Karmetten – einmal alt-katholisch, einmal römisch

Lichterrechen für die Karmette
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Am Mittwoch, den 17. April 2019, fand um 20 Uhr in der Bonner Namen-Jesu-Kirche, der Bischofskirche des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland, die Karmette zum Gründonnerstag statt.

Was in der röm.-katholischen Kirche seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in reduzierter Form praktiziert wird, kennen Alt-Katholiken noch in der älteren, ausführlicheren Form.

Eine Trauermette nach römischen Ritus mit siebenflammigem Leuchter (s. Fotos), welcher angelehnt ist an die jüdische Menora, den siebenarmigen Leuchter des alttestamentlichen Salomonischen Tempels, wurde am vergangenen Karfreitag um 9.00 Uhr in der Bonner Kirche St. Remigius gefeiert.

Texte der Trauermette in St. Remigius

Die erste sowie die dritte Lesung waren den Klageliedern des Jeremias entnommen (1, 1-9 und 3, 1-9), die zweite Lesung dem Buch des Propheten Jesaja (63/64). Der Liturgie stand Msgr. Bernhard Auel vor; er hielt die tiefgründige Ansprache mit Bezug zu einem Werk der bildenden Kunst.

Breites musikalisches Spektrum

Die Münsterschola unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider sorgte mit einem sehr abwechslungsreichen Repertoire von Palestrina bis Pärt für den rechten Ton. In Ritus und Musik eingebunden wurde die anwesende Gemeinde, die sich mit um Altar und Kreuz versammelte.

Die Bonner Alt-Katholiken schreiben über die Karmette: „Diese Form des Stundengebetes gehört zum Eindrucksvollsten, was die Kirche in ihrer Liturgie birgt.“ Dem kann ich nur zustimmen.

Aufbau der Karmette am Vorabend zu Gründonnerstag (Namen-Jesu-Kirche)

Im alt-katholischen Ritus besteht jede Mette (vgl. Matutin: nächtliches Stundengebet) aus drei Nokturnen, die wiederum aus je einen Psalm und drei Lesungen zusammengesetzt sind. Dabei stammt die jeweils erste Lesung, welche in lateinischer Sprache – Übersetzungen lagen aus – gesungen wurde, aus den Klageliedern des Jeremia (Lamentationes Jeremiae), während die übrigen Lesungen dem Neuen Testament entnommen sind. Am Vorabend zum Gründonnerstag sind Texte, die von der Einsetzung der Eucharistie, von Jesus am Ölberg und von Judas‘ Verrat an Jesus berichten, zu hören. Gelesen wurden die biblischen Texte im Wechsel von Diakon Stefan Kandels, Pfarrer Norbert Schüppen (St. Cyprian) sowie dem Rector Ecclesiae der Namen-Jesu-Kirche Alexander Eck.

Symbolik des Leuchters

Während des Gottesdienstes stand vor dem Altar wie üblich ein dreieckiger Lichterrechen mit 15 Kerzen (auch als Triangelleuchter bekannt). 14 dieser Kerzen stehen dabei symbolisch für die elf Apostel und die drei Marien (Maria, die Mutter des Jacobus; Maria Salome; Maria von Magdala). Das Löschen einer Kerze nach jedem Abschnitt der Liturgie steht für das vergehende Leben Jesu. Der Wirkung des immer dunkler werdenden Kirchenraumes und der zunehmenden (visuellen) Konzentration auf das eine Licht, konnte sich wohl kaum jemand entziehen. Die oberste Kerze, die Christus selbst symbolisiert, wurde als Zeichen der Hoffnung auf Christi Auferstehung und Wiederkunft nicht gelöscht. Licht und Musik schufen eine geradezu meditative Atmosphäre. Das dreimalige Innehalten beim Heraustragen der letzten Kerze und die drei akustischen Schläge dazu zeigten einmal mehr, wie ausdrucksstark einfache Mittel sein können. Mir jedenfalls ging dieser Abschluss der Mette nicht zum ersten Mal durch Mark und Bein.

Musik der Renaissance

Die Vertonungen der „Lamentationes Jeremiae“ und der „Tenebrae“- Responsorien aus der Feder von Tomás Luis de Victoria (1548 - 1611) wurden von den Kölner Vokalsolisten und dem Projektchor der Gemeinde St. Cyprian unter Leitung von Ansgar Eimann ergreifend interpretiert. Ins Triduum Paschale kann man kaum stimmungsvoller versenken als mit dieser Karmette am Vorabend des Gründonnerstag.

(dcbp, 20.04.2019)

Autor:

Damiana C. Bauer-Püschel aus Bonn

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