Karneval nachhaltig feiern - geht das?
Jeck mit weniger Dreck!

Kamelle und Äpfel - ein Gegensatz, der sich nicht ausschließt!
  • Kamelle und Äpfel - ein Gegensatz, der sich nicht ausschließt!
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Karneval steht für gute Laune, Spaß, jecke Tage und ist eine wichtige und wunderbare Tradition. Da wird generationenübergreifend geschunkelt, gesungen, gelacht, usw. Eine weniger schöne Begleiterscheinung der tollen Tage ist dagegen der Müll, welcher produziert wird und die oftmals fehlende Nachhaltigkeit. Auch das Festkomitee Kölner Karneval steht vor der Herausforderung mehr Klima- und Umweltaspekte in seine Planungen miteinzubeziehen.

Doch schließen sich die Tradition Karneval und Nachhaltigkeit nicht aus?

Nicht unbedingt. Denn gerade im Karneval wird gern „der Finger in die Wunde gelegt“ und humoristisch auf Missstände aufmerksam gemacht. In den Leitsätzen des Festkomitees Kölner Karneval steht z. B. unter anderem: „Der Kölner Karneval fördert aktiv Brauchtum und Kultur, zugleich soll der Kölner Karneval zukunftsorientiert und innovativ sein.“ Das bedeutet in der Praxis, dass Verantwortung bei aktuellen Themen übernommen werden soll und das greift dann auch für das Thema Nachhaltigkeit.

Allein beim großen Rosenmontagszug in Köln werden rund 300 Tonnen „Kamelle“ in die Menge geworfen. Und längst nicht alle werden begeistert aufgesammelt. Viele bleiben einfach liegen, werden zertrampelt und landen schließlich im Müll. So gesehen wurde dieses „unerwünschte Wurfmaterial“ quasi als Abfall für die Tonne produziert und symbolisiert ein Stück weit die Wegwerfkultur unserer Gesellschaft. Nachhaltig produzierte und fair gehandelte Süßigkeiten machen nur einen Bruchteil des Wurfmaterials bei den Umzügen aus. Hier anzusetzen, aber dabei die Leichtigkeit des Karnevals zu erhalten sowie mit Maß und Menschenverstand vernünftige Ideen/Lösungen zu entwickeln, ist eine große Herausforderung.

Grundsätzlich gibt es natürlich immer einen Zwiespalt zwischen dem, was man gerne hätte, und dem, was leistbar ist. Unzählige feiernde Menschen produzieren natürlich Müll. Diesen komplett zu vermeiden, funktioniert nicht. Ebenso bedeutet eine steigende Anzahl von Zugteilnehmern auch, dass mehr Kamelle geworfen werden. Wurfmaterial verursacht Kosten, soll über den gesamten Zug ausreichen und die vielen ehrenamtlichen Karnevalisten benötigen Zeit dazu alternative Ideen zu entwickeln. Aber einen Anfang für mehr Nachhaltigkeit und weniger Müll können jeder einzelne Jeck, jeder Karnevalsverein und jedes verantwortliche Komitee machen.

So tut es der jecken Stimmung sicherlich keinen Abbruch, wenn man seinen Müll nicht einfach auf die Straße wirft, sondern in Müllbehältern entsorgt. Kamelle zu selektieren, weil nicht jedem alles schmeckt, ist sicherlich auch in Ordnung. Dafür muss man sie aber nicht liegen lassen oder zertrampeln. Immerhin handelt es sich um Lebensmittel, die man durchaus wertschätzen sollte. Ich kann mich sogar erinnern, dass früher in meinem Heimatort von Marktleuten Gemüse und Obst an die Besucher des Karnevalszuges verteilt wurde. Regional und gesund, vielleicht auch eine Möglichkeit. Zudem bieten Fairtrade-Produkte eine Alternative oder zumindest Ergänzung zum herkömmlichen Wurfmaterial. Diese können z. B. über das Projekt „Jecke Fairsuchung“ erworben werden. Dort gibt es mit fairen Kamelle eine neue Marke von Karnevalssüßigkeiten. Diese sind allesamt fair gehandelt und umweltschonend verpackt, zudem stammt ein Großteil aus biologischem Anbau. Prominente Unterstützer dieser Aktion sind u. a. die beiden Schauspieler Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär - bekannt als die Kölner Tatortkommissare Schenk und Ballauf. Hier sind natürlich auch Kommunen gefragt, die fair gehandeltes Wurfmaterial sponsern können und dadurch die städtischen Karnevalsvereine und die Nachhaltigkeit unterstützen. Mit dieser Geste werden zudem jung und alt, klein und groß über die Kontinente hinweg mit Freude verbunden. Wenn das nicht genau ein Sinn und Zweck des Karnevals ist.

Auch das Festkomitee Kölner Karneval hat sich mit dem Thema Klima-/Umweltschutz und Nachhaltigkeit befasst. Man möchte die Abgase der genutzten Fahrzeuge im Rosenmontagszug minimieren und hat begonnen die Dieseltraktoren mit Rußpartikelfiltern nachzurüsten. Nach und nach sollen alle Traktoren im Zoch umgerüstet werden. Die Bagagewagen werden weiter elektrifiziert. Zudem soll der Plastikmüll im und am Zug reduziert werden. Auf dem Zugleiterwagen werden die Strüssjer dieses Jahr erstmals nicht in Folie verpackt. Am Rand des Zuges wurde das Einwegplastik abgeschafft. Die Bewirtungsstände verwenden ausschließlich recyclebare Verpackungen. An zahlreichen Getränkeständen werden kompostierbare Becher verwendet. Wenn man dann noch bedenkt, dass durch den Rosenmontagszug in Köln für einen Tag der ganze Verkehr in der gesamten Innenstadt auf jecke Art gestoppt wird, ist doch schon einiges erreicht.

Mit Spaß an der Freud erreicht man oftmals mehr, als mit Bevormundung und Verboten!

In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Karnevalszeit sowie nachhaltigen Spaß und verbleibe mit einem jecken ALAAF!

Anja Fiedler

Autor:

Anja Fiedler aus Pulheim

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