Interview-Serie mit den Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten in Pulheim
Interview mit Martin Wortmann

Der FDP-Bürgermeisterkandidat Martin Wortmann im Interview
  • Der FDP-Bürgermeisterkandidat Martin Wortmann im Interview
  • Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Martin Wortmann
  • hochgeladen von Sandra Fiedler

Heute möchte ich meine Interview-Serie mit den Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten in Pulheim beenden. Ich habe Marion Reiter (SPD), Birgit Liste-Partsch (BVP), Martin Wortmann (FDP), Frank Keppeler (CDU) und Wolf Keßler (Bündnis 90/Die Grünen) fünf Fragen gestellt, die mich als Jugendliche persönlich sehr beschäftigen. Ich hoffe mit meiner Interview-Serie einen kleinen Überblick über die Kandidierenden zu schaffen. Gerade Menschen in meinem Alter haben viele Fragen und wollen wissen, wofür die Kandidierenden stehen und was für politische Konzepte sie vertreten.

Als wichtige Info möchte ich nochmal vorab sagen, dass Martin Wortmanns Kandidatur mir zu Beginn meiner Interview-Reihe (Interview mit Frank Keppeler) nicht bekannt war, da seine Kandidatur erst am Donnerstag, 18.06.2020, erfolgte und mein erstes Interview bereits am 20.06.2020 veröffentlicht wurde, als alle anderen Kandidierenden bereits geantwortet hatten. Da ich aber natürlich auch wissen wollte, wofür Martin Wortmann steht und was für politische Ziele er für Pulheim verfolgt, habe ich ihm nachträglich 1 Woche Zeit gegeben (bevor das zweite Interview mit Marion Reiter online gestellt wurde), um ein Statement zu meinen Fragen abzugeben. Zudem wurden alle anderen Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten über das nachträgliche Interview mit Martin Wortmann informiert und hatten keine Einwände, dass ich ihn trotzdem noch in die Interview-Serie miteinbeziehe. Nun möchte ich aber einen endgültigen Schnitt setzen und meine Interview-Reihe beenden.

Meine Interview-Serie geht also nun zu Ende mit Martin Wortmann von der FDP:

Prof. Dr. Martin Wortmann wurde am 31. März 1954 in Arnsberg geboren. Nach verschiedenen Stationen, Studium in Konstanz, Göttingen und Verwaltungshochschule Speyer, sowie in Florenz am Europäischen Hochschulinstitut zog er mit seiner Familie 1999 nach Pulheim. Martin Wortmann hat über 20 Jahre Industrie- und Beratungserfahrung. Er arbeitete bei der GfK Marktforschung in Nürnberg, war lange Jahre in der Industrie als Geschäftsführer und Vorstand im Maschinenbau, in der Kunststoff- und Umformtechnik unterwegs, KMU Berater einer Tochtergesellschaft des NRW Wirtschaftsministeriums und Geschäftsführer eines Technologiezenturms des Landes NRW. Seit 2009 ist er Hochschullehrer und Professor für Betriebswirtschaftslehre und baute den Hochschulstandort FHM Tec in Pulheim auf. Seit 2015 ist er Präsident der Rheinischen Fachhochschule Köln. 2011 wurde er Mitglied der FDP Fraktion im Rat der Stadt Pulheim und 2012 ihr Fraktionsvorsitzender. Martin Wortmann ist verheiratet und hat drei Kinder. Er liebt Musik und spielt in einer Jazzband sowie einer Blues, Rock- und Jazzformation die Gitarre.

1. Wie möchten Sie Pulheim und seine Ortsteile attraktiver für junge Menschen gestalten (Aufenthaltsorte, Freizeitangebote, Geschäfte, usw.)?

„Ich setze das fort, was die FDP vor vielen Jahren durch Eigeninitiative und Unterstützung der Vereine begonnen hat: Beispiel Pulheimer Surf und Segelclub für Jugendliche und Erwachsene. Diese Erfolgsgeschichte wurde durch das FDP Fraktionsmitglied Horst Engel gestartet. Ich will genau diese Art des nachhaltigen Engagements und werde sie konsequent unterstützen. Heute fehlt die Begleitung und direkte betreuende Unterstützung durch die öffentliche Hand. Unsere Vereine fühlen sich alleingelassen. Ich werde hierfür Strukturen schaffen, die es den Vereinen ermöglicht, ihre Aufgaben für unsere Jugend zu erfüllen. Es ist am Ende nicht nur das Geld, das zum Erfolg führt; es ist die Wertschätzung des Ehrenamtes. Und bei Wertschätzung kommt auch die FHM Tec ins Spiel. Sie machte Pulheim zum Hochschulstandort und damit attraktiv für junge Menschen. Pulheim hat diese Einrichtung an Frechen verloren. Im Rahmen des Strukturwandels werde ich mich für Pulheim als Ort der Wissenschaft einsetzen.“

2. Im Hinblick auf den Klimaschutz spielt der ÖPNV als Alternative für Autos eine wichtige Rolle. Wie wollen Sie diesen ausbauen bzw. verbessern und welche realistischen Ziele verfolgen Sie dabei?

