Nur mit 1-a-Blasenmuskel!

Ich hatte ja neulich doch recht viel davon gesprochen, was es momentan in Bonn nicht zu sehen gibt. Und kaum war der Artikel in den Orbit geschickt, fiel mir doch auf, ich hatte doch tatsächlich etwas vergessen. Ja, es gibt noch etwas in Bonn, und obendrein noch preisgekrönt! In meinem SCHAUFENSTER hieß es: Der Beethoven Rundgang ist von dem "Art Directors Club für Deutschland" in der Kategorie "Spatial Experience-Outdoor" (Raumerlebnis im Freien) ausgezeichnet worden. Dabei setzte sich die Installation als Gesamtkonzept unter rund 7.000 Bewerbungen durch. Hallo! Der ADC Wettbewerb sei einer der größten Kreativwettbewerbe im deutschsprachigen Raum. Im Stadtgebiet stehen insgesamt elf Informationssäulen des Beethoven-Rundgangs "BTHVN-Story". Sieben der 2,5 Meter hohen Stelen sind multimedial konzipiert. Dort können Interessierte beispielsweise mit dreisprachigen Animationsfilmen, Informationstexten und Fotos Beethoven neu entdecken.

Deshalb hier jetzt mein Tipp: mit dem Zug anreisen und das denkmalgeschützte Hallendach unseres Hauptbahnhofs bewundern. Dann auf zum Beethoven-Rundgang. Aber, aufgepasst, nur für Leute mit 1-a-Blasenmuskel, der Tipp. Weil, auch wenn die Überschrift in meinem SCHAUFENSTER "Begehbares Andenken" hieß, heißt das noch lange nicht, dass du da irgendwo reingehen kannst, um Pipi zu machen. Was ja in diesen Tagen ein Thema von immens wichtiger Bedeutung ist. Man kann die abgehen, die Stelen, davor stehenbleiben, drum herumgehen, aber nicht in sie hineingehen.

Nicht, dass das Pipi-Thema nicht auch schon vor Corona das ein oder andere Mal Thema gewesen wäre, auch an dieser Stelle: Es ging um stundenlanges Stehen im Stau und wie ich damit umgehe. Apropos, da las ich doch neulich Folgendes: Einem natürlichen Bedürfnis nachzukommen, sei Autofahrern in England nur erlaubt, wenn sie gelenkig seien: Sie dürfen sich neben der Straße erleichtern, solange sie sich neben dem Hinterreifen des Autos befinden und dieses mit der rechten Hand berühren. Da wäre natürlich zunächst einmal wieder meine Frage, welche Droge in welcher Menge sich da jemand reingepfiffen hat, während er sich das ausgedacht hat. Und, ob wir hier vom kleinen oder vom großen Geschäft sprechen. Spricht dieser Artikel nur über im Stehen pinkelnde Männer? Muss ich mich diskriminiert fühlen oder darf ich als Frau Pipi und Aa machen, wie ich will?

Was ich aber eigentlich sagen wollte, der Radius ist recht eingeschränkt in diesen Zeiten, wenn man nicht permanent den Leuten in den Vorgarten defäkieren möchte. Dementsprechend habe ich ja meinen Radius angeglichen. Ich erinnere an meine Ausflüge in die Warteschlange vor meiner Postfiliale im Auerberg. Ein schier unerschöpflicher Quell an spontanen Begegnungen und lustigen Unterhaltungen. Ich hatte zwischenzeitlich schon auf Aperol umgesattelt, aber als es dann doch wieder so was von kalt wurde, habe ich kurzerhand zusätzlich auch wieder meine Thermoskanne Glühwein mitgenommen. Wann hat's denn das das letzte Mal gegeben - Glühwein im Mai? Vom Tragen, also vom Gewicht war das jetzt kein Problem, weil ich ja ohnehin immer mit meinem Einkaufswagen unterwegs bin. Was in vielerlei Hinsicht wirklich ungemein praktisch ist. Zum Beispiel hat es sich in der Nachbarschaft rumgesprochen, dass ich mich da öfters einfach mal aus purer Langeweile anstelle. Und so habe ich schon das ein oder andere Paket in die ein oder andere Richtung befördert. Wie gesagt, mit dem Einkaufswagen kein Problem. Ich komm ob meines persönlichen Equipments drauf. Da kommt natürlich einiges zusammen, wenn du für alle Eventualitäten vorbereitet sein willst. Als ich nur Glühwein getrunken habe, brauchte ich ja nur die Thermoskanne. Der Aperol ist da schon sportiver. Ich habe jetzt im Einkaufswagen immer eine kleine Kühlbox für den Prosecco und die Eiswürfel. Neulich wurde es doch tatsächlich einmal eng im Wagen: Mehrere Pakete retour, Kühlbox und einige Artikel von Lidl, die ich zwar nicht brauchte, die aber laut Ankündigung aus Asien verzögert eingetroffen waren. Da hatte ich mir gedacht, besser mal mitnehmen, könnte in Zukunft Mangelware werden.

Neulich, ich bin ehrlich, hab ich die Sache zu weit getrieben. Ich hatte ja oben erwähnt, dass die Gespräche in den Warteschlangen immer so was von amüsant sind. Aber manchmal sind sie mir auch einfach zu oberflächlich und alles ist schon gesagt. Da langweile ich mich dann, obwohl ich in der Schlange stehe. Da ist ja für mich der Witz weg. Dieser Tatsache geschuldet, haue ich dann schon mal Klopper raus, nur um zu provozieren, damit Stimmung in die Schlange kommt. Wie gesagt, neulich bin ich einfach zu weit gegangen. Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat. Also, wie fange ich an: In diesen Zeiten bin ich ja so was von froh, dass mein Hausarzt, also dessen Praxis, direkt bei mir ums Eck ist. Gut, wahrscheinlich könnte ich auch bei dem aufs Klo, aber ich geh ja meistens gar nicht rein. Ich stehe ja nur in der Schlange, draußen. Das ist eben auch so was von echt toll. Die Praxis ist in einem alleinstehenden Haus. Also die Hauseingangstür ist gleichzeitig die Tür zur Praxis. Was dazu führt, dass die Patienten sich draußen schlängeln. Und dort hatte ich mich neulich auch einmal eingereiht, weil die Postfiliale noch nicht geöffnet hatte. Für alle Fälle hatte ich extra meine Versichertenkarte eingesteckt und einen, allerdings wirklich nicht dringenden, Rezeptwunsch. Was mir da wohl auffiel, die Stimmung in dieser Warteschlange war weitaus gedrückter als ich es vor der Post gewohnt bin. Will sagen, mir drückte die Stimmung so was von aufs Gemüt. Ich weiß, das ist keine Entschuldigung, letztendlich ist es unverzeihlich, so was macht man nicht. Ich weiß auch nicht, warum ich so auf Krawall gebürstet war. Ich habe dann in diese gedrückte Stimmung hinein etwas gesagt, was absolut nicht stimmt, aber ich habe es rausgehauen. Ich habe halblaut vor mich hin gemurmelt: "Ein Glück, dass der Doktor mich schon vor Wochen geimpft hat. Es ist halt doch gut, wenn man Privatpatient ist und zusätzlich mit seinem Hausarzt befreundet ist." Holla, die Waldfee, da war aber plötzlich. Ich bin dann sofort ausgeschert und hab mich davongemacht. Mein armer Hausarzt, das tut mir so leid. Hoffentlich hat mich keiner unter meiner Maske erkannt!

Autor:

Adelheid Bennemann aus Bonn

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