Geschichten von damals - Eine Pulheimer Hochzeitsgeschichte
Warum man früher in Pulheim schon mit 5 Jahren heiraten konnte!

Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß!
  • Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß!
  • hochgeladen von Anja Fiedler

In Pulheim war auch früher schon vieles möglich. So wurde es mir bereits mit 5 Jahren ermöglicht zu heiraten.Es war eine „Hochzeit ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß...“ im Sinnersdorfer Kindergarten „Rappelkiste“. Nicht wirklich amtlich oder kirchlich, dafür aber höchst feierlich im Rahmen eines "Wir spielen Hochzeit"-Tages.

Schon Tage vor der Hochzeit war ich sehr aufgeregt und meine Mutter mit dem Nähen meines Brautkleides beschäftigt. Wunderschönen weißen Gardinenstoff hatte sie dazu ausgesucht. Auch die Frisur mitsamt Schleier musste wohlüberlegt sein, damit ich meinem Bräutigam gefiel. Denn ich heiratete schließlich nicht irgendeinen Jungen aus meiner Kindergartengruppe, sondern hatte mir meinen Kindergärtner als Bräutigam ausgewählt.
Diesem hatte ich ganz förmlich und mit pochendem Herzen einen Heiratsantrag gemacht. Offensichtlich erstaunt, aber wie ich fand glücklich lächelnd, hatte er diesen angenommen.Ich platzte förmlich vor Stolz, dass er ausgerechnet mich heiraten wollte.

Was erntete ich für neidische Blicke von den anderen Mädchen, die dem Namen unserer „Roten Gruppe“ im Kindergarten damit alle Ehre machten. Sie waren sprichwörtlich und wirklich rot vor Ärger und Enttäuschung. Unser einziger männlicher Erzieher war nämlich beim weiblichen Geschlecht sehr beliebt. Männliche Pädagogen waren damals wie heute eher die Ausnahme, aber man sieht auch hier hatte Pulheim eine Vorreiterrolle, eine Männerquote im Kindergarten.

Dann war der Tag der Hochzeit gekommen. Mit schlotternden Knien und etwas blass um die Nase ging ich zusammen mit meiner Mutter zum Kindergarten. Sie geleitete mich in das dort extra eingerichtete Brautzimmer. Zitternd vor Aufregung stand ich in meinem Brautkleid da, bestaunte mich im Spiegel und richtete ein letztes Mal meinen Schleier. Dann kam mein Bräutigam im festlichen beigefarbenen Anzug, nahm mich bei der Hand und die Hochzeitszeremonie begann.
Feierliche Musik, ein paar Tränchen meiner Mutter und tiefe Seufzer der Gäste gaben ihr einen feierlichen Rahmen. Zu guter Letzt steckte mir mein Auserwählter einen Ring an den Finger. Es war ein kleiner goldener Gardinenring und dieser blinkte und strahlte mit mir um die Wette. Was für ein schöner Tag!
Leider musste ich gezwungenermaßen meinen neu angetrauten Gatten am Ende des Kindergartentages schon wieder verlassen. So gesehen eine kurze, aber glückliche Ehe.

Den Kindergarten „Rappelkiste“ gibt es heute immer noch. Ob dort jedoch noch Trauungen stattfinden, vermag ich nicht zu sagen.
Jahre später habe ich übrigens nochmal in Pulheim geheiratet, kirchlich und standesamtlich. Dieser Bund für das Leben währt immer noch.

In diesem Sinne verbleibe ich mit feierlichen Grüßen

Anja Fiedler

Autor:

Anja Fiedler aus Pulheim

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