Der Wahlkampf in Wesseling ist in seiner heißen Phase. Ob Kandidat Jupp auch gut vorbereitet ist?
Saach hür ens, Jupp,

Das alte Wesselinger Rathaus, emotionaler Mittelpunkt der Stadt.
  • Das alte Wesselinger Rathaus, emotionaler Mittelpunkt der Stadt.
  • hochgeladen von Dieter Weidenbrück

wie läuf et dann esu mit dinger Bürjermeisterkandidatur? Voll im Stress? Dat schad dir nix, du wulls et jo nit jläuve. Wat wells do dann hück von mir? Wichtige Ankündijung? Ävver nur, wenn do mir sähst, wat ich schrieve soll. Un övverhaup, ohne Kölsch und Mettbrütche läuf he jar nix. Do links hinstellen bitte. Also dann, fange mer an.

Liebe Wesselinger und Lingerinnen,
ich, Jupp, alt jenoch, wäre der Beste für das Amt des Bürjermeisters. Damit hat niemand geechnet und die anderen Kandidaten sind schon ganz besorgt. Mein Wahlprogramm ist einzigartig, sowas gibt es in Wesseling normal gar nicht.

Joot, Jupp, dann läch ens loss! Modernisierung? Wat wells do dann in Wesseling modernisiere?

1. Wesseling muss moderner werden!
Ich finde, Wesseling hinkt hinter der technischen Entwicklung hinterher. Gut, wir haben schon Ampeln, und die meisten Straßen sind nachts beleuchtet, aber modern ist anders. Deshalb habe ich mich in Deutschland umgeschaut und weiß nun, wie man es macht:
Was in Wesseling noch fehlt, sind eRoller, das ist ganz klar. Erst wenn an jeder Ecke ein paar eRoller herumliegen, ist eine Stadt am Puls der Zeit. Unten am Rhein gehören auch welche hin. Über eRoller regen sich die Leute auf, das kommt in die Zeitung, und schon wird Wesseling als Weltstadt berühmt!

Daran hätt ich nit jedaach, Jupp. Also ich fahre nit domet. Wat hammer jetz, de Sportvereine?

2. Als Bürjermeister würde ich mich besser um die Sportanlagen kümmern!
Es ist ja schön, dass wir nun Kunstrasen in den Stadien in Wesseling verlegt haben. Aber es ist unglaublich, dass seit dem Verlegen der Kunstrasens weder gedüngt noch gemäht worden ist. Das ändert sich nach der Wahl: ab jetzt wird auch der Kunstrasen gemäht!

Jupp, da freuen sich die Fußballer bestemmp. Un für die Bröck övver de Rhing häste och en Idee?

3. Rheinspange – aber anders!
Alle reden sich die Köpfe über Brücken und Tunnel heiß. Brücke soll nicht gehen wegen den Fröschen, Tunnel geht aber auch nicht.

Rischtisch, Jupp, ene Tunnel künnte mer der Shell nit andun. Dä wöd jo medden durch et Materiallager vun denne jonn. Weed dä bei Urfeld jebaut, dann jeit et durch et Kerosinlager, un bei Jodorf durch dä Diesel. Un wer weiß dann övverhaupt, wat die unger däm Rothuus lijje han!

Meine Devise ist: trocken durch den Rhein!
Ich habe da vor Kurzem einen Spezialisten kennengelernt, der kann das so einrichten, dass jeder trockenen Fußes durch das Rheinbett kommt. Der Rhein wird geteilt, und schon klappt die Sache klimafreundlich, CO2-neutral und feinstaubarm!

Ävver Jupp, wie well dä dat dann maache?

Der hat so ein Projekt schon einmal gehabt, in Ägypten. Ist zwar schon etwas her, aber er schwört, dass er das hinbekommt. Das kann sonst keiner! Und für die Schiffe stellen wir Ampeln auf. Der Mann heißt übrigens Moses.

Da hüürt sich joot aan, Jupp. Häste och en Idee für dä Tunnel unger der Bahn?

