Auch auf Pulheimer Feldern zu sehen: Grüne Kreuze
Stiller Protest der Landwirte mit grünen Kreuzen

Das grüne Kreuz, ein stiller Protest
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  • hochgeladen von Anja Fiedler

Neulich entdeckte ich im Vorbeifahren ein grünes Kreuz auf einem Feld in Pulheim. Auch in anderen Regionen hat sie der ein oder andere sicherlich schon gesehen. Doch warum stehen solche grünen Kreuze auf den Feldern?
Initiiert von einem Bauern aus Nordrhein-Westfalen ist diese Aktion ein stiller Protest gegen das Agrarpaket des Bundeslandwirtschaft- und Umweltministeriums, das Anfang September auf den Weg gebracht wurde. Die Idee der grünen Kreuze verbreitete sich innerhalb kurzer Zeit deutschlandweit. Doch ist der Agrarpakt der einzige Grund für diese Protestaktion oder steckt vielleicht noch mehr dahinter?

Dieser Frage bin ich nachgegangen und kam so u. a. auch mit einem Pulheimer Bauern ins Gespräch. In dessen Verlauf wurde mir deutlich: Die grünen Kreuze stehen für viel mehr. Die Landwirte sind besorgt, viele bangen um ihre Existenz. Neben steigenden Auflagen und immer mehr Bürokratie fühlen sich viele Bauern an den Pranger gestellt. So empfindet es auch mein Gesprächspartner. Das Bild des Landwirts werde in der Öffentlichkeit oft negativ dargestellt und es gebe viele Schuldzuweisungen. Aus dem Blickfeld geraten dabei, nach Meinung des Bauern aus Pulheim, die großen Unternehmen, die großflächig Klima und Umwelt schaden. Die Landwirte haben aus seiner Sicht zu wenig Lobby. Entscheider in der Politik sind seiner Meinung nach zu weit weg von der Praxis und vertreten oft Vorstellungen, die in der Realität kaum oder nicht umsetzbar sind. Es wird aus Sicht der Bauern eine teils sehr unfaire globale Handelspolitik betrieben, die der heimischen Landwirtschaft schadet.

Der Pulheimer Landwirt erklärt mir, wie aufwendig die landwirtschaftliche Produktion ist. Ihm fehlt die gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit der Bauern. Schließlich versorge diese die Bevölkerung mit Lebensmitteln, pflege die Kulturlandschaft und produziere regional, was wichtig für den Klimaschutz sei. Fleisch, Obst und Gemüse aus anderen Ländern zu importieren, sei doch sehr klimaschädlich. Daher müsste doch gerade der regionale Anbau von Politik und Gesellschaft unterstützt werden. Doch viele Verbraucher seien nicht bereit, mehr Geld für regionale Produkte auszugeben. Sie möchten Premium-Ware zu Dumpingpreisen. Auch Gemüse oder Obst, das kleine Schönheitsfehler habe, aber trotzdem von guter Qualität sei, z. B. Kartoffeln mit vielen sogenannten „Augen“, wollten viele nicht kaufen. Dem Pulheimer Bauern ist auch aufgefallen, dass viele Verbraucher nicht mehr saisonbedingt einkaufen. Erdbeeren, Himbeeren, usw. wollen viele Menschen z. B. auch im Winter essen. Diese Waren und oftmals auch Bioerzeugnisse würden dann aufwendig aus dem Ausland importiert, was eben nicht klima- und umweltfreundlich sei. Die heimische Landwirtschaft hingegen arbeite an die Jahreszeiten angepasst und füge sich so dem Kreislauf der Natur. Wichtig ist dem Pulheimer Bauern auch das Wohl seiner Tiere. So hält er seine Hühner z. B. möglichst draußen, erst ab dem Herbst müssen sie in den Stall. Fischmehl füttert mein Gesprächspartner nicht, was man auch am Geschmack der Eier eindeutig merken würde, erklärt er mir. Eines wird mir im Gespräch mit dem Pulheimer Bauern deutlich, er liebt seine Arbeit und möchte seinen Hof weiterführen und erhalten. Doch schwingt auch bei ihm Existenzangst mit. Er berichtet von Kollegen, die ihre Höfe aufgeben mussten. Daher sind die grünen Kreuze für ihn auch ein Mahnmal für das anhaltende Höfesterben in Deutschland.

Weitere Informationen, die ich bei meinen Recherchen erhielt, zeigen: Die Ackerböden, die von Landwirten aufgegeben und sich selbst überlassen werden, werden relativ rasch von Büschen und Bäumen bewachsen; diese Böden sind für den Ackerbau verloren. Ebenso verschwinden viele Ackerflächen heutzutage durch Bebauung und der damit verbundenen Versiegelung.

Wünschenswert und zielführend wäre aus Sicht der Bauern, dass sie mit Politik und Gesellschaft in einen konstruktiven Dialog kommen, um ihre Kompetenzen, Probleme und Sorgen darstellen zu können. Sie wünschen sich einen Austausch und einen Diskurs der verschiedenen Positionen, um einen gangbaren Weg für alle zu finden. Insofern stehen die grünen Kreuze auch als Symbol für ein faires Miteinander.

Dieses Miteinander beginnt vor der eigenen Haustür im Gespräch mit dem heimischen Landwirt.

In diesem Sinne verbleibe ich mit regionalfreundlichen Grüßen

Anja Fiedler

Das grüne Kreuz, ein stiller Protest
Ein einfaches grünes Holzkreuz mit großer Symbolwirkung
Autor:

Anja Fiedler aus Pulheim

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