolf Keßler (Bündnis 90/Die Grünen) fünf Fragen gestellt, die mich als Jugendliche persönlich sehr beschäftigen. Ich hoffe mit meiner Interview-Serie einen kleinen Überblick über die Kandidierenden zu schaffen. Gerade Menschen in meinem Alter haben viele Fragen und wollen wissen, wofür die Kandidierenden stehen und was für politische Konzepte sie vertreten.

Meine Interview-Serie geht heute weiter mit Marion Reiter von der SPD:

Marion Reiter ist 45 Jahre alt und in Stommeln aufgewachsen. 1993 hat sie ihr Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim gemacht. Mittlerweile wohnt sie in Pulheim und hat drei Kinder (zwei Söhne 17 und 15 Jahre, eine Tochter 10 Jahre), die am Geschwister-Scholl-Gymnaisum Pulheim, der Marion-Dönhoff-Realschule Pulheim und bis zu den Sommerferien an der Barbara-Grundschule verteilt sind. Marion Reiter ist Diplom-Ingenieurin (FH) und Bauingenieurin bei Straßen NRW, und dort an vielen Straßen-, Brückenbau-Großprojekten zum Ausbau der Autobahn rund um Köln beteiligt. Sie ist nicht nur mit dem Auto unterwegs, sondern fährt zur Arbeit mit dem Tretroller und dem Zug. Innerhalb Pulheims ist sie oft mit dem Fahrrad unterwegs und dort, wo es wenig Parkplätze gibt mit dem Motorrad. In ihrer Freizeit beschäftigt sich Marion Reiter gerne mit Computern und allem was innovativ und digital ist, betätigt sich gerne kreativ (Malen, Sketchnotes) und kümmert sich um ihren Garten. Sie ist ein geselliger Mensch, der sich gerne mit anderen auf eine Tasse Kaffee oder Tee trifft.

1. Wie möchten Sie Pulheim und seine Ortsteile attraktiver für junge Menschen gestalten (Aufenthaltsorte, Freizeitangebote, Geschäfte, usw.)?

„Oh, da habe ich eine Menge Ideen! Ich werde dafür sorgen, dass sich jede*r dort mit anderen Menschen treffen kann, wo er/sie sich wohlfühlt – Ältere, Jüngere, Familien genauso wie Jugendliche. Dafür werde ich in allen Ortsteilen mehr Freizeitmöglichkeiten und Treffpunkte zum Sport und, wie es meine Kinder ausdrücken würden, zum Chillen schaffen. Ich möchte den Pulheimer See zu einem Naherholungsgebiet entwickeln, in dem wir gefahrlos und entspannt baden können. Ich plane mehr Flächen auf denen jede*r spontan „einfach so“ Fußball, Basketball, usw. spielen kann. Hierzu gehören auch Outdoor-Fitnessparcours und gepflegte Sportanlagen. Ich möchte mit Häusern der Begegnung Treffpunkte für alle schaffen, um unser Pulheim gemeinsam und bürgernah zu gestalten.
Pulheim und seine Kultur ist, um es vorsichtig auszudrücken, ein Stiefkind sämtlicher Planungen der vergangenen Jahre. Wir brauchen die Kultur und ich werde sie fördern. Es gilt finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Unter anderem mit einem jährlich stattfindenden Kulturfest.
Tja, und dann komme ich noch zu unseren Cafés, Bistros, Kneipen und Biergärten. Ich möchte unsere Wirte unterstützen und bestärken, in unseren Sommermonaten das Outdoor-Angebot zu bereichern. Und wissen Sie, ich finde einen Ein-Euro-Shop in der Innenstadt gar nicht schlimm, aber die traditionellen Geschäfte, mit ihrem ansprechenden Sortiment, brauchen unsere Hilfe. Von uns Kunden und von uns Politikerinnen und Politikern.“

2. Im Hinblick auf den Klimaschutz spielt der ÖPNV als Alternative für Autos eine wichtige Rolle. Wie wollen Sie diesen ausbauen bzw. verbessern und welche realistischen Ziele verfolgen Sie dabei?

„Zunächst einmal: Auf Initiative der SPD sind in den vergangenen Jahren schon einige Verbesserungen erfolgt. Aber um das klar zu sagen – Meine SPD und ich wollen deutlich mehr! In Gesprächen mit den Pulheimerinnen und Pulheimern wird doch klar, dass viele auf Ihr Auto verzichten würden, wenn das Angebot des ÖPNV eine adäquate Lösung parat hätte. Ich werde eine Verkehrsplanung vorantreiben, die Bus & Bahn genauso berücksichtigt wie Straßen, Fuß- und Radwege. Um ein paar Beispiele zu nennen, die mir wichtig sind:

Ich möchte Radwege, die barrierefrei und breit zu befahren sind - nicht nur innerorts, sondern auch zwischen unseren Stadtteilen und als „Radschnellwege“ nach Köln & Frechen. Diese dürfen natürlich nicht an unserer Stadtgrenze enden – die Planung muss gemeinsam mit den Nachbarstädten und auch Radler*innen erfolgen. Und ich möchte unsere Radwege beleuchtet wissen.

Wir planen ein umweltschonendes Pulheimer Stadtbusnetz als zusätzliches Angebot zu den bisherigen Buslinien der REVG. Auch das steht sehr weit oben auf unserer Agenda. Mit dem Bus vom Wohngebiet zu den Bahnhöfen und in die Ortszentren. Alles wäre doch längst möglich. Es hatte im Bürgermeisterbüro nur keine Priorität. Und dann noch die Verlängerung der Stadtbahnlinie 4 von Bocklemünd über das Schulzentrum Brauweiler nach Niederaußem – ein Projekt, das Dierk Timm für uns mit Nachdruck vorantreibt.

Übrigens: Die Zukunft der Mobilität liegt in der Digitalisierung und der Vernetzung vor Ort – und genau dafür wollen wir die Weichen setzen, schnell und unbürokratisch. Wir werden die Bahnhöfe Pulheim und Stommeln zu „Mobilstationen“ ausbauen. Das gilt auch für einige zentrale Bushaltestellen im Stadtgebiet. An diesen Mobilstationen gibt es ausreichend Parkplätze und sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Leihfahrräder und natürlich Car-Sharing-Stationen.“

3. Zuletzt ging durch die Medien, dass die Stadt Köln erwägt in Stommelerbusch (auf ihr gehörenden Ackerflächen) eine große Windkraftanlage zu errichten. Was ist Ihre Position dazu und welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei einer möglichen Verwirklichung?

„Was mich ärgert, ist, dass die Stadt Köln in Gutsherrenmanier auftritt. Von einem Bürgermeister darf ich dann allerdings schon erwarten, dass er meinungsstark und selbstbewusst agiert, dafür braucht es aber erst mal eine Meinung und den Dialog mit den Pulheimerinnen und Pulheimern. Beides habe ich vermisst.

Wir müssen uns also nicht wundern, wenn derartige Planungen und Vorhaben keine Akzeptanz in der Bevölkerung finden. Erwähnt sei hier auch noch einmal die geplante Ultranet-Leitung, ziemlich nah an Geyen vorbei. Ich sehe es als meine Aufgabe als Bürgermeisterin und als Aufgabe und auch Kompetenz der Stadtverwaltung, dass sich Pulheim bei solchen Projekten zukünftig stärker positioniert, frühzeitig alle Betroffenen beteiligt und Lösungen findet, mit denen möglichst alle zufrieden sind.

Wir haben in Pulheim so viele Möglichkeiten, die allerdings noch ungenutzt oder auch schlicht ignoriert werden, und das ist schade. Für unsere Zukunft und die unserer Kinder muss doch das Ziel sein, insgesamt weniger Strom zu benötigen – und diesen mit immer mehr Solar-, Wasser- und Windkraft zu erzeugen. Dazu können wir aber nicht einfach überall große, bis zu 200 m hohe Windräder in die Landschaft setzen. Gesetze und Vorgaben zur Planung wurden ja gemacht, um Menschen, die in der Nähe wohnen, vor ständigen Geräuschen und Schatten zu schützen.

Ich möchte unsere Stadtwerke Pulheim stärken. Und zusätzlich zu Windrädern zwischen Stommeln und Rommerskirchen auch auf viele dezentrale Solarmodule und kleine Helix-Windräder setzen, mit denen wir unseren eigenen Strom erzeugen. Was wir jetzt investieren, sparen wir schon bald vielfach ein. Damit wird Pulheim zukünftig unabhängiger und unsere Stadtwerke können eigenen Strom, den unsere Stadt nicht benötigt, verkaufen. Bislang agiert man dort leider nur als Strom-Vermittler. Es gibt übrigens noch viele Flächen (Fassaden und Dächer von Schulen, Turnhallen, Feuerwehr, Bauhof, usw.), die nur darauf warten, dass wir sie zur Energie-Erzeugung nutzen – packen wir’s an!“

4. Wie ist Ihre Vision für die weitere Stadtentwicklung in Pulheim und seinen Orten (Wirtschaft, Infrastruktur, Bebauung, usw.)?

„Ich setze auf eine Stadtentwicklung im Dialog und in Zusammenarbeit mit den Menschen, die hier wohnen, ihre Heimat kennen und sich beteiligen möchten. Und das wollen die meisten.

Niemandem ist es egal, was in seinem Ort geplant, oder auch verplant wird. Jeder Stadtteil, jeder Platz hat seinen eigenen Charakter und den gilt es zu pflegen. Aber: die Pulheimerinnen und Pulheimer werden zum Glück immer älter und unsere jungen Familien auch größer. Zwei Entwicklungen, die es zu berücksichtigen gilt.