4. Neue Ideen für die Innenstadt!
Ich lobe das Engagement der Geschäftsleute an der Flach-Fengler-Straße. Über Monate hinweg haben sie mit Eimerchen und Förmchen eine Menge Sand für die Kinder aufgeschüttet. Bravo!
Aber das ist noch nicht alles. Die Stadt hat schon angefangen, einen Teil des Tunnels zuzuschütten. Den Rest könnten sie gleich mit erledigen. Dann kommen da zwei Schranken hin, und die Bahnen bleiben wie in Köln an den Ampeln stehen.
Und dann graben wir einen Kanal für die Kinder vom Flach-Fengler-Sandkasten bis zum Rhein. Da können sie Bötchen fahren, angeln, die Erwachsenen nassspritzen und noch vieles mehr. Das ist schließlich die nächste Wählergeneration, für die muss man sorgen!

Wat passiert dann mit däm Neubau an der Rieländer Stroß?

5. Neues Konzept für das Rieländer-Areal
Alle Parteien haben an der jetzigen Planung etwas auszusetzen. Den einen gibt es zu viel Verkehr und zu wenig Parkraum, den anderen zu viele Läden als Konkurrenz für bereits bestehende Unternehmen. Wieder andere beklagen sich, dass die letzte Grünfläche in Wesseling versiegelt wird. Das kann so nicht weitergehen, deshalb habe ich einen Vorschlag, der all diese Kritik berücksichtigt.
Wir reißen das alte Parkhaus und die Wiese ab. Es sind sich ja alle einig, dass da was passieren muss. Damit keine Konkurrenz entsteht, lassen wir die Läden einfach weg. Damit es keine Parkprobleme gibt, bauen wir ein Parkhaus da hin. Und damit die umweltbewussten Bürger auch zufrieden sind, kommt dann vor das Parkhaus eine Wiese. Dann werden alle zufrieden sein!

Genial, Jupp, die perfekte rheinische Lösung! Ävver wat kütt dann jetz?

Liebe Wählerschaft, wie Ihr seht, stecke ich voller Ideen. Aber leider gibt es unüberwindbare Probleme für meine Kandidatur! Erst gestern habe ich erfahren, dass die beiden anderen Kandidaten alle Kugelschreiber für ihre Kampagnen aufgekauft haben! Das geht doch nicht in einer Demokratie, da müssen die Kugelschreiber gerecht verteilt sein!
Ohne Kugelschreiber kann ich keinen Wahlkampf machen, wie sieht das denn aus. Daher ziehe ich trotz unerreichter Ideen für Wesseling mit großem Bedauern meine Kandidatur zurück und überlasse das Feld denen, die mehr Kugelschreiber haben als wie ich.

Mein Jott, Jupp, wat för e Drama! Dat ess ävver schad. Wat mähste dann jetz?

Ich wünsche den Kandidaten viel Erfolg. Vielleicht können sie die eine oder andere Idee von mir übernehmen? Hauptsache, es geht voran in Wesseling.
Da die Politik für mich jetzt vorbei ist, habe ich mich schon nach etwas Neuem umgeschaut. Ich werde jetzt Teilzeit-Virologe. Da bin ich öfter im Fernsehen als ein Bürgermeister. Und damit das mit Corona mal aufhört, installiere ich als Erstes einen Virenscanner in Wesseling. Der hat auf meinem alten Computer auch Wunder gewirkt.
Hochachtungsvoll,
Euer Jupp

Jo Jupp, dat wör et dann wohl. Schad, ming Stimm hättste jehatt. Hier, Köbes, tuste uns mal zwei Kölsch, ne. Op dä Schreck. Un op Wesseling! Tschö, ne.

Diesen Artikel gibt es hier auch als pdf. Weitere Geschichten mit Jupp gibt es in meinem Profil.
Wenn der Text ein wenig zum Schmunzeln anregt, würde ich mich freuen. Es gibt derzeit genug Dinge, über die man nicht Schmunzeln kann.

Autor:

Dieter Weidenbrück aus Wesseling

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