Jahreswechsel 2020
Gute Vorsätze und ein wenig Nachsitzen

Das Jahr neigt sich zu Ende, es kommt wieder die Zeit der guten Vorsätze. Grundsätzlich ist das Formulieren von Zielen eine gute Möglichkeit sich selbst zu steuern, es ist aber zweifelhaft, ob der Jahreswechsel hierzu der beste Augenblick ist. Viele Vorsätze scheinen sich genauso schnell aufzulösen, wie der Schall des Silvesterfeuerwerkes verpufft.

ein Silvestervorsatz ist der Wunsch nach einer besseren Realität

Der Münchener Sozialpsychologe Dieter Frey erläuterte 2016 in der Süddeutschen Zeitung, dass es kaum Menschen gibt, die noch nie zu Silvester Vorsätze gefasst haben. "Die einen haben feste Pläne, andere halten es lockerer - aber 30 bis 40 Prozent nehmen sich jedes Jahr vor, etwas zu ändern." Als Ursache sieht es das Bedürfnis nach Veränderung, denn der Mensch hat Ideale und spürt irgendwann schmerzlich, dass die Realität anders aussieht. Im Neujahrswunsch äußert sich also nicht nur der Wille zur persönlichen Veränderung, sondern auch immer eine Wunschvorstellung des Lebens. So verwundern auch die  Neujahrsvorsätze der Deutschen nicht, die fünf beliebtesten waren laut einer für die DAK erstellten forsa Umfrage im vergangenen Jahr: 

  1. Stress vermeiden oder abbauen (62%)
  2. mehr Zeit für Familie und Freunde (60%)
  3. mehr Bewegung oder Sport (57%)
  4. mehr Zeit für sich (51%)
  5. eine gesündere Ernährung (49%)

Ein wohlwollender Jahresrückblick stärkt die eigene Selbstwirksamkeit

Wenn es nun aber so ist, dass ein Großteil der Vorsätze scheitert, ist es vielleicht sinnvoller sich zunächst mit einem Jahresrückblick zu beschäftigen und in diesem Sinne etwas nachzusitzen. Der Naturhistoriker, Physiker und Mathematiker Jakob Schmitt empfiehlt den Rückblick als gute Methode, um Klarheit zu gewinnen.

Wenn mir der Durchblick fehlt, helfe ich mir mit dem Rückblick.
Jakob Schmitt (1786 - 1807)

Beim Stressmanagement und im Resilienztraining spielt das Konzept „Stärkung der Selbstwirksamkeit“ eine große Rolle. Vereinfacht gesagt, wird Stress weniger, wenn man überzeugt davon ist, dass man mit dem eigenen Tun etwas bewirkt oder bewirken kann. Mit einer Jahresbilanz kann man die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was man im abgelaufenen Jahr erreicht hat. Man schlüpft dabei in eine Beobachterrolle und blickt auf das vergangene Jahr zurück. Durch eine schriftliche Formulierung gewinnt man dabei einen veränderten und verbindlichen Blickwinkel auf das eigene Handeln, denn beim Schreiben belügt man sich viel schwerer. Als Orientierung können folgende Fragen dienen:

  • Welche persönlichen Fortschritte wurden in diesem Jahr gemacht?
  • Welche Momente und Situationen haben einen richtig zufrieden (mit sich) gemacht?
  • Wer oder was hat einen in diesem Jahr zum Lachen gebracht?
  • Was wurde in diesem Jahr Neues ausprobiert, was hat man gelernt?
  • Was hat besonders gut geklappt? Und warum?
  • Wie viel Zeit nahm das ein, was einem wichtig ist? (z.B. Partner, Beruf, Hobby..)
  • Wofür kann man im Blick auf dieses Jahr dankbar sein, was war ein Geschenk?
  • Was war der größte Erfolg?
  • In welcher (persönlichen) Stimmung endet das Jahr?
  • Unter welche Überschrift oder welchen "Filmtitel" könnte man das abgelaufene Jahr stellen?

Vielleicht gibt es nach einer solchen Bilanz das Bedürfnis Neujahrsvorsätze zu formulieren. Nun hat man zumindest eine gute Basis und somit eine höhere Chance diese auch umzusetzen. Im Internet findet man Unmengen von Tipps, die dabei unterstützen sollen. Im Wesentlichen geht es aber immer um drei Dinge:

  1. Verbindlichkeit: Vorsätze sollten verbindlich und am besten schriftlich formuliert sein. Ganz wichtig ist das Warum? Was verändert sich zum Guten, wenn man diese Vorsätze umsetzt. Verbindlichkeit heißt aber auch konkret und handlungsorientiert zu sein. Ein Vorsatz „Stress abbauen“ sagt nichts aus. Nimmt man sich jedoch vor, im 1. Halbjahr einen Achtsamkeitskurs zu besuchen, ist das Ziel schon deutlich greifbarer.
  2. Unterstützung: Es kann hilfreich sein, sich selbst zu unterstützen, indem man seinen Vorsatz auf verschiedenen Zetteln in der Wohnung verteilt und so ständig daran erinnert wird. Eine andere gute Unterstützung sind Mitmenschen. Diese können einen erinnern oder vielleicht sogar bei der Umsetzung des Vorsatzes mitmachen.
  3. Durchhaltevermögen: Meist dauert eine Verhaltensänderung nur wenige Wochen, bis sie zu einer neuen Gewohnheit werden. Mit ein paar Meilensteinen im Terminkalender kann man sich diese Zeit visualisieren. Und bei Rückschlägen gilt: Jeder Tag kann ein 1. Januar sein, an dem man beginnen kann die eigenen Vorsätze und Ziele (von Neuem) umzusetzen. 

Der Jahreswechsel erinnert an das Fortschreiten der Lebenszeit

Der Jahreswechsel erinnert an das Fortschreiten der Zeit. Deswegen kann man die meist ruhigeren Tage zwischen dem Jahreswechsel gut nutzen, um sich mit dem Umgang mit der eigenen Lebenszeit zu befassen. Sich hinzusetzen und wohlwollend und in Dankbarkeit auf das alte Jahr zu schauen, ist im Sinne der eigenen Gesundheit ebenso förderlich, wie ein neugieriger und selbstbewusster Blick in das neue Jahr. Ein ernst gemeinter Vorsatz kann da ein guter Wegweiser sein. In diesem Sinne, auf in ein schönes 2020!

Autor:

Oliver Kustner aus Brühl

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