Anregende Podiumsdiskussion über Städtepartnerschaften und Europa
Europa: Persönliche Begegnungen sind durch nichts zu ersetzen

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Welche Rolle spielen Städtepartnerschaften für die europäische Verständigung? – Unter dem Motto „Europa näher bringen durch Städtepartnerschaften“ veranstaltete die Partnerschaftsgesellschaft Weilerswist zusammen mit der Gesamtschule einen vielseitigen Gedankenaustausch mit einem hochkarätig besetzten Podium. Unter der Gesprächsleitung durch den Journalisten Günter Hochgürtel trafen sich in der gut besuchten Aula der Gesamtschule die Europaabgeordneten Sabine Verheyen (CDU) und Arndt Kohn (SPD) sowie der Europa-Betriebsratsvorsitzende Thomas Rösner von der Firma Hanon Systems, der Referent Killian Lynch vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und die Vorsitzende der Partnerschaftsgesellschaft Christa Kayser.
Vierzig Jahre Partnerschaft mit Carqueiranne (Frankreich)
Letztere verwies in ihrer Einleitung auf die langjährigen Partnerschaften mit Whitnash in England und dem französische Carqueiranne, mit dem in diesem Sommer sogar vierzigjähriges Jubiläum gefeiert wird.
Sabine Verheyen stellte zu Beginn fest, dass die Städtepartnerschaften mit ihren persönlichen Begegnungen vor allem die emotionale Ebene ansprechen, die in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Europa viel zu kurz kommt. Arndt Kohn ergänzte, dass der jüngeren Bevölkerung heute kaum bewusst sei, wie steinig der jahrzehntelange Weg zu einem Europa gewesen ist – ohne Grenzkontrollen, freier Arbeitsplatz- und Wohnsitzwahl und Reisen ohne Geldumtausch. Ein Anlass für ihn, auch dieses Jahr mit Familie und Wohnwagen in Frankreich Urlaub zu machen.
Zehn verschiedene Sprachen in einer Firma
Thomas Rösner vom Autozulieferer Hanon verwies auf die große Bedeutung des Fremdsprachentrainings beim gegenseitigen Besuch in partnerschaftlichen Gastfamilien. In seiner Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender in einem international tätigen Unternehmen mit zehn verschiedenen Sprachen werde jede zusätzliche Sprachkenntnis die Kommunikation enorm erleichtern. Ein Schüler berichtete dazu, dass es bei seinem Schüleraustausch in Polen kaum Sprachprobleme gab, weil beide Seiten sich auf Englisch verständigen konnten. Insgesamt wurde von allen Podiumsgästen die Bedeutung der Städtepartnerschaften für das Kennenlernen und Vertiefen der Partnersprache hervorgehoben. Es sei kaum zu überschätzen, wie wichtig das Beherrschen einer weiteren Sprache für die persönliche Entwicklung ist – auf Reisen oder im Beruf.
Über die Sprache hinaus fördere aber der Aufenthalt in Partnerfamilien auch insgesamt die Entwicklung interkultureller Kompetenzen, erklärte Killian Lynch. Christa Kayser ergänzte an Beispielen erläuternd, wie es den heimatlichen Horizont erweitere, wenn der Deutsche sich mit der englischen Art zu frühstücken auseinandersetzen müsse, oder der Franzose mit der deutschen Gewohnheit, schon um 18 Uhr zu Abend zu essen.
EU tut sich schwer mit der Förderung von Städtepartnerschaften
Bei aller Übereinstimmung in der Bedeutung von Städtepartnerschaften verstehe er nicht, fragte ein Zuhörer, warum es so schwierig sei, von der EU Fördergelder dafür zu erhalten. Damit hatte er offensichtlich einen wunden Punkt getroffen, denn sowohl Arndt Kohn als auch Sabine Verheyen bestätigten, dass Vereinfachungen dringend erforderlich seien, sich aber trotz der Bemühungen der EU-Abgeordneten daran noch nicht viel geändert habe. Killian Lynch wies darauf hin, dass es auch Fördermöglichkeiten durch das Deutsch-Französische Jugendwerk gebe, die im Vergleich wesentlich einfacher zu beantragen seien.
Leider reichte die Zeit nicht für eine weitere Beteiligung von Zuschauern an der Diskussion. Am Ende war es vor allem der Betriebsratsvorsitzende Thomas Rösner, der in einem flammenden Appell die Bedeutung der bevorstehenden Europawahlen hervorhob und unter kräftigem Beifall mit den Worten „Ich fühle mich als Europäer!“ alle Anwesenden aufforderte, für eine hohe Wahlbeteiligung zu sorgen.

Autor:

Bernd Folkmann aus Weilerswist

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