„Die Ansprüche an urbane Mobilität sind in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Mobilität ist zentral für die individuelle Lebensgestaltung und damit auch für die Lebensqualität des Einzelnen. Mobilität hat entsprechend viele Facetten: ÖPNV, Radverkehr, Fußgänger und motorisierter Individualverkehr. Doch hinter diesen Kategorien verbergen sich Menschen, deren spezifischen Bedürfnissen eine kommunale Infrastruktur und Verkehrspolitik Rechnung tragen muss: junge, sportliche Erwachsene, berufstätige Pendler, Kinder, mobilitätseingeschränkte Menschen, Senioren fordern ihren gleichberechtigten Platz im verkehrspolitischen Mix. Eine weitsichtige und nachhaltig angelegte Verkehrspolitik hat ein gleichberechtigtes Nebeneinander all dieser unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer zum Ziel. Folgende Themen sind für mich zentral:

• Fußgängerzonen in den Innenstadtbereichen flexibel anlegen.
• Trennung des Fuß- und Fahrradnetzes vom motorisierten Individualverkehr (MIV), um Gefährdungen und Gesundheitsbelastungen zu reduzieren. Parkverkehr auf Fuß- und Radwegen verhindern
• Regelmäßige Kontrolle der Radwege auf Wurzelschäden und nachhaltige Sanierung.
• Ausweisung von Ladezonen für den Paketlieferservice, die das „wilde Parken“ reduzieren.
• Verlagerung des Paketlieferservices an gut anfahrbare Paketstationen, die an das Rad- und Fußwegenetz anzubinden sind. Die notwendige Firmenbelieferung darf nicht behindert werden.
• Verkehrsoptimierungen des MIV durch intelligent untereinander vernetzte Steuerung der Lichtsignalanlagen, ein Parkleitsystem, „grüner Pfeil“ an allen Rechtsabbiegerampeln, Ausbau kostenloser Parkplätze (mit Parkscheibe). Ausbau Ostumgehung Pulheim, Ausbau L93N von Stommeln nach Niederaußem, 2. Bahnquerung hinter dem Walzwerk mit Anbindung an B59, Anbindung der K6 an die B59 – Segmüller - (Halbanbindung - von und nach Köln) mit Abbindung des Anschlusses an der Bonnstraße an die B59 (Halbabbindung - von Köln und nach Köln), Verlegung der K6 von dem Anschluss in Widdersdorf zu dem Anschluss an die Chryslerstraße im Gewerbegebiet Brauweiler.
• Bedarfsgerechter Ausbau des SPNV durch S-Bahn Linie S6 im 20-Minuten-Takt mit einer zusätzlichen Haltestelle und Mobilstation am Segmüller.
• Verlängerung der Linie 4 von Köln-Bocklemünd nach Niederaußem, sofern diese Linie für die Stadt Pulheim wirtschaftlich darstellbar ist.
• Attraktivitätssteigerung des ÖPNV durch schnelle Verbindungen zwischen den kreisangehörigen Städten.
• Aufbau eines Stadtbusverkehrs mit integriertem Schülerverkehr, der auch den Zubringerverkehr zu den Mobilstationen und die Anbindung der Gewerbegebiete sicherstellt.
• Errichtung von sicheren und komfortablen Mobilstationen an SPNV- und ÖPNV-Schwerpunkten. Ausbau entsprechend dem jeweiligen Bedarf (Parkhaus, Fahrradboxen, Stellplätze, Lademöglichkeiten, Wartehalle, Wetterschutz, Fahrrad-/Rollerverleih, Car-Sharing). Optimale Anbindung an das Fußwege-, Radwege- und Straßennetz.“

3. Zuletzt ging durch die Medien, dass die Stadt Köln erwägt im Stommelerbusch (auf ihr gehörenden Ackerflächen) eine große Windkraftanlage zu errichten. Was ist Ihre Position dazu und welche Vor- Nachteile sehen Sie bei einer möglichen Verwirklichung?