Bei Neubaugebieten muss ZUERST die Infrastruktur geschaffen werden, durch zusätzliche KiTas und Schulplätze sowie vernünftige Anbindungen.
Nach dem jahrzehntelangen Sanierungsstau werde ich im konstruktiven Dialog mit den Pulheimer Schulen, Eltern, Lehrer*innen und Schüler*innen dafür sorgen, dass unsere Pulheimer Schulen endlich fit für die Zukunft werden! Modernisiert und ausgebaut - mit zeitgemäßer Ausstattung, insbesondere im digitalen Bereich.

Hier hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten gezeigt, wie folgenschwer es ist, die Schulen zu vernachlässigen. Übrigens: Das Geld dafür ist da – wurde aber bisher nicht sinnvoll eingesetzt. Eigentlich eine Schande!

Eine Sanierung und Modernisierung des Schulzentrums Pulheim scheint technisch schwierig und wirtschaftlich riskant. Deshalb strebe ich einen zentralen Neubau für das Pulheimer Gymnasium und die Realschule an. Auch das Schulzentrum Brauweiler, die Grundschulen und die KiTas müssen entsprechend der Nachfrage zügig erweitert werden, denn jede Familie möchte doch einen KiTa-Platz in dem Ortsteil, in dem sie wohnt. Das gilt ebenso für jedes Grundschulkind.

Insgesamt soll sich Pulheim in den nächsten Jahren zu einer gut vernetzten „Smart City“ entwickeln – dazu gehört z.B. ein schnelles Glasfaserinternet in allen Stadtteilen und ein freies Bürger-WLAN an allen zentralen Plätzen und Mobilstationen. Ich wünsche mir sehr, dass sich die Pulheimer*innen künftig ermuntert fühlen, an der Planung und bei Entscheidungen zu Projekten mitzuwirken – auch digital.

Wir planen ein modernes Parkleitsystem, um schnell einen freien Parkplatz zu finden, begleitet von einer individuellen Beleuchtung, genau da wo Sie gerade unterwegs sind – für mehr Sicherheit. Das, und vieles mehr, traue ich Pulheim zu. Ich möchte uns für die Zukunft aufstellen und die hat längst begonnen.

Mein Ziel ist es, Pulheim gezielt attraktiver für junge Unternehmen, Selbstständige und Freelancer zu machen, indem ich gemeinsam mit Pulheimer Unternehmen ein Stadtmarketingkonzept entwickle. Es braucht eine verbesserte Wirtschaftsförderung, die bei Neuansiedlungen und Neugründungen unterstützt sowie die Vernetzung und den Austausch untereinander fördert. Hierfür planen wir Angebote für gar nicht mehr so neue Arbeitsformen wie Co-working Spaces und Digital-Hubs, das sind flexible, technisch gut ausgestattete Arbeitsplätze, Büros und Besprechungsräume, in denen Menschen aus unterschiedlichen Berufen und Firmen arbeiten und dadurch voneinander profitieren.“

5. Warum sollte ich als junger Mensch genau Sie zur Bürgermeisterin wählen?

„Weil ich Ihre Bedürfnisse und Anliegen ernst nehme, so wie ich das auch als Mutter und Ausbilderin mache. Was ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist, dass sich Ihre Generation nicht nur für Politik und Umwelt interessiert, sondern, anders als wir es früher getan haben, auch die Stimme erhebt. Ich möchte, dass Sie unbequem bleiben, wenn Politik bequem wird. Da haben Sie mich immer auf Ihrer Seite. Und ich kann Sie nur herzlich einladen, mitzumachen.

Für die jungen Menschen, die gerade ins Berufsleben starten werde ich versuchen, ein Berufskolleg des Rhein-Erft-Kreises nach Pulheim zu holen. Auch die Stadtverwaltung kann mit gutem Beispiel vorangehen und mehr ausbilden. Ich denke auch an Duale Studienmöglichkeiten. Und ich möchte unsere lokalen Unternehmerinnen und Unternehmer ermuntern, mit mir eine Ausbildungs- und Berufseinstiegs-Initiative zu starten. Es gibt so vieles zu tun, von der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft, um bezahlbaren Wohnraum, gerade für junge Erwachsene zu schaffen, über ein Studentenwohnheim, bis zu dem von mir hoch geschätzten Mehrgenerationenwohnen. Die Ideen sind da und meist steht auch Geld zur Verfügung - es gilt jetzt zu handeln, nicht irgendwann. Wäre schön, wenn Sie mich unterstützen.“

Ich möchte mich herzlich bei Marion Reiter für das Interview und die Zeit, die sie sich für die Fragen genommen hat, bedanken.

Herzliche Grüße

Sandra Fiedler

Autor:

Sandra Fiedler aus Pulheim

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