„Das Vorgehen der Stadt Köln zeugt von einem nicht guten nachbarschaftlichen Verhältnis. Persönlich sehe ich dieses Projekt zweischneidig. Windkraftanalgen belasten den Menschen und auch die Tierwelt, wenn sie nicht umweltverträglich gebaut und aufgestellt werden. Sie leisten aber einen Beitrag zur umweltverträglichen Energieversorgung. Ich tendiere aus dieser Abwägung heraus, erst einmal dazu, dieses Projekt nicht zu unterstützen.“

4. Was ist Ihre Vision für die weitere Stadtentwicklung in Pulheim und seinen Orten (Wirtschaft, Infrastruktur, Bebauung, usw.)?

„Ich will den Neubau des Pulheimer Schulzentrums. Seit Jahren gelingt es der Stadt nicht, die Bildungsinfrastruktur der Stadt zu sanieren. Die Stadtverwaltung ist personell schon für kleine Projekte nicht ausreichend aufgestellt; viele Projekte werden zeitlich nach hinten geschoben. Und dazu kommt, die für die Sanierung des Schulzentrums Pulheim bereitgestellten Mittel reichen nicht für eine grundständige Sanierung aus. Am Ende betreiben wir Flickschusterei. Nur ein Neubau ermöglicht die Schaffung einer modernen schüleradäquaten und den Anforderungen der Digitalisierung genügenden Ausstattung.

Ich will eine personell und finanziell aufgewertete Wirtschaftsförderung. Sie soll eine zentrale Aufgabe der Stadtspitze sein, um den Wirtschaftsstandort Pulheim weiter zu entwickeln. Als Bürgermeister werde ich dafür sorgen, dass Wirtschaftsförderung ganzheitlich betrachtet wird. Die Attraktivität einer Stadt begrenzt sich nicht auf Bauflächen, sie beinhaltet Kultur, Bildung und Infrastruktur wie z.B. den digitalen Zugang für die Pulheimer Bürger.

Stabile Grundstückspreise, schnelle Baugenehmigungsverfahren, keine unnötigen Baupreiserhöhungen durch überhöhte Energiestandards und keine zusätzlichen steuerlichen Belastungen bei innerstädtischen Verdichtungen, das sind meine wesentlichen Ziele für eine familienfreundliche Baupolitik.

Im innerstädtischen Bereich will ich das Stadtklima, besonders an den städtischen Plätzen, durch gepflegtes Grün, Wasserspeier und Brunnen mit größeren Wasserflächen verbessern.
Im Außenbereich wollen wir Aufforstungen im Bereich schlechterer Böden (Bereiche Orrer Wald zur Laache und Sinnersdorf), die Weiterführung des Nordparks nach Osten, das Anlegen von Schutz- und Blühstreifen an den städtischen Ronnen und die Renaturierungen am Pulheimer Bach mit weiteren außerschulischen Lernorten und einer neuen Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die B59, fortführen bzw. in Angriff nehmen. Der Hochwasserschutz muss weiter ausgebaut werden, um Überflutungen im Bereich Sinthern, Geyen und dem Zentralort zu vermeiden. Damit würden auch die Zusatzkosten durch Ablösebeträge für Bauvorhaben in den gefährdeten Bereichen entfallen.

Die Auskiesung im Pulheimer See ist beendet. Ich setze mich deshalb für eine zügige Umsetzung des Nutzungskonzeptes – einer stillen Erholung - für die Bevölkerung ein.“

5. Warum sollte ich als junger Mensch genau Sie zur Bürgermeisterin/zum Bürgermeister wählen?

„Pulheim ist meine Stadt. Sie weiter zu entwickeln und für die nächste Generation zukunftsfähig zu machen, das ist mein Ziel. Dafür setze ich mich mit meiner Lebens- und Berufserfahrung ein.“

Ich möchte mich herzlich bei Martin Wortmann für das Interview und die Zeit, die er sich für die Fragen genommen hat, bedanken.

Zudem möchte ich an der Stelle noch sagen, dass es mir viel Freude bereitet hat, die Ansichten aller Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterkandidaten näher kennenzulernen und ein Bild von ihren politischen Vorhaben in Pulheim zu bekommen. Ich hatte viel Spaß an der Interview-Serie und freue mich, wie gut diese bei Ihnen als Leserinnen und Leser angekommen ist, und dass Sie diese aktiv verfolgt haben und mir viele nette Rückmeldungen gegeben haben. Vielen lieben Dank dafür!

Herzliche Grüße

Sandra Fiedler

Autor:

Sandra Fiedler aus Pulheim